Bös­ar­ti­ges Spiel auf Le­bens­zeit

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Ja­na Hen­schen j.hen­[email protected]

Je­der Mensch hat das Recht, in Wür­de zu ster­ben. In Deutsch­land hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 2017 die­sen Rechts­an­spruch be­kräf­tigt: Schwer kran­ke Men­schen in ei­ner un­er­träg­li­chen Lei­dens­si­tua­ti­on sol­len in Aus­nah­me­fäl­len die Er­laub­nis zum Er­werb töd­lich wir­ken­der Be­täu­bungs­mit­tel er­hal­ten, nach vor­he­ri­ger Prü­fung.

Über die­ses Ur­teil je­doch setzt sich das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um auf Wei­sung des Mi­nis­ters Jens Spahn be­wusst hin­weg. Zwar wer­den die An­trä­ge der Pa­ti­en­ten ge­prüft, das Er­geb­nis aber steht schon vor­her fest: Sie wer­den ab­ge­lehnt. Ein Skan­dal.

Na­tür­lich soll­te der Staat bei der Ster­be­hil­fe ei­nen kla­ren ge­setz­li­chen Rah­men zie­hen. Die Sor­ge we­gen ei­nes Ge­schäfts mit dem Tod ist be­rech­tigt. Doch was ist mit dem schwerst­kran­ken Pa­ti­en­ten, der ster­ben will, weil sein Le­ben nicht mehr le­bens­wert ist, weil be­han­deln­de Ärz­te kei­ne Chan­ce auf Hei­lung

se­hen? Ist es dann nicht auch Auf­ga­be des Staa­tes, die­sem Men­schen ei­nen wür­de­vol­len Tod zu er­mög­li­chen und ihn auf sei­nem letz­ten Weg zu un­ter­stüt­zen? Die­se Pa­ti­en­ten zum Aus­fül­len un­zäh­li­ger For­mu­la­re zu zwin­gen und sie wo­chen­lang hin­zu­hal­ten, wie Spahn es an­ge­wie­sen hat, ist ein bös­ar­ti­ges Spiel auf Zeit mit Men­schen, die oh­ne­hin dem Tod ge­weiht sind. Hof­fent­lich weist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Mi­nis­ter in sei­ne Schran­ken, wenn es am 26. Fe­bru­ar sein Ur­teil zur Ster­be­hil­fe ver­kün­det.

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