Die Jagd nach des Mark­tes Lö­wen­an­teil

Peu­geot ist nach Daim­ler und Benz der zweit­äl­tes­te bis heu­te ak­ti­ve Her­stel­ler und fei­ert 2020 sein 130-jäh­ri­ges Be­ste­hen

Meppener Tagespost - - JOB WELT -

1889 er­wei­ter­te Ar­mand Peu­geot das aus Fahr­rä­dern, Werk­zeu­gen und Pfef­fer­müh­len be­ste­hen­de Port­fo­lio des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens um neu­ar­ti­ge Mo­tor­wa­gen, zu­nächst noch mit Ser­pol­le­tDampf­an­trieb, aber schon ein Jahr spä­ter mit Ben­zin­mo­to­ren, die in Daim­ler-Li­zenz ge­baut wur­den. Die ers­te ei­ge­ne Mo­to­ren­kon­struk­ti­on ge­lang Peu­geot 1896.

Es war der le­gen­dä­re Et­to­re Bu­gat­ti, der den klei­nen Bé­bé kon­stru­ier­te, mit dem Peu­geot 1912 das au­to­mo­bil­be­geis­ter­te Frank­reich ver­rückt mach­te. Ei­nen Sous pro Ki­lo­me­ter soll­te der flot­te Flit­zer kos­ten. Da­mit wur­de der 60 km/h schnel­le Peu­geot als ers­tes Volks­au­to für tau­sen­de Fran­zo­sen ein be­zahl­ba­rer Traum­wa­gen.

An Krea­ti­vi­tät, Ge­schäfts­sinn und Mut zu neu­en We­gen man­gel­te es der Mar­ke mit dem Lö­wen auch nach dem Ers­ten Welt­krieg nicht. Wäh­rend Ri­va­le Ci­tro­en mit frü­hen Fließ­band­mo­del­len wie dem Typ C die Her­zen der Eu­ro­pä­er im Sturm ge­wann, dann aber sei­ne ers­te In­sol­venz er­leb­te, ver­dien­te Peu­geot mit den preis­wer­ten schmal­spu­ri­gen Qua­dri­let­te-Ty­pen so viel Geld, dass es 1929 reich­te, um aus­ge­rech­net in den Jah­ren der Welt­wirt­schafts­kri­se zum Ge­ne­ra­lis­ten auf­zu­stei­gen. Vom klei­nen Peu­geot 201 über die strom­li­ni­en­för­mi­ge Mit­tel­klas­se 301 und 401 bis zum no­blen Sechs­zy­lin­der

601 war al­les da­bei. Vor al­lem der Coup ei­ner ge­nia­len Ty­pen-Si­gni­fi­ka­ti­on mit drei Zif­fern, da­bei die mitt­le­re als „Null“. Erst­mals konn­ten Kun­den so auch in kom­ple­xen Mo­dell­hier­ar­chi­en ei­ne kla­re Rang­ord­nung er­ken­nen.

Als Glücks­griff für Peu­geot er­wies sich be­reits das viel­sei­ti­ge Mo­dell 201, das als Li­mou­si­ne, Ca­brio, Cou­pé, Kom­bi, Kas­ten, Roads­ter, Tor­pe­do oder Ge­län­de­wa­gen in den 1930er Jah­ren ein Drit­tel des Hei­mat­mark­tes er­ober­te. Wer es da­ge­gen ex­klu­si­ver lieb­te, wähl­te da­mals ei­nes der avant­gar­dis­ti­schen Eclip­se-Mo­del­le mit elek­trisch ver­senk­ba­rem Me­tall­dach. Ei­ne Sen­sa­ti­on, die Peu­geot zur Jahr­tau­send­wen­de

wie­der­ho­len konn­te. Denn es wa­ren nicht frü­he Mer­ce­des SLK, son­dern preis­wer­te Peu­geot 206 CC und 307 CC, die Cou­pé-Ca­brio­lets zum ers­ten Me­ga­trend des 21. Jahr­hun­derts mach­ten.

Schon 1938 über­zeug­ten rau lau­fen­de Peu­geot-Selbst­zün­der im Typ 402 die Pa­ri­ser Ta­xi­fah­rer. Wirk­lich in Groß­se­rie ging der ef­fi­zi­en­te Die­sel al­ler­dings erst 1959 mit dem Peu­geot 403, da­für nun als Welt­neu­heit auch in Form ei­nes die­seln­den Fa­mi­li­en­kom­bis. 1967 hol­te der Peu­geot

204 den Selbst­zün­der dann in die Kom­pakt­klas­se, acht Jah­re vor dem De­büt des VW Golf Die­sel. Als Peu­geot 1999 dem Die­sel das ru­ßi­ge Rau­chen mit­tels se­ri­en­mä­ßi­gem Par­ti­kel­fil­ter als ers­ter Vo­lu­men­her­stel­ler ab­ge­wöhn­te – im Flagg­schiff 607 – wa­ren die Fran­zo­sen be­reits seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten größ­ter Die­sel­pro­du­zent der Welt.

Fer­ra­ri-Sti­list Pinin­fa­ri­na ent­warf in den 1950er Jah­ren die Pon­ton­form für den 403 und an­schlie­ßend die dis­tin­gu­ier­ten Tra­pez­li­ni­en für den Peu­geot 404 von 1960. Die­se Mo­dell­rei­hen avan­cier­ten nicht nur zu den ers­ten Mil­lio­nen­er­fol­gen der Lö­wen­mar­ke, sie wur­den auch als ers­te Peu­geot

auf al­le fünf Kon­ti­nen­te ex­por­tiert. Der­weil ließ Peu­geot ex­tra­va­gan­te Cou­pés und Ca­brio­lets wie die zwei­tü­ri­gen 404 und 504 (ab 1969) und spä­ter auch das klei­ne 205 Ca­brio di­rekt bei der Car­roz­ze­ria Pinin­fa­ri­na pro­du­zie­ren, was ih­ren Nim­bus als De­si­gn­ju­we­len nur stei­ger­te.

Über­haupt war der Peu­geot 205 ab 1983 für den Her­stel­ler „un sa­crée nu­me­ro“, wie der Wer­be­spruch ver­riet. Denn die­ser klei­ne Sym­pa­thie­trä­ger führt den Kon­zern zu­rück zu schwar­zen Zah­len, nach­dem die Über­nah­me der kri­seln­den Kon­kur­ren­ten Ci­tro­en, Sim­ca und Sun­beam (um­be­nannt in Tal­bot) bei­na­he das Aus be­schert hat­te.

Fo­to: Peu­geot

Geld­ma­schi­ne: preis­wer­te Qua­dri­let­te-Ty­pen.

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