Zwei Di­enst­te­le­fo­ne und ein Fra­ge­zei­chen

Von der Ley­ens SMS be­schäf­ti­gen den Un­ter­su­chungs­aus­schuss

Meppener Tagespost - - POLITIK -

Was ge­nau die frü­he­re Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin und heu­ti­ge EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en über ih­re Mo­bil­te­le­fo­ne kom­mu­ni­ziert hat, könn­te für im­mer ihr Ge­heim­nis blei­ben. Nach­dem ein ers­tes Han­dy aus­ge­wech­selt und spä­ter ge­löscht wor­den war, sind auch auf dem zwei­ten Ge­rät we­der im Ord­ner „Ge­schäft­li­cher Be­reich“noch im Ord­ner „SMS“Nach­rich­ten zu fin­den. Das schreibt das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um an den Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­ta­ges. Er soll sich mor­gen mit dem The­ma be­fas­sen.

Die Un­ter­su­chung hat­te An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er an­ge­ord­net, CDU-Par­tei­freun­din von der Ley­ens, Amts­nach­fol­ge­rin und zum Jah­res­en­de öf­fent­lich ver­är­gert dar­über, dass kein Da­ten­zu­griff mehr auf die re­gie­rungs­amt­li­chen Hoch­si­cher­heits­te­le­fo­ne vom Typ Black­ber­ry Z 30 mög­lich ist. Der Un­ter­su­chungs­aus­schuss be­fasst sich mit Vor­wür­fen wie un­kor­rek­ter Auf­trags­ver­ga­be und Vet­tern­wirt­schaft im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um.

Da­bei soll­te auch die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on der da­ma­li­gen Mi­nis­te­rin un­ter die Lu­pe ge­nom­men wer­den. Doch von der Ley­ens ers­tes Han­dy war auf Eis ge­legt wor­den, nach­dem im Ja­nu­ar 2019 ein mas­si­ver Da­ten­klau Po­li­ti­ker in ganz Deutsch­land auf­ge­schreckt hat­te. Auf ei­nem Twitter-Kon­to wa­ren per­sön­li­che Da­ten von Hun­der­ten Pro­mi­nen­ten ver­öf­fent­licht wor­den. Be­trof­fen war auch von der Ley­en.

Sie er­hielt da­nach ein neu­es, zwei­tes Han­dy. Die­ses nutz­te sie, als sie noch Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin war, aber schon ums höchs­te EU-Amt rang – in­klu­si­ve SMS-Kon­tak­ten mit prak­tisch al­len Re­gie­rungs­chefs und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­tern,

heißt es aus Brüs­sel. Te­nor: Da wird die gan­ze Welt­po­li­tik dis­ku­tiert, das kann man so nicht of­fen auf den Tisch le­gen.

„Da ein be­trächt­li­cher An­teil der Kom­mu­ni­ka­ti­on über das Mo­bil­te­le­fon auf die Zeit nach dem Aus­schei­den als Bun­des­mi­nis­te­rin ent­fiel, wur­den die per­sön­li­chen und zum Teil ver­trau­li­chen Da­ten vor Rück­ga­be an das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung ge­löscht“, heißt es in ei­ner Nach­richt des Ex-Chefs des Lei­tungs­sta­bes, Björn Sei­bert, an das Mi­nis­te­ri­um.

Den­noch: Am 3. Ja­nu­ar er­klärt Sei­bert für sich und die Mi­nis­te­rin das Ein­ver­ständ­nis, die In­hal­te der Mo­bil­te­le­fo­ne „auf be­weis­er­heb­li­che

Da­ten“ein­zu­se­hen. Un­klar bleibt, ob und was von den Da­ten auf den Han­dys noch ge­ret­tet wer­den kann und soll und ob da­bei auch pro­fes­sio­nel­le Da­ten­ret­ter zum Ein­satz kom­men könn­ten.

Wenn Ot­to Nor­mal­ver­brau­cher et­was löscht, wird es oft nur als ge­löscht mar­kiert, wie Ex­per­ten er­klä­ren. Re­le­vant wird die Lö­schung erst in dem Mo­ment, wo die Da­ten über­schrie­ben wer­den. Dann ist ei­ne Wie­der­her­stel­lung nur mit gro­ßem Auf­wand mög­lich – wenn über­haupt.

Der Grü­ne Tobias Lind­ner hat­te im De­zem­ber Straf­an­zei­ge we­gen der Da­ten-Lö­schung ge­stellt. Wel­che Ge­sprä­che, SMS, E-Mails, Brie­fe oder sons­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on Ein­gang in die Ak­ten fin­den, das legt die so­ge­nann­te Re­gis­tra­tur­richt­li­nie für die Bun­des­re­gie­rung fest. Es gibt zwei Be­din­gun­gen, wann Kom­mu­ni­ka­ti­on fest­zu­hal­ten ist: Ers­tens, wenn es um ei­ne in­halt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit Fra­gen des je­wei­li­gen Res­sorts geht. Und zwei­tens, wenn die In­for­ma­ti­on nicht be­reits an an­de­rer Stel­le fest­ge­hal­ten ist.

Foto: dpa/Brit­ta Pe­der­sen

Bri­san­te Da­ten sol­len von Ur­su­la von der Ley­ens Mo­bil­te­le­fo­nen ge­löscht wor­den sein. Zu Recht?

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