Brand im Af­fen­haus: Go­ril­la er­schos­sen

Ver­letz­tes Tier muss­te im Kre­fel­der Af­fen­haus mit Ma­schi­nen­pis­to­le er­löst wer­den

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E -

Der Brand im Af­fen­haus des Kre­fel­der Zoos be­kommt durch ei­nen Be­richt des In­nen­mi­nis­te­ri­ums ei­ne wei­te­re Di­men­si­on: Ein Po­li­zist muss­te ei­nen Go­ril­la mit Schüs­sen aus der Ma­schi­nen­pis­to­le er­lö­sen. Zoo und Po­li­zei sa­gen: Es gab in dem Fall kei­ne an­de­re Wahl.

Nach dem Brand im Kre­fel­der Zoo in der Nacht zu Neu­jahr kam es zu bis­her un­be­kann­ten, dra­ma­ti­schen Sze­nen: Ein schwer ver­letz­ter Go­ril­la muss­te am Mor­gen von ei­nem Po­li­zei­be­am­ten durch meh­re­re Schüs­se aus ei­ner Ma­schi­nen­pis­to­le ge­tö­tet wer­den, da ein Nar­ko­ti­kum nicht schnell ge­nug ge­wirkt hat­te, wie aus ei­nem Be­richt des In­nen­mi­nis­te­ri­ums so­wie ei­ner ges­tern ver­brei­te­ten Stel­lung­nah­me des Zoos her­vor­geht.

„Bei ei­nem männ­li­chen Go­ril­la ent­fal­te­te das Nar­ko­ti­kum auf­grund der Schwe­re der Brand­ver­let­zun­gen mit groß­flä­chi­gen Haut­schä­den nicht sei­ne vol­le Wir­kung, so dass die schnells­te Er­lö­sung des Tie­res durch Ku­gel­schuss mit Un­ter­stüt­zung der Po­li­zei Ul­ti­ma Ra­tio war“, er­klär­te der Zoo. Um wel­ches Tier es sich han­del­te, sag­te der Zoo nicht. Im Zu­ge des Bran­des war nach frü­he­ren An­ga­ben als ein­zi­ger männ­li­cher Go­ril­la der 48-jäh­ri­ge Sil­ber­rü­cken „Mas­sa“ums Le­ben ge­kom­men. Wie der Zoo wei­ter mit­teil­te, hat­te ei­ne Tier­ärz­tin mit ei­nem „hoch kon­zen­trier­ten Nar­ko­ti­kum“zwei wei­te­re schwer ver­letz­te Tie­re ein­ge­schlä­fert.

Die Po­li­zei sieht auch im Nach­hin­ein den Schuss­waf­fen­ge­brauch als al­ter­na­tiv­los an. „Un­se­re Kol­le­gen wa­ren zur Tö­tung des Tie­res durch Ku­gel­schuss nicht nur be­rech­tigt, son­dern auch ver­pflich­tet“, er­klär­te die Po­li­zei. Die Be­am­ten hät­ten sich sonst straf­bar ma­chen kön­nen. Die Po­li­zei be­zieht sich auf Pa­ra­graf 17 des Tier­schutz­ge­set­zes. Dort heißt es un­ter an­de­rem: „Mit Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe wird be­straft, wer (...) ei­nem Wir­bel­tier län­ger an­hal­ten­de oder sich wie­der­ho­len­de er­heb­li­che Schmer­zen oder Lei­den zu­fügt.“Mit dem 34-jäh­ri­gen

Schüt­zen sei­en in den fol­gen­den Ta­gen aus Für­sor­ge meh­re­re „in­ten­si­ve Ge­sprä­che“ge­führt wor­den. „Der Be­richt lässt nur er­ah­nen, wie be­las­tend der Ein­satz für die Kräf­te von Feu­er­wehr, Ret­tungs­dienst und Po­li­zei so­wie die Mit­ar­bei­ter des Zoos ge­we­sen sein muss“, sag­te die in­nen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, Ve­re­na Sch­äf­fer.

Tat­säch­lich sei die „emo­tio­na­le Be­las­tung bei al­len Ein­satz­kräf­ten so­wie beim

Per­so­nal des Zoos im­mens“ge­we­sen, heißt es in dem Mi­nis­ter-Be­richt. „Wäh­rend und nach dem Ein­satz wur­de den Ein­satz­kräf­ten und den Mit­ar­bei­tern ei­ne psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­stüt­zung an­ge­bo­ten.“Der Zoo be­grün­de­te mit der Rück­sicht­nah­me auf die Mit­ar­bei­ter und Ein­satz­kräf­te, war­um der Zoo-Di­rek­tor die Schüs­se bei der Pres­se­kon­fe­renz am Neu­jahrs­tag nicht er­wähnt hat­te. Das In­nen­mi­nis­te­ri­um führt in sei­nem Be­richt auch den ak­tu­el­len Er­mitt­lungs­stand aus. Dem­nach hat­ten um 2.20 Uhr – kei­ne zwei St­un­den nach der Alar­mie­rung der Feu­er­wehr – ers­te Zeu­gen Hin­wei­se auf Him­mels­la­ter­nen ge­ge­ben. Am nächs­ten Tag mel­de­ten sich drei Frau­en, die nach Mit­ter­nacht fünf der Leuch­ten hat­ten stei­gen las­sen.

Bei dem Brand wa­ren mehr als 30 Tie­re ums Le­ben ge­kom­men.

Foto: im­a­go images/Mar­tin Wa­gner

Trau­er um ge­stor­be­ne Men­schen­af­fen: Wie jetzt aus ei­nem Be­richt des In­nen­mi­nis­te­ri­ums her­vor­geht, muss­te ein schwer ver­letz­ter Go­ril­la er­schos­sen wer­den, nach­dem das Ein­schlä­fern durch ei­ne Tier­ärz­tin fehl­schlug.

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