102 Ster­be­hil­fe-An­trä­ge ab­ge­lehnt

Ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn gibt kei­ne Er­laub­nis für To­des-Me­di­ka­men­te

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E -

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat in über 100 Fäl­len An­trä­ge auf Ster­be­hil­fe ab­leh­nen las­sen. In 102 Fäl­len ver­sag­te das zu­stän­di­ge Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Me­di­zin­pro­duk­te (BfArM) nach ei­ge­nen An­ga­ben von ges­tern schwerst­kran­ken Pa­ti­en­ten auf An­wei­sung des Mi­nis­ters den Zu­gang zu töd­li­chen Me­di­ka­men­ten.

Den An­ga­ben zu­fol­ge sind 24 An­trag­stel­ler ver­stor­ben. Die üb­ri­gen An­trä­ge be­fin­den sich in un­ter­schied­li­chen Sta­di­en der Be­ar­bei­tung. Zu­vor hat­te der Ber­li­ner „Ta­ges­spie­gel“ges­tern über die Zah­len be­rich­tet.

„Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit (BMG) hat das BfArM auf­ge­for­dert, An­trä­ge auf Er­tei­lung ei­ner Er­laub­nis zum Er­werb von Na­tri­um-Pen­to­bar­bi­tal zum Zweck der Selbst­tö­tung ab­zu­leh­nen“, teil­te das In­sti­tut auf An­fra­ge mit. Der Er­werb ei­nes Be­täu­bungs­mit­tels zum Zweck der Selbst­tö­tung ist in Deutsch­land grund­sätz­lich ver­bo­ten. Al­ler­dings hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im März 2017 ent­schie­den, dass schwerst­kran­ken

Men­schen „in ex­tre­men Aus­nah­me­si­tua­tio­nen“der Zu­gang zu Me­di­ka­men­ten zur Selbst­tö­tung nicht ver­wehrt wer­den dür­fe.

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um wies dem „Ta­ges­spie­gel“zu­fol­ge das BfArM im Ju­ni 2018 den­noch an, auch in Ex­trem­fäl­len den

Er­werb sol­cher Me­di­ka­men­te nicht zu er­lau­ben. Spahn will das Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Ver­bot der ge­schäfts­mä­ßi­gen Ster­be­hil­fe ab­war­ten. Die Rich­ter wol­len ihr Ur­teil am 26. Fe­bru­ar ver­kün­den.

Die SPD kri­ti­sier­te Spahns Vor­ge­hens­wei­se. „Der Bun­des­tag

hat nach lan­ger Dis­kus­si­on be­schlos­sen, dass die Bei­hil­fe zur Selbst­tö­tung in ei­nem sehr be­grenz­ten Rah­men straf­frei ist“, er­klär­te die stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­che­fin Bär­bel Bas. Das Bun­des­in­sti­tut sei durch das Ur­teil von 2017 da­zu ver­pflich­tet, im Ein­zel­fall die

Ab­ga­be der Me­di­ka­men­te zu prü­fen. „Ein Bun­des­mi­nis­ter darf auf die­se Ein­zel­fall­prü­fung kei­nen Ein­fluss neh­men oder so­gar An­wei­sun­gen er­tei­len, die die­sem Ur­teil und dem Wil­len des Bun­des­ta­ges ent­ge­gen­ste­hen.“

„Spahn igno­riert nicht nur ein Ge­richts­ur­teil, son­dern auch den Wil­len schwerst­kran­ker Men­schen“, er­klär­te der Lin­ken-Ge­sund­heits­ex­per­te Ha­rald Wein­berg. „Trotz des oh­ne­hin schon ex­tre­men Lei­dens­drucks mu­tet er den Be­trof­fe­nen ei­nen mo­na­teo­der jah­re­lan­gen Rechts­weg zu.“Das sei „völ­lig in­ak­zep­ta­bel“.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln for­der­te un­ter­des­sen laut „Ta­ges­spie­gel“das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um auf, sei­nen Um­gang mit dem The­ma Ster­be­hil­fe trans­pa­ren­ter zu ma­chen. So sol­le das Mi­nis­te­ri­um In­for­ma­tio­nen zu ei­ner Mi­nis­ter­vor­la­ge her­aus­ge­ben, in der Be­am­te das Karls­ru­her Ver­fah­ren zum Ver­bot der ge­schäfts­mä­ßi­gen Ster­be­hil­fe be­wer­ten. Die Köl­ner Ge­richts­ent­schei­dung er­ging nach ei­ner Aus­kunfts­kla­ge des „Ta­ges­spie­gels“im Eil­ver­fah­ren.

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