Pro­blem zwi­schen den Pfos­ten

Die bei­den deut­schen Hand­ball-Tor­hü­ter ver­ste­hen sich gut, sind aber lei­der nicht in Best­form

Meppener Tagespost - - SPORT - Von Marc Ste­ver­müer

Es ist kei­ne neue Er­kennt­nis im Wel­tHand­ball, dass die Tor­hü­ter­po­si­ti­on die wich­tigs­te ist. Denn wenn ei­ner zwi­schen den Pfos­ten steht, der et­was von sei­nem Fach ver­steht, kann er die ge­sam­te Par­tie und das Er­geb­nis ver­än­dern. Schluss­män­ner kön­nen den Er­folg wie kein an­de­rer be­ein­flus­sen und das ei­ge­ne Team bis­wei­len bes­ser da­ste­hen las­sen, als es wirk­lich ist.

Die­se Hoff­nung hat­te auch die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft, als sie zur Eu­ro­pa­meis­ter­schaft auf­brach. Der ge­setz­te Andre­as Wolff be­kam mit Jo­han­nes Bit­ter ei­nen neu­en Part­ner, nach­dem er zu­vor ein Duo mit Sil­vio Hei­ne­vet­ter ge­bil­det hat­te. Doch die­ses Ge­spann barg Kon­flikt­po­ten­zi­al und hemm­te sich mehr, als dass es sich half.

Das ist nun an­ders. Zu­min­dest was das Mit­ein­an­der an­geht. Der 28-jäh­ri­ge Wolff vom pol­ni­schen Spit­zen­club Vi­ve Kiel­ce re­spek­tiert sei­nen neun Jah­re äl­te­ren Kol­le­gen Bit­ter, der beim Bun­des­li­gis­ten TVB Stutt­gart spielt und al­lein schon auf­grund sei­ner Er­fol­ge und Er­fah­rung ho­hes An­se­hen ge­nießt. „Das har­mo­niert zwi­schen uns und ist nicht ge­spielt. Mei­ne Rol­le mit An­di ist es, da hin­ten das Ding zu­zu­na­geln“, sagt Bit­ter.

Nach der Vor­run­de stellt sich den­noch die Fra­ge, ob die bei­den Kee­per den Ham­mer ver­ges­sen ha­ben, mit dem sie das Tor zu­na­geln wol­len. Bit­ter hat bis­lang 24

Pro­zent der Wür­fe auf sein Tor ab­ge­wehrt, Wolff 25 Pro­zent. Um für ei­ne Me­dail­le in­fra­ge zu kom­men, muss die Tor­wart­leis­tung er­fah­rungs­ge­mäß bei 35 Pro­zent lie­gen. Ein Wert, von dem bei­de weit ent­fernt sind, zu­mal bei Wolff die Form­kur­ve dra­ma­tisch nach un­ten zeigt. Nach gu­tem Start ge­gen die Nie­der­lan­de (39 Pro­zent) wa­ren die letz­ten 21 Wür­fe auf sein Tor al­le drin.

Aus dem EM-Hel­den von 2016 ist ein Pro­blem-Wolff ge­wor­den. „Wir brau­chen ihn in Top­ver­fas­sung, wenn wir er­folg­reich sein wol­len“, hat­te DHB-Vi­ze Bob Han­ning vor dem Tur­nier ge­sagt. Han­ning ist üb­ri­gens da­von über­zeugt, dass Wolff in der in­ter­na­tio­nal nur dritt­klas­si­gen pol­ni­schen Li­ga nicht ge­nug ge­for­dert wird.

Kurz vor der EM reis­te Wolff nach Leip­zig zu Bun­des­trai­ner Chris­ti­an Prokop, um ein paar Zu­satz­ein­hei­ten zu ab­sol­vie­ren und sich in Form zu brin­gen. Ge­bracht hat es bis­lang nichts, der Schluss­mann wirkt ge­fan­gen in ei­ner Ab­wärts­spi­ra­le und woll­te nach dem 28:27-Sieg über Lett­land auch nicht re­den, nach­dem er zu­vor kei­nen ein­zi­gen Ball ab­ge­wehrt hat­te. Bit­ter stell­te sich im Ge­gen­satz zum Kol­le­gen: „Es gab Hö­hen und Tie­fen. Auch ich ha­be mich nicht frei­schwim­men kön­nen.“

Der ge­wünsch­te Ef­fekt ist bei die­ser EM durch die Um­be­set­zung des Tor­wart­ge­spanns bis­lang aus­ge­blie­ben, auch wenn Prokop nach wie vor von den Qua­li­tä­ten der Kee­per über­zeugt ist: „Ich bin mir si­cher, dass sie ei­nen gu­ten Job ma­chen wer­den.“Der Be­ginn der Haupt­run­de am Don­ners­tag ge­gen Weiß­russ­land wä­re auf je­den Fall ein gu­ter Zeit­punkt da­für. Bes­ser ge­sagt: der letz­te.

Foto: im­a­go images/Re­vier­fo­to

Ak­tu­ell noch weit ent­fernt von der Best­form: Jo­han­nes Bit­ter (links) und Andre­as Wolff.

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