Schatz­kam­mer Na­tur­gar­ten

We­ni­ger Ar­beit, mehr Blu­men / Im­me-Vor­trag gibt auch Tipp ge­gen Schne­cken

Meppener Tagespost - - MEPPEN / HAREN - Von Tobias Bö­cker­mann Wei­te­re Fotos auf noz.de/ha­ren

Jür­gen Schnei­ders sam­melt Schät­ze und hat da­für 2000 Qua­drat­me­ter Platz. Als Na­tur­gärt­ner bie­tet er Hun­der­ten ein­hei­mi­schen Blu­men und Sträu­chern Platz – sei­nen Na­tur­gar­ten hat er jetzt in ei­nem Vor­trag in Ha­ren vor­ge­stellt und wert­vol­le Tipps für Hob­by­gärt­ner ge­ge­ben.

Je­den­falls für sol­che, die zwar Wert auf ei­nen ge­plan­ten Garten, nicht aber auf Ra­sen, ge­ra­de Kan­ten, sau­be­re Be­ton­we­ge und ge­stutz­te Thu­ja-He­cken le­gen. Denn Schei­ders Na­tur­gar­ten in Ib­ben­bü­ren ist ein Ge­samt­kunst­werk, in dem die Na­tur kräf­tig am dy­na­mi­schen Gar­ten­plan mit­schrei­ben darf.

Schnei­ders ist ei­gent­lich In­ten­siv­pfle­ger im Kran­ken­haus und kein Gärt­ner. Aber als Au­to­di­dakt hat er das Grund­stück sei­ner Groß­el­tern in jah­re­lan­ger Ar­beit um­ge­stal­tet, ist Grün­dungs­mit­glied im bun­des­weit tä­ti­gen Ver­eins Na­tur­gar­ten e.V. und wirbt für bun­te Viel­falt. So wie jetzt im Rah­men der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ha­re­ner För­der­ver­eins Im­me Bourtan­ger Moor.

Wer nun glaubt, ein Na­tur­gar­ten be­ste­he aus ei­nem sich selbst über­las­se­nen kon­ven­tio­nel­len Garten, der irrt. Schnei­ders mach­te deut­lich, dass es bei der An­la­ge ei­nes sol­chen Gar­tens auf Ge­schick und Fleiß eben­so an­kommt wie auf gu­te Ide­en – oder eben Be­ra­tung. „Aber wenn man die ein­zel­nen Le­bens­räu­me erst ein­mal an­ge­legt hat, muss man nicht mehr viel Ar­beit in­ves­tie­ren“, sag­te Schnei­ders.

Blau­ze­der ge­fällt

Ei­ne 40 Me­ter ho­he Blau­ze­der hat er bei der Über­nah­me des Grund­stücks eben­so ge­fällt wie stand­ort­frem­de He­cken. Pflas­ter­stei­ne hat er zum Teil ent­fernt, Feucht­wie­sen ent­wi­ckelt, ei­ne al­pi­ne St­ein­land­schaft nach­emp­fun­den oder sei­ne ja­pa­ni­sche Zier­kir­sche ab­ster­ben las­sen, weil sie in „kei­nem Le­bens­sta­di­um ir­gend­ei­ner hei­mi­schen Art et­was bie­tet“.

Ent­stan­den ist ein gar nicht so klei­nes Pa­ra­dies aus Men­schen­hand, in dem es vom Früh­jahr bis in den Spät­herbst blüht. Schnell ka­men In­sek­ten, dar­un­ter Dut­zen­de Schmet­ter­lings­ar­ten. Auch der Nas­horn­kä­fer fand sich ein. Und mit den In­sek­ten ka­men Vö­gel, Ei­dech­sen und in­zwi­schen so­gar ein Maus­wie­sel. „Mit ei­nem Na­tur­gar­ten kön­nen Sie zwar kei­ne sehr sel­te­nen Tier- und Pflan­zen­ar­ten vor dem Auss­ter­ben be­wah­ren, aber vie­len Ar­ten kön­nen Sie mit die­sen Tritt­stein­bio­to­pen beim Über­le­ben hel­fen“, sag­te Schnei­ders.

Er selbst hilft der Na­tur auf die Sprün­ge, in­dem er Stau­den, die er ger­ne eta­blie­ren möch­te, in Töp­fe pflanzt und blü­hen lässt. De­ren Sa­men ver­brei­ten sich und su­chen sich den pas­sen­den Ort zum Kei­men selbst – vor­aus­ge­setzt na­tür­lich, der Garten bie­tet ent­spre­chen­de Struk­tu­ren und nicht nur kur­zen Ra­sen, ge­hack­te Bee­te oder St­ein­flä­chen oh­ne Rit­zen.

Feld- und Sand­thy­mi­an fül­len ger­ne san­di­ge Lü­cken, Wald­meis­ter duf­tet aro­ma­tisch, Klap­per­topf hilft sehr gut ge­gen Giersch. Wo einst

Kie­sel­stei­ne die Flä­che un­ter der Dach­trau­fe be­deck­ten, wach­sen nun Wer­muth oder Kleb­ri­ger Sal­bei.

Aus sei­nem Ra­sen hat Schnei­ders größ­ten­teils ei­ne Wie­se ge­macht und er­lebt, was vie­len bei die­sem Ver­such ähn­lich er­gan­gen sein dürf­te: „Ein­fach wach­sen las­sen und zwei­mal im Jahr mä­hen, das reicht nicht aus“, sag­te er. Denn dann wüch­sen vor al­lem die Grä­ser, und schön se­he das nicht aus.“Des­halb kom­me es auf den Mah­dzeit­punkt an (ein­mal, wenn die Mar­ge­ri­ten ver­blü­hen, und dann im No­vem­ber). Wer das Mah­dgut ent­fer­ne, leis­te Ent­schei­den­des: Er ent­zieht Nähr­stof­fe, und das bie­tet Blu­men ei­ne Chan­ce. Wer klein be­gin­nen wol­le, kön­ne ein­fach den aus­ge­dien­ten Sand­kas­ten zur Wie­se um­funk­tio­nie­ren.

Sei­ne Stau­den schnei­det der Fach­mann erst, wenn die Schnee­glöck­chen blü­hen, weil dann die Vö­gel und In­sek­ten noch was zu pi­cken und zum Ver­ste­cken hät­ten. Wer Schne­cken von sei­nem Ge­mü­se­beet fern­hal­ten will, soll­te ei­ne Be­gren­zung aus Kie­fern­zap­fen schaf­fen. Denn dar­über krie­chen die Schne­cken nicht so ger­ne.

Und wie viel Ar­beit steckt Schnei­ders in sei­nen Garten? „Wenn erst al­les an­ge­legt ist, macht das we­ni­ger Ar­beit als im her­kömm­li­chen Garten“, sag­te er. „Et­wa ein Drit­tel der üb­li­chen Zeit.“Er selbst ver­bringt im Schnitt ein­ein­halb St­un­den pro Wo­che in sei­ner klei­nen Schatz­kam­mer.

Wer sei­nen Garten se­hen will, hat da­zu am 1. Mai Ge­le­gen­heit. Dann ist er im Rah­men der Kam­pa­gne „Of­fe­nes Gar­ten­tor Osnabrück und Um­ge­bung“von 11 bis 18 Uhr ge­öff­net. Au­ßer­dem nach te­le­fo­ni­scher An­mel­dung.

Fotos: Tobias Bö­cker­mann

Mau­er­pfef­fer und Fett­hen­ne: Zwei Be­woh­ner ei­nes Na­tur­gar­tens.

Jür­gen Schnei­ders.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.