Un­ge­wöhn­li­che Mo­de aus Süd­afri­ka

Süd­afri­ka­ni­sche De­si­gner er­öff­nen Ber­li­ner Mo­de­wo­che

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E -

Die Ber­li­ner Fa­shion Week be­ginnt mit ziem­lich un­ge­wohn­ten Bil­dern. Den Lauf­steg er­öff­nen vier De­si­gner aus Süd­afri­ka. In den Me­tro­po­len des Kon­ti­nents eta­blie­ren sich im­mer mehr Mo­de­schöp­fer – doch sie kämp­fen auch ge­gen Bil­lig­mo­de aus Eu­ro­pa.

Ei­ne Rie­sen­schlei­fe auf dem Kopf oder li­la­far­be­ne Rü­schen an den Är­meln? Wer die ers­ten Bil­der von der Ber­li­ner Mo­de­wo­che sieht, könn­te über­rascht die Au­gen­brau­en hoch­zie­hen – oder gro­ße Lust auf Ex­pe­ri­men­te be­kom­men. Zum Auf­takt der Fa­shion Week ha­ben süd­afri­ka­ni­sche De­si­gner ziem­lich viel Un­ge­wohn­tes ge­zeigt.

Mit Ent­wür­fen von Cli­ve Rund­le, Floyd Ave­nue, Rich Mni­si und Vi­viers wur­de am Mon­tag­abend der Lauf­steg im Kraft­werk er­öff­net. Die Mo­dels tru­gen zum Bei­spiel far­bi­ge Dru­cke. Und auf­fäl­li­gen Schmuck.

Zu den Gäs­ten ge­hör­ten das süd­afri­ka­ni­sche Mo­del Can­di­ce Swan­e­po­el und „Ger­ma­ny’s Next Top­mo­del“Ge­win­ne­rin Ste­fa­nie Gie­sin­ger. Doch das sind nur ei­ni­ge der Pro­mis in die­sem Jahr. Für ges­tern Abend wur­den in Berlin US-Schau­spie­le­rin Ka­tie Hol­mes („Oce­an’s 8“, „Die Ken­ne­dys“), Ex-Fuß­bal­ler Bas­ti­an Schwein­stei­ger und sei­ne Frau, die frü­he­re Ten­nis­spie­le­rin Ana Iva­no­vic, er­war­tet.

De­si­gner Mni­si (28) aus Johannesbu­rg zeig­te zum Auf­takt et­wa knall­bun­te An­zü­ge. Das Ma­ga­zin „Forbes Af­ri­ca“hat­te den Mo­de­schöp­fer im ver­gan­ge­nen Jahr un­ter die „Top 30 un­ter 30“ge­wählt, al­so zu ei­ner der span­nends­ten jun­gen Per­sön­lich­kei­ten. „Ich will ehr­li­che De­signs schaf­fen, die auch zei­gen, wo ich her­kom­me“, sagt er.

In­spi­rie­ren lässt sich Mni­si von sei­ner Ur­groß­mut­ter, die er nie ken­nen­ge­lernt hat. Und von an­de­ren Ver­wand­ten. Er will da­bei hel­fen, dass in sei­ner Hei­mat neue Jobs ent­ste­hen, und mit an­de­ren in sei­ner Com­mu­ni­ty zu­sam­men­ar­bei­ten. „Vor al­len Din­gen will ich de­nen zu­hö­ren, die be­reit sind, ih­re Ge­schich­te zu er­zäh­len.“Sei­ner Mei­nung nach gibt es ge­ra­de ei­ne Chan­ce, mit al­ten Vor­stel­lun­gen von Afri­ka zu bre­chen. „Jah­re­lang hat man Afri­ka als ein gro­ßes Gan­zes ge­se­hen – aber das ist es nicht“, sag­te Mni­si. Es ge­he dar­um, der Welt bei­zu­brin­gen, dass es mehr als 2000 ver­schie­de­ne Stäm­me ge­be, ver­schie­de­ne Bräu­che und Tra­di­tio­nen. „Die Welt lernt Afri­ka neu ken­nen.“Auch in der Mo­de.

Im Ver­gleich zu Eu­ro­pa ist die Mo­de­in­dus­trie in Afri­ka noch klein. Es be­steht aber gro­ßes Po­ten­zi­al, denn Afri­ka ist der jüngs­te Kon­ti­nent der Welt. Zwei Drit­tel al­ler Men­schen dort sind jün­ger als 35. Und die Zahl wird wei­ter wach­sen. Im­mer mehr Mo­de­schöp­fer

eta­blie­ren sich in Me­tro­po­len wie Kap­stadt und Johannesbu­rg, in der ni­ge­ria­ni­schen Me­ga-Ci­ty La­gos und in Ke­ni­as Haupt­stadt Nai­ro­bi.

Sie de­si­gnen für ei­ne wach­sen­de Mit­tel­schicht – vor al­lem für jun­ge, ur­ba­ne Afri­ka­ner, die mit ih­rem Stil In­di­vi­dua­lis­mus und Stolz zum Aus­druck brin­gen wol­len und ge­gen ein west­li­ches Bild an­kämp­fen, wie afri­ka­ni­sche Mo­de aus­zu­se­hen ha­be. „Ich will ein Pro­dukt schaf­fen, das aus mei­ner Sicht da­zu passt, wie ich das ur­ba­ne Le­ben in Nai­ro­bi se­he“, sagt et­wa die ke­nia­ni­sche De­si­gne­rin Ka­tun­gu­lu Mwend­wa (31). Wei­te Schnit­te, asym­me­tri­sche Mus­ter und ge­deck­te Oran­geund Blau­tö­ne do­mi­nie­ren ih­re De­signs.

Doch Mo­de­schöp­fer in Afri­ka ha­ben es schwer. „Ich glau­be, es gibt viel In­ter­es­se, ört­li­che Mar­ken zu kau­fen“, sagt Mwend­wa. „Aber ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung sind die Prei­se.“In den meis­ten Län­dern gibt es kaum hei­mi­sche Tex­til­in­dus­trie. Stof­fe müs­sen im­por­tiert wer­den, was zu ho­hen Kos­ten führt. Weil der Markt von güns­ti­ger Se­cond­hand-Klei­dung aus Eu­ro­pa und den USA über­flu­tet wer­de, er­war­te­ten die Men­schen, dass Mo­de güns­tig sei, sagt Mwend­wa.

Die we­nigs­ten Ke­nia­ner kön­nen sich die Stü­cke leis­ten. Und die wohl­ha­ben­de Elite in Städ­ten wie La­gos ent­schei­det sich oft eher für eu­ro­päi­sche Mar­ken, die auch als Sta­tus­sym­bol gel­ten.

Foto: dpa/Brit­ta Pe­der­sen

Lust an far­bi­ger, aus­ge­fal­le­ner Klei­dung zeig­ten die süd­afri­ka­ni­schen Mo­de­schöp­fer.

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