Kei­ne Ver­bin­dung der Miss­brauchs­fäl­le

Er­mitt­ler: Kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen Miss­brauch in Lüg­de und Ber­gisch Glad­bach

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E -

Un­fass­bar scheint im­mer noch der Miss­brauchs­fall aus Lüg­de. Die Di­men­si­on des Falls aus Ber­gisch Glad­bach ist für die Er­mitt­ler bis­her kaum ab­zu­se­hen. Bei­de Fäl­le ha­ben aber of­fen­bar doch nichts mit­ein­an­der zu tun, das sag­ten die Er­mitt­ler ges­tern.

Staats­an­walt­schaft und NRW-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ha­ben nach ei­ge­nen An­ga­ben kei­ne Hin­wei­se auf ei­nen straf­recht­lich be­deut­sa­men Zu­sam­men­hang zwi­schen den Miss­brauchs­fäl­len von Ber­gisch Glad­bach und Lüg­de ge­fun­den. „Wir ha­ben kei­ner­lei Er­kennt­nis­se dar­über ge­won­nen, dass Tä­ter aus un­se­rem Tat­kom­plex Ber­gisch Glad­bach auch an den in Lüg­de be­gan­ge­nen Ta­ten be­tei­ligt ge­we­sen sein könn­ten“, sag­te Ober­staats­an­walt Ulf Will­uhn ges­tern.

Spä­ter be­kräf­tig­ten NR­WJus­tiz­mi­nis­ter Peter Bie­sen­bach und In­nen­mi­nis­ter Her­bert Reul (bei­de CDU) am Ran­de des Rechts­aus­schus­ses die­se Ein­schät­zung. Si­cher­heits­krei­se hat­ten am Di­ens­tag­abend be­stä­tigt, dass die Er­mitt­ler be­reits seit Län­ge­rem mög­li­che Qu­er­ver­bin­dun­gen zwi­schen Ver­wand­ten des mut­maß­li­chen Haupt­tä­ters von Ber­gisch Glad­bach bei Köln und dem Cam­ping­platz in Lüg­de bei Det­mold prü­fen. „Da­bei ha­ben sich aber kei­ne Hin­wei­se auf straf­recht­lich re­le­van­te Sach­ver­hal­te er­ge­ben“, sag­te Will­uhn ges­tern.

Reul be­stä­tig­te am Nach­mit­tag, dass die Po­li­zei in Bie­le­feld be­reits seit An­fang De­zem­ber mög­li­che „Schnitt­stel­len“der Tat­kom­ple­xe Lüg­de und Ber­gisch-Glad­bach über­prü­fe. Nach ak­tu­el­lem Er­mitt­lungs­stand sei kein Zu­sam­men­hang er­kenn­bar. „Köl­ner Stadt-An­zei­ger“, WDR und RTL hat­ten zu­vor be­rich­tet, dass ei­ner der Ver­wand­ten von Ber­gisch Glad­bach, der vor­her be­reits selbst we­gen Miss­brauchs ver­ur­teilt wor­den sei, in den 80er- und 90er-Jah­ren in Lüg­de ei­nen Stell­platz ge­habt ha­be. Die

Ent­fer­nung zwi­schen bei­den Tat­or­ten be­trägt mehr als 200 Ki­lo­me­ter.

Laut „Köl­ner Stadt-An­zei­ger“be­strei­tet der Mann, die Tä­ter von Lüg­de per­sön­lich ken­nen­ge­lernt zu ha­ben. Zu­dem soll den Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge ein wei­te­rer Ver­wand­ter den Cam­ping­wa­gen an ei­nen der Haupt­tä­ter von Lüg­de ver­kauft ha­ben. Reul sag­te in ei­nem State­ment, dass es sich um Zu­fäl­le han­deln könn­te: „Un­ge­wöhn­li­che Zu­fäl­le – aber so ist es eben manch­mal.“Nach ei­nem WDR-Be­richt sol­len die Er­mitt­ler bei dem Ver­däch­ti­gen aus Ber­gisch Glad­bach zu­dem kin­der­por­no­gra­fi­sches Ma­te­ri­al ge­fun­den ha­ben, das in Lüg­de ent­stan­den sein soll. Da­zu ha­be die Köl­ner Staats­an­walt­schaft kei­ne Er­kennt­nis­se, sag­te Will­uhn. Heu­te wird sich auch der nord­rhein­west­fä­li­sche Land­tag mit dem The­ma be­fas­sen.

Im Fall Lüg­de geht es um jah­re­lan­gen schwe­ren Kin­des­miss­brauch auf ei­nem

Cam­ping­platz. Das Land­ge­richt Det­mold hat­te im Sep­tem­ber zwei An­ge­klag­te zu Frei­heits­stra­fen von 12 und 13 Jah­ren ver­ur­teilt. Ein wei­te­rer Mann er­hielt ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe.

In dem an­de­ren Fall stie­ßen Er­mitt­ler, aus­ge­hend von Ber­gisch Glad­bach, auf ein bun­des­wei­tes Netz­werk von Ver­däch­ti­gen, die Kin­der miss­braucht und Bil­der der Ta­ten ge­tauscht ha­ben sol­len. Die Er­mitt­ler ar­bei­ten sich der­zeit durch rie­si­ge

Da­ten­men­gen mit kin­der­por­no­gra­fi­schem Ma­te­ri­al.

Die Zahl der iden­ti­fi­zier­ten Op­fer sei in­zwi­schen auf bun­des­weit 36 ge­stie­gen, ge­gen 51 Tat­ver­däch­ti­ge wer­de er­mit­telt, sag­te In­nen­mi­nis­ter Reul. „Und das ist nicht das En­de“, be­ton­te der CDU-Po­li­ti­ker. „Wir se­hen im­mer noch nur die Spit­ze des Eis­ber­ges.“In NRW gibt es nach jüngs­ten An­ga­ben der Po­li­zei Köln in der Sa­che der­zeit 21 Be­schul­dig­te, von de­nen acht in Haft sind.

Foto: dpa/Gui­do Kirch­ner

Ort schreck­li­cher Ta­ten: In die­ser Par­zel­le auf ei­nem Cam­ping­platz in Lüg­de sol­len drei Män­ner Dut­zen­de Kin­der miss­braucht oder den an­de­ren bei den Ta­ten zu­ge­se­hen ha­ben.

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