Tier­schüt­zer dro­hen Klöck­ner mit An­zei­ge

Streit um Re­form der Sau­en­hal­tung spitzt sich zu / Mi­nis­te­ri­um: PR-Gag

Meppener Tagespost - - WIRTSCHAFT - Von Dirk Fis­ser

Der Streit zwi­schen Tier­schüt­zern und Bun­des­re­gie­rung um die Zu­kunft der Schwei­ne­zucht spitzt sich wei­ter zu. Im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on kün­dig­te Tier­schutz­bund-Prä­si­dent Tho­mas Schrö­der an, Straf­an­zei­ge ge­gen Agrar­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner (CDU) stel­len zu wol­len, soll­te die ge­plan­te Re­form der Sau­en­hal­tung nicht ge­stoppt wer­den.

Schrö­der sag­te: „Die An­zei­ge ist for­mu­liert, wir sind be­reit, den Schritt zu ge­hen.“Er hof­fe aber, dass die Mi­nis­te­rin den Ver­ord­nungs­ent­wurf zu­rück­zieht. Das Re­form­vor­ha­ben ver­sto­ße „ekla­tant ge­gen das Staats­ziel Tier­schutz“. Das hät­ten ju­ris­ti­sche Gut­ach­ten im Auf­trag der Tier­schüt­zer be­legt. Kon­kret geht es Schrö­der um den Kas­ten­stand im Sau­en­stall. Der schränkt das Tier rund um die künst­li­che Be­f­ruch­tung län­ge­re Zeit stark in der Be­we­gung ein.

Im so­ge­nann­ten Mag­de­bur­ger Kas­ten­stands­ur­teil hat­ten Rich­ter rechts­kräf­tig fest­ge­stellt, dass der Sau mehr Platz zu­steht. Sie muss im Lie­gen zu­min­dest die Bei­ne aus­stre­cken kön­nen, oh­ne an Hin­der­nis­se zu sto­ßen. Das aber ist in vie­len Kas­ten­stän­den nicht mög­lich. Die Bun­des­re­gie­rung über­ar­bei­te­te die Nutz­tier­hal­tungs­ver­ord­nung. Der Ent­wurf soll dem­nächst im Bun­des­rat zur Ab­stim­mung kom­men.

Tier­schutz­bund-Prä­si­dent Schrö­der kri­ti­siert, dass die Re­form al­ler­dings nicht die An­for­de­run­gen aus dem Ur­teil be­rück­sich­ti­ge: Der Vor­schlag for­de­re nicht, dass die Sau ih­re Bei­ne aus­stre­cken muss. Schrö­der sag­te, er ha­be mehr­fach dar­auf hin­ge­wie­sen und se­he nun „kei­ne an­de­re Mög­lich­keit mehr“, als die Jus­tiz ein­zu­schal­ten und per­sön­lich ge­gen die Mi­nis­te­rin vor­zu­ge­hen.

Schrö­der: „Soll­te die Ver­ord­nung wie vor­ge­legt be­schlos­sen wer­den, wer­den wir ei­ne per­sön­li­che Straf­an­zei­ge ge­gen die Bun­des­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner we­gen ,Mein­eids‘ und ,An­stif­tung zur Tier­quä­le­rei‘ stel­len.“Nach Auf­fas­sung von Schrö­der ver­stößt das Re­form­vor­ha­ben ge­gen den in der Ver­fas­sung ver­an­ker­ten Tier­schutz.

Klöck­ners Mi­nis­te­ri­um re­agier­te un­ge­wohnt deut­lich auf die Vor­wür­fe. Ein Spre­cher be­zwei­fel­te auf An­fra­ge, ob ei­ne sol­che Kla­ge über­haupt Er­folg ha­ben kön­ne. „Das sieht eher nach ei­nem PR-Gag aus, und es stellt sich um­ge­kehrt die Fra­ge, ob ei­ne sol­che Kla­ge nicht den Tat­be­stand der Nö­ti­gung und der fal­schen Ver­däch­ti­gung er­fül­len könn­te.“Es sei frag­lich, wie ei­ne kon­struk­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit künf­tig aus­se­hen sol­le. „Ist doch der Tier­schutz­bund re­gel­mä­ßig Gast im Mi­nis­te­ri­um.“

Die Re­gie­rungs­plä­ne sind auch des­we­gen um­strit­te­nen, weil sie den Bau­ern ei­ne Über­gangs­frist von 15 Jah­ren ein­räu­men. Tier­schüt­zern ist das zu lang. Agrar­ver­bän­den ist das zu kurz. Tors­ten Staack von der In­ter­es­sen­ge­mein­schaft der Schwei­ne­hal­ter (ISN) sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on bei Be­kannt­wer­den des Re­form­vor­schlags, es wer­de „kein St­ein auf dem an­de­ren blei­ben kön­nen“in deut­schen Sau­en­stäl­len. Die Bun­des­re­gie­rung selbst ta­xiert die Um­bau­kos­ten auf 1,1 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Foto: dpa/Fri­so Gentsch

Um­strit­ten: Sau­en im Kas­ten­stand.

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