Kon­tro­ver­se um Al­lee

Oehm Bau­un­ter­neh­men will neu­es Ver­wal­tungs­ge­bäu­de er­rich­ten

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Her­mann-Jo­sef Mam­mes Wei­te­re Ar­ti­kel über die Stadt­ent­wick­lung le­sen Sie auf noz.de

Ei­ne kon­tro­ver­se Dis­kus­si­on hat sich im Mep­pe­ner Pla­nungs- und Bau­aus­schuss rund um den ge­plan­ten Bau ei­nes Ver­wal­tungs­ge­bäu­des der Fir­ma Oehm ent­facht. Die po­li­ti­sche Mehr­heit lehnt es ab, dass ei­ne Al­lee an der Au­gust-Pries­hof-Stra­ße da­für wei­chen soll.

Das Mep­pe­ner Bau­un­ter­neh­men Oehm will sei­ne Ver­wal­tung von der Rie­de­mann­stra­ße in die Au­gust-Pries­hof-Stra­ße um­sie­deln. Dies stößt in der Stadt­rats­po­li­tik je­doch auf ein ge­teil­tes Echo, zu­mal meh­re­re al­lee­prä­gen­de Bäu­me ge­fällt wer­den sol­len. Stadt­pla­ne­rin Andrea Bü­ring stell­te De­tails in der öf­fent­li­chen Sit­zung des Mep­pe­ner Pla­nungs- und Bau­aus­schus­ses vor.

Da­nach will das Mep­pe­ner Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men auf ei­nem rund 2000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Are­al an der Au­gust-Pries­hof-Stra­ße ein neu­es Ver­wal­tungs­ge­bäu­de er­rich­ten. Bis­lang wird die Flä­che als kos­ten­lo­ser Park­platz von vie­len Bür­gern ge­nutzt. Nicht sel­ten sind al­le frei­en Park­plät­ze tags­über be­setzt. Da das Are­al bis­lang im Be­bau­ungs­plan als Park­platz aus­ge­wie­sen ist, muss der Be­bau­ungs­plan ge­än­dert wer­den. „Wir wol­len hier ein ur­ba­nes Ge­biet fest­set­zen“, sagt Bü­ring. Ein ur­ba­nes Ge­biet zeich­net sich auch durch ei­ne ho­he Bau­dich­te aus. So soll hier ein drei­ge­schos­si­ges Ge­bäu­de mit ei­nem zu­sätz­li­chen Staf­fel­ge­schoss er­rich­tet wer­den.

Wie Geo­graf Jür­gen Gie­se aus­führ­te, ste­hen auf der Flä­che zahl­rei­che Bäu­me mit ei­ner Stamm­di­cke zwi­schen 40 und 90 Zen­ti­me­tern, un­ter an­de­rem Ei­chen und Pla­ta­nen. Nach dem Ent­wurf der Stadt­ver­wal­tung könn­ten die­se Bäu­me bis auf zwei di­cke Laub­bäu­me im vor­de­ren Teil des Grund­stü­ckes al­le­samt ge­fällt wer­den. Zu­dem sei vor­ge­se­hen, auf ei­nem Teil­stück ent­lang der Au­gust-Pries­hofStra­ße ei­ne Tem­po-30-Zo­ne ein­zu­rich­ten.

Bis auf die CDU lehn­ten al­le Frak­tio­nen die­se „Baum­fäll­ak­ti­on der Al­lee“je­doch

ab. Le­dig­lich Rats­mit­glied Rei­ner Füb­be­ker be­grüß­te im Na­men der CDU-Frak­ti­on die Plä­ne, „auch wenn ei­ni­ge Bäu­me wei­chen müs­sen“. Er wies dar­auf hin, dass die Um­sied­lung sinn­voll sei, weil die Stadt aus dem bis­he­ri­gen „Ge­wer­be­ge­biet Rie­de­mann­stra­ße ein Wohn­ge­biet“gestal­ten will. Die CDU hof­fe, dass wei­te­re Be­trie­be dem Bei­spiel der Fir­ma Oehm fol­gen wer­den.

SPD-Ratsherr Bernd Kai­ser sprach sich zwar eben­falls im Grund­satz für die Um­sied­lung aus, füg­te je­doch ve­he­ment hin­zu: „Wir wol­len nicht nur zwei Bäu­me, son­dern die gan­ze Al­lee an der Au­gust-Pries­hof-Stra­ße er­hal­ten.“Ähn­lich äu­ßer­te sich Richard Dick­mann (UWG):

„Wir ha­ben nichts ge­gen die An­sied­lung. Wir kön­nen uns aber nicht mit dem Ab­hol­zen an­freun­den.“So stün­den auf der Flä­che 20 Bäu­me, und es müss­ten mehr als nur zwei er­hal­ten wer­den. Und auch Carsten Keetz (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) und Jut­ta Oe­strei­cher (BfM/FDP-Frak­ti­on) mach­ten klar, dass sie das Ab­hol­zen des al­ten Baum­be­stan­des nicht to­le­rie­ren wer­den.

Schließ­lich schal­te­te sich Bür­ger­meis­ter Hel­mut Knur­bein in die Dis­kus­si­on ein: „Die alt­ein­ge­ses­se­ne Mep­pe­ner Fir­ma will zwei Bäu­me er­hal­ten.“Sie müs­se zu­dem auf der Flä­che auch Fir­men­park­plät­ze aus­wei­sen. Zu­dem ver­spre­che sich das Un­ter­neh­men „von ei­ner bes­se­re Sicht­bar­keit“ei­ne bes­se­re Re­so­nanz von Fach­kräf­ten. Er räum­te ein, dass man zu­dem „un­ter Zeit­druck“ste­he. Das Un­ter­neh­men er­war­te ei­ne Ent­schei­dung.

Nach län­ge­rer Dis­kus­si­on ei­nig­ten sich die Stadt­rats­mit­glie­der bei ei­ner Ent­hal­tung (Keetz) zu gu­ter Letzt doch noch auf ei­nen Kom­pro­miss. So soll die Stadt­ver­wal­tung in Ge­sprä­chen mit dem Un­ter­neh­men ab­klä­ren, ob die­ses be­reit sei, wei­te­re al­lee­prä­gen­de Bäu­me zu er­hal­ten. Zu­dem wol­len die Stadt­rats­mit­glie­der sich bei ei­nem Lo­kal­ter­min vor Ort noch ein­mal selbst ein Bild ma­chen. Erst da­nach wer­de end­gül­tig über den Be­bau­ungs­plan ent­schie­den. Die­ser soll dann ex­pli­zit auf­lis­ten, wie vie­le Bäu­me ge­fällt dür­fen bzw. wel­che Bäu­me un­be­dingt zu er­hal­ten sind.

Die Fir­ma Oehm wur­de 1949 ge­grün­det und ist heu­te noch ein Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men.

Foto: H.-Jo­sef Mam­mes

Auf dem Park­platz an der Au­gust-Pries­hof-Stra­ße soll ein Ver­wal­tungs­ge­bäu­de der Fir­ma Oehm ent­ste­hen.

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