Schau­spie­ler Jan Fed­der mit gro­ßer Trau­er­fei­er ver­ab­schie­det

Trau­er­fei­er auf dem Kiez ganz nach dem Ge­schmack des be­lieb­ten Schau­spie­lers

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Mar­kus Lo­renz und Ju­li­an Will­uhn

Mit ei­ner gro­ßen Trau­er­fei­er hat sich Ham­burg ges­tern von dem be­lieb­ten Schau­spie­ler Jan Fed­der ver­ab­schie­det. In der Haupt­kir­che St. Michaelis ver­sam­mel­ten sich ne­ben der Fa­mi­lie zahl­rei­che Freun­de und Weg­ge­fähr­ten, dar­un­ter et­li­che Schau­spie­ler­kol­le­gen und an­de­re Pro­mis. Fed­der war am 30. De­zem­ber im Al­ter von 64 Jah­ren in sei­ner Hei­mat­stadt ge­stor­ben. Er hat­te seit Lan­gem an Ge­sund­heits­pro­ble­men ge­lit­ten. Fed­der ha­be mit sei­ner un­nach­ahm­li­chen nord­deut­schen Art für vie­le Men­schen weit über Ham­burg hin­aus „ein Stück Hei­mat“dar­ge­stellt, sag­te der Ex-In­ten­dant des Nord­deut­schen Rund­funks, Lutz

Mar­mor, vor der Trau­er­ge­mein­de. Alex­an­der Rö­der, Haupt­pas­tor der auch als Mi­chel be­kann­ten Ham­bur­ger Haupt­kir­che, nann­te ihn ei­nen Men­schen „mit Ecken und Kan­ten“.

Sein St. Pau­li war in die­sem Mo­ment wohl ge­nau so, wie es sich Jan Fed­der aus­ge­malt hat: Als der Lei­chen­wa­gen mit dem Sarg des Schau­spie­lers ges­tern Nach­mit­tag lang­sam auf die Ree­per­bahn ein­bog, hat­te der Him­mel über Ham­burg auf­ge­hört zu wei­nen, vom Ha­fen weh­te das Tu­ten der Fäh­ren her­über, und ent­lang der sün­di­gen Mei­le stan­den Hun­der­te schwei­gend Spa­lier. Ei­ner schwenk­te ei­ne Ham­burg-Fah­ne, an­de­re pros­te­ten dem TV-Star stumm mit Bier­fla­schen zu. Ein an­de­rer mur­mel­te „Tschüss, Jan“, als der ro­sen­ge­schmück­te Sarg im Old­ti­mer-Benz mit den un­ver­häng­ten Fens­tern an der Da­vids­wa­che vor­über­glitt.

Büh­ne vor der „Rit­ze“

Die­se letz­te Eh­ren­run­de durch sein Kiez­re­vier hat­te sich der Jun­ge aus St. Pau­li ge­wünscht. Fed­der, der am 30. De­zem­ber ge­stor­ben war und ges­tern 65 Jah­re alt ge­wor­den wä­re, hat­te sein ge­sam­tes Le­ben in dem Rot­licht­stadt­teil ver­bracht. Fast 30 Jah­re ver­kör­per­te er den Ham­bur­ger Po­li­zis­ten Dirk Mat­t­hies in der TV-Se­rie „Groß­stad­t­re­vier“. Und so es­kor­tier­ten Po­li­zei­mo­tor­rä­der und Strei­fen­wa­gen mit Blau­licht den Kor­so, der kurz vor der Gro­ßen Frei­heit zum Ste­hen kam. Vor dem Pink Pa­lace hat­ten Fed­der-Freun­de aus der Kiezs­pe­lun­ke „Zur Rit­ze“ei­ne Büh­ne auf­ge­baut, von der das „Ave Ma­ria“und Le­on­hard Co­hens „Hal­le­lul­jah“er­klan­gen. Mi­nu­ten­lang harr­te der Wa­gen aus, so als hör­te Jan Fed­der zu. Pas­san­ten stimm­ten ein, und als Sän­ge­rin Lae­ti­cia Spor­mann ih­ren Tri­but be­en­det hat­te, rief auch sie: „Tschüss, Jan. Für im­mer.“

Zu­vor hat­ten fast 2000 ge­la­de­ne Gäs­te im Mi­chel fei­er­lich Ab­schied ge­nom­men. Der Got­tes­dienst be­gann mit Or­gel­klän­gen und der Stim­me des Ver­stor­be­nen. Jan Fed­der sang „La Pa­lo­ma“vom Band, und zahl­rei­che Freun­de und Weg­ge­fähr­ten lausch­ten an­däch­tig. Bür­ger­meis­ter Peter Tschent­scher (SPD), TV-Koch Tim Mäl­zer, Drag­queen Oli­via Jo­nes, Rot­licht­grö­ße Carsten Marek, Scor­pi­ons-Sän­ger Klaus Mei­ne, Scoo­ter-Front­mann H.P. Ba­xx­ter, die Schau­spie­ler Heinz Ho­enig, Clau­deO­li­ver Ru­dolph und Axel Mil­berg

so­wie Kol­le­gen aus dem „Groß­stad­t­re­vier“, aus „Neu­es aus Büt­ten­war­der“und „Das Boot“wa­ren ge­kom­men.

Ham­burgs be­rühm­tes­te Kir­che war mit Ro­sen ge­schmückt. Fed­ders Lieb­lings­blu­men er­in­ner­ten an sei­ne Hoch­zeit vor 20 Jah­ren in dem Got­tes­haus. Im Mi­chel war Fed­der au­ßer­dem ge­tauft und kon­fir­miert wor­den. Hier sang er im Kirchencho­r. Kein Wun­der, dass er sich ge­wünscht hat­te, dass sei­ne Trau­er­fei­er hier statt­fin­den soll­te.

Wäh­rend drau­ßen Hun­der­te die Fei­er auf ei­ner Lein­wand ver­folg­ten, wür­dig­ten drin­nen Trau­er­red­ner den Schau­spie­ler und den Men­schen. Haupt­pas­tor Alex­an­der Rö­der er­in­ner­te sich dar­an, wie der „Groß­stad­t­re­vier“-Star die Weih­nachts­ge­schich­te im Mi­chel vor­las. „Vor Ner­vo­si­tät hat er in der Sa­kris­tei ei­ne Zi­ga­ret­te nach der an­de­ren ge­raucht.“

Emo­tio­na­ler Ab­schied

Sicht­lich be­wegt nahm Po­li­zei­prä­si­dent Ralf Mar­tin Mey­er vom „Eh­ren­kom­mis­sar“Ab­schied , vom „Schutz­mann um die Ecke“. So wie Fed­der wün­sche er sich sei­ne Po­li­zis­ten. Zwi­schen­durch er­klang nicht nur Kir­chen­mu­sik, Rock­mu­sik­fan Fed­der hat­te sich auch „Child in Ti­me“von Deep Pur­p­le und „Kno­ckin’ on Hea­ven’s Door“von Bob Dy­lan ge­wünscht – ge­ra­de­zu zärt­lich vor­ge­tra­gen von Sän­ge­rin Jes­sy Mar­tens.

Der emo­tio­nals­te Bei­trag kam zum Schluss: Mit fes­ter Stim­me rich­te­te sich Wit­we Ma­ri­on an ih­ren Jan: „Das ist der schwers­te Gang, den ich je ma­chen muss­te. Es wird nie wie­der je­man­den ge­ben wie dich. Nun muss ich dich auf dei­ne letz­te Rei­se über die Ree­per­bahn schi­cken und dann heißt es: schla­fen. End­lich Ru­he ha­ben und träu­men. Für ei­ne lan­ge Zeit. Mein ge­lieb­ter Jan: Schlaf gut.“Als sechs Ham­bur­ger Po­li­zis­ten den Sarg aus der Kir­che tru­gen, sang er­neut Fed­der vom Band. „Ich lie­be dich“, ein Lied, das er selbst ge­schrie­ben und ein­ge­spielt hat – für Ma­ri­on.

Foto: dpa/Da­ni­el Rein­hardt

Fotos: dpa/Da­ni­el Rein­hardt

Ab­schied im Mi­chel: Zahl­rei­che Krän­ze lie­gen nach der Trau­er­fei­er im Al­tar­raum der Kir­che. Un­ter den Gäs­ten wa­ren vie­le Pro­mi­nen­te wie Ben Be­cker (Bild links). Wit­we Ma­ri­on Fed­der (Bild rechts) ver­ab­schie­de­te sich mit den Wor­ten „Schlaf gut“.

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