Ge­sund­heit ist nicht mit Geld zu be­zah­len

Meppener Tagespost - - DIALOG -

Zum Ar­ti­kel „Wind­rad-Prä­mie für An­woh­ner?“(Aus­ga­be vom 2. Ja­nu­ar).

„Ein wei­te­rer Aus­bau der al­ter­na­ti­ven Ener­gi­en bringt fak­tisch kei­ne Ein­spa­run­gen aus an­de­ren Qu­el­len. Schon die der­zeit pro­du­zier­ten Men­gen las­sen sich we­gen feh­len­der Spei­cher­mög­lich­kei­ten nicht nut­zen, und das wird sich auch nicht re­le­vant än­dern. [...] Und die Spei­cher müss­ten erst ein­mal ge­gen die Wi­der­stän­de der ört­li­chen Be­völ­ke­rung ge­baut wer­den.

Die Schwan­kun­gen, die sich aus den wind- und son­nen­ar­men Zei­ten er­ge­ben, müss­ten durch kon­ven­tio­nel­le Ener­gie auf­ge­fan­gen wer­den. Aber wie denn, wenn Koh­le- und Atom­strom aus­ge­schlos­sen wer­den? Na­tür­lich durch Atom­strom aus den grenz­na­hen Atom­kraft­wer­ken in Frank­reich. Die Fol­ge ist, dass wir uns ab­hän­gig ma­chen und der Strom im Mit­tel jetzt schon sechs Cent mehr kos­tet als im Rest der EU. [...]“

Lud­ger Theis Eg­ger­müh­len

„Der SPD-Frak­ti­ons­vi­ze Mat­thi­as Miersch for­dert ei­ne ,Be­loh­nung‘ für die­je­ni­gen, die Wind­rä­der in ih­rer Nach­bar­schaft ak­zep­tie­ren und da­mit den Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en er­mög­li­chen. Es geht um die Schaf­fung fi­nan­zi­el­ler An­rei­ze für Bür­ger, die in sol­chen Ge­bie­ten le­ben. [...] Ge­sund­heit ist un­ser höchs­tes Gut und mit Geld nicht zu be­zah­len.

Was bil­den sich Po­li­ti­ker ein, wenn sie glau­ben, dass über Geld­zah­lun­gen die Ak­zep­tanz von Bür­gern ge­stei­gert wer­den könn­te, die un­ter 1000 Me­ter Ab­stand zu ei­nem 238 Me­ter ho­hen Wind­rad woh­nen müs­sen? Bei un­se­ren eu­ro­päi­schen Nach­barn gel­ten nicht oh­ne Grund ganz an­de­re Ab­stands­re­ge­lun­gen.

Laut Ge­neh­mi­gungs­un­ter­la­gen von Wind­parks wer­den zu­läs­si­ge Lärm­im­mis­si­ons­wer­te im­mer ein­ge­hal­ten. Die Pra­xis sieht an­ders aus und An­woh­ner wer­den mit der Lärm­be­läs­ti­gung al­lein­ge­las­sen. Sind An­la­gen erst­mal ge­baut, kann es meh­re­re Jah­re dau­ern bis sie schall­ver­mes­sen wer­den, ob­wohl dies in­ner­halb ei­nes Jah­res als Auf­la­ge der Ge­neh­mi­gung an­ge­ord­net ist. Be­trof­fe­ne müs­sen sich teu­re Über­wa­chungs­ge­rä­te an­schaf­fen, da­mit Be­hör­den über­haupt tä­tig wer­den.

Glei­ches gilt für die Be­las­tung durch In­fra­schall. [...] In­dus­trie­prä­si­dent Die­ter Kempf be­tont, dass auch die

Bür­ger ei­nen Preis für den Um­bau des Ener­gie­sys­tems zah­len müs­sen. Mit ,die Bür­ger‘ ist wie­der die Land­be­völ­ke­rung ge­meint. Deutsch­land­weit mehr als 1000 Bür­ger­initia­ti­ven, die sich ge­gen zü­gel­lo­sen Aus­bau von Wind­kraft en­ga­gie­ren, kön­nen nicht als zah­len­mä­ßig über­schau­ba­re Grup­pe be­zeich­net wer­den, auf die kei­ne Rück­sicht ge­nom­men wer­den muss. [...]

Was nützt uns ei­ne hun­dert­pro­zen­ti­ge Strom­ver­sor­gung aus er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en, wenn das letz­te Stück­chen Na­tur da­für ge­ro­det wer­den muss und auch für den letz­ten Greif­vo­gel noch ei­ne Aus­nah­me vom Tö­tungs­ver­bot ge­neh­migt wird?“

„Wind­kraft­an­la­gen spie­geln das Di­lem­ma der Ener­gie­wen­de, und jetzt glau­ben ei­ni­ge Po­li­ti­ker, die­ses Pro­blem mit Geld lö­sen zu kön­nen. Wind­park­an­lie­ger sol­len

Chris­tel St­ein­horst Glan­dorf

Gün­ter Stall­jo­hann Os­na­brück

an den Ge­win­nen der Park­be­trei­ber par­ti­zi­pie­ren, vor­aus­ge­setzt, sie ge­ben ih­ren Wi­der­stand ge­gen den Bau der Ge­ne­ra­to­ren auf. Je­mand, der bis­her be­haup­tet, durch Wind­rä­der ge­sund­heit­li­che Schä­den zu er­lei­den, wird un­glaub­wür­dig, wenn er sei­ne Mei­nung bei Geld­zu­wen­dun­gen än­dert und vom Op­po­nen­ten zum Be­für­wor­ter wird.

Das wür­de of­fen­ba­ren, dass die­ser Part der Ener­gie­wen­de reins­tes Thea­ter mit dem Haupt­dar­stel­ler ,Käuf­lich­keit und Pro­fit‘ ist. Wol­len Po­li­ti­ker das vi­el­leicht be­wei­sen?“

Fo­to: dpa/Ju­li­an Stra­ten­schul­te

Was nützt ei­ne hun­dert­pro­zen­ti­ge Strom­ver­sor­gung aus er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en, wenn das letz­te Stück Na­tur da­für ge­ro­det wer­den muss, fragt sich un­se­re Le­se­rin.

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