Brand­ge­fähr­li­ches Di­lem­ma

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von Tho­mas Lud­wig t.lud­[email protected]

Li­by­en ist ein ge­schei­ter­ter Staat, es re­gie­ren Cha­os und Ge­walt. Für die meis­ten Eu­ro­pä­er ist das Ge­sche­hen weit weg; was geht’s mich an? Doch das ist ei­ne Feh­l­ein­schät­zung.

Denn Li­by­en ist ein wich­ti­ger Ener­gie­lie­fe­rant. Und vor al­lem: Afri­ka­ni­sche Mi­gran­ten und Flücht­lin­ge nut­zen die Wir­ren im Wüs­ten­staat auf ih­rem Weg nach Eu­ro­pa. Es muss für die EU al­so von größ­tem In­ter­es­se sein, dass das Bür­ger­kriegs­land end­lich wie­der zur Ru­he kommt. Dass die Bun­des­re­gie­rung für das Wo­che­n­en­de zu ei­ner Li­by­en-Kon­fe­renz nach Berlin ein­lädt, ist al­so zu be­grü­ßen. Of­fen ist, ob die di­plo­ma­ti­sche Of­fen­si­ve et­was bringt.

Denn die Fron­ten im Land sind ver­här­tet, zu vie­le Play­er mi­schen mit. Und die Eu­ro­pä­er ha­ben sich bei der Kon­flikt­bei­le­gung bis­lang nicht mit Ruhm be­kle­ckert – sei es aus Macht­lo­sig­keit, Des­in­ter­es­se oder Un­ei­nig­keit. Wer aber den Auf­bau ei­ner li­by­schen Küs­ten­wa­che mit viel Geld und Ge­rät un­ter­stützt, soll­te auch da­für Sor­ge tra­gen, dass po­li­ti­sche Sta­bi­li­tät ein­kehrt.

Noch ist die Ge­fahr groß, dass Li­by­en – ähn­lich wie Sy­ri­en oder der Je­men – zum Schau­platz ei­nes Stell­ver­tre­ter­krie­ges an­de­rer Län­der wird. Das zu ver­hin­dern ist nicht leicht. Denn Russ­land und die Tür­kei, die zu­letzt ver­sucht ha­ben, zwi­schen den Bür­ger­kriegs­par­tei­en zu ver­mit­teln, ver­fol­gen in Li­by­en eben­falls höchst ei­ge­ne In­ter­es­sen.

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