An­ge­klag­ter ge­steht Jour­na­lis­ten­mord

To­des­schüt­ze: Ent­füh­rung Ku­ciaks ge­plant / Ver­lob­te soll­te ur­sprüng­lich nicht ster­ben

Meppener Tagespost - - POLITIK -

Rund zwei Jah­re nach dem Mord an dem slo­wa­ki­schen In­ves­ti­ga­ti­vJour­na­lis­ten Jan Ku­ci­ak und sei­ner Ver­lob­ten hat der mut­maß­li­che To­des­schüt­ze über­ra­schend die Tat ge­stan­den. Bis­her hat­te der An­ge­klag­te Mi­ros­lav M. sei­ne Schuld be­strit­ten. Ihm wird vor­ge­wor­fen, die bei­den 27-Jäh­ri­gen durch Schüs­se in Kopf und Brust ge­tö­tet zu ha­ben. Ges­tern leg­te er nach Ver­le­sung der An­kla­ge­schrift ein Ge­ständ­nis ab. Die Blut­tat vom Fe­bru­ar 2018 über­schat­tet bis heu­te das po­li­ti­sche Kli­ma in der Slo­wa­kei und hat Aus­wir­kun­gen auf die Par­la­ments­wahl am 29. Fe­bru­ar.

Au­ßer M. sind ein Mit­tä­ter, der mut­maß­li­che Auf­trag­ge­ber Ma­ri­an Koc­ner so­wie ei­ne Frau an­ge­klagt, die den Kon­takt or­ga­ni­siert ha­ben soll. Über die un­durch­sich­ti­gen Ge­schäf­te des Mil­lio­närs Koc­ner hat­te Ku­ci­ak vor sei­ner Er­mor­dung im­mer wie­der ge­schrie­ben. Ku­ci­ak und Mar­ti­na Kus­ni­ro­va wa­ren am 21. Fe­bru­ar 2018 in ih­rem

Haus im west­slo­wa­ki­schen Dorf Vel­ka Ma­ca er­schos­sen wor­den. Ku­ci­ak hat­te zu­vor über die Ver­fil­zung von Po­li­tik und Ge­schäf­te­ma­che­rei re­cher­chiert. Sei­ne erst nach dem Dop­pel­mord ver­öf­fent­lich­te Re­por­ta­ge über mög­li­che Ver­bin­dun­gen ita­lie­ni­scher Ma­fia-Clans zu Re­gie­rungs­mit­ar­bei­tern lös­te Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen ge­gen Kor­rup­ti­on und den Miss­brauch von EU-För­der­gel­dern aus. Dar­auf­hin tra­ten Lang­zeit-Re­gie­rungs­chef Ro­bert Fi­co, meh­re­re Mi­nis­ter und der Po­li­zei­prä­si­dent zu­rück.

Noch in ei­ner Vor­ver­hand­lung am 19. De­zem­ber hat­te

sich Mi­ros­lav M. eben­so wie sei­ne Mit­an­ge­klag­ten für nicht schul­dig er­klärt. An die Me­di­en wa­ren al­ler­dings schon frü­her In­for­ma­tio­nen aus den Er­mitt­lun­gen durch­ge­si­ckert, wo­nach M. ge­stän­dig sei. Des­halb hat­ten Me­di­en spe­ku­liert, wann M. auch vor Ge­richt sei­ne Schuld ein­ge­steht.

Ges­tern be­schrieb er dem Ge­richt auch aus­führ­lich den Ta­ther­gang, wo­bei er im We­sent­li­chen die In­for­ma­tio­nen be­stä­tig­te, die zu­vor schon aus Er­mitt­lungs­krei­sen durch­ge­si­ckert wa­ren. Dem­nach hat­ten M. und sein Mit­tä­ter den Wohn­ort Ku­ciaks und sei­ner Ver­lob­ten zu­vor mehr­mals er­kun­det, um die Tat zu pla­nen. Ur­sprüng­lich soll­te der Jour­na­list ent­führt wer­den, um dann spur­los zu ver­schwin­den. Auch hat­ten die Tä­ter die Aus­füh­rung des Mor­des zu­nächst ver­scho­ben, weil sie Ku­ci­ak al­lein an­tref­fen woll­ten. Als Kus­ni­ro­va un­er­war­tet auch am 21. Fe­bru­ar 2018 im Haus an­we­send war, ha­be er den Mord den­noch aus­ge­führt und auch sie er­schos­sen. Die Än­de­rung der ur­sprüng­li­chen Plä­ne er­klär­te M. mit Zeit­druck. Der Ver­mitt­ler des Mord­auf­trags ha­be auf ei­ne ra­sche Aus­füh­rung ge­drängt.

Da­mit be­las­te­te M. aus­ge­rech­net je­nen Mit­or­ga­ni­sa­tor des Mor­des, der schon frü­her ge­stän­dig war. Die­ser Zol­tan A. hat­te der Po­li­zei als Kron­zeu­ge wert­vol­le In­for­ma­tio­nen ge­lie­fert und er­hielt da­für ein ei­ge­nes Ver­fah­ren, bei dem er sich ei­ne mil­de­re Stra­fe er­hoff­te. Er wur­de am 30. De­zem­ber 2019 zu 15 Jah­ren Ge­fäng­nis ver­ur­teilt. Die­ses Ur­teil ist be­reits rechts­kräf­tig.

Foto: dpa

Der Mord an dem Jour­na­lis­ten Jan Ku­ci­ak und sei­ner Ver­lob­ten be­wegt die Slo­wa­kei bis heu­te und be­ein­flusst die Po­li­tik.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.