KZ-Pro­zess: Zeu­ge klagt nicht mehr

Meppener Tagespost - - NORDWEST -

Knapp zwei Mo­na­te nach sei­nem spek­ta­ku­lä­ren Auf­tritt im Stutt­hof-Pro­zess hat ein 76-jäh­ri­ger ame­ri­ka­ni­scher Zeu­ge sei­nen An­trag auf Ne­ben­kla­ge-Zu­las­sung zu­rück­ge­zo­gen. Das gab der bei­ge­ord­ne­te An­walt von Mos­he Pe­ter Loth ges­tern vor dem Land­ge­richt Ham­burg be­kannt. Der Ne­ben­kla­ge­ver­tre­ter hat­te da­mit ei­ner Ent­schei­dung des Ge­richts vor­ge­grif­fen.

Die Ju­gend­kam­mer hat­te nach ei­nem Bericht des Nach­rich­ten­ma­ga­zins „Der Spie­gel“die Glaub­wür­dig­keit des 76-Jäh­ri­gen prü­fen las­sen. Aus dem Bericht ging her­vor, dass die An­ga­ben des Zeu­gen zu sei­nem Le­ben zu­min­dest teil­wei­se nicht stim­men kön­nen. So hat­te Loth vor Ge­richt ge­sagt, er sei als Säug­ling mit sei­ner jü­disch­stäm­mi­gen Mut­ter in dem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger bei Dan­zig in­ter­niert ge­we­sen.

Die Re­cher­chen des Ge­richts hät­ten nun er­ge­ben, „dass der Vor­trag teil­wei­se nicht rich­tig sein kann“, so die Rich­te­rin. So ha­be Loth be­haup­tet, ihm und sei­ner Mut­ter sei­en Häft­lings­num­mern ein­tä­to­wiert wor­den. „Un­se­re Nach­for­schun­gen ha­ben er­ge­ben, dass tat­säch­lich nur in Au­schwitz Häft­lings­num­mern ein­tä­to­wiert wur­den.“Die Kam­mer se­he den Vor­trag des Zeu­gen des­halb als „nicht so be­son­ders glaub­wür­dig“an. Nach Re­cher­chen des „Spie­gels“gibt es auch kei­ne Hin­wei­se auf jü­di­sche Vor­fah­ren Loths. Die­ser hat­te im No­vem­ber zum Schluss sei­ner Aus­sa­ge er­klärt, er ver­ge­be dem An­ge­klag­ten, und ihn un­ter Trä­nen um­armt.

An­ge­klagt ist ein ehe­ma­li­ger Wach­mann in dem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger bei Dan­zig. Die Staats­an­walt­schaft wirft dem heu­te 93Jäh­ri­gen Bei­hil­fe zum Mord in 5230 Fäl­len vor. Er soll „die heim­tü­cki­sche und grau­sa­me Tö­tung ins­be­son­de­re jü­di­scher Häft­lin­ge un­ter­stützt“ha­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.