War­nung vor chi­ne­si­schen Ver­hält­nis­sen

Ak­ti­vis­ten wer­fen Pe­king mas­si­ven An­griff auf Men­schen­rech­te welt­weit vor

Meppener Tagespost - - POLITIK -

Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Hu­man Rights Watch (HRW) hat Chi­na ei­nen bei­spiel­lo­sen An­griff auf die in­ter­na­tio­na­len Re­geln zum Schutz der Men­schen­rech­te vor­ge­wor­fen. Die Volks­re­pu­blik nut­ze ih­ren di­plo­ma­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Ein­fluss, um die in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen zum Schutz der Men­schen­rech­te zu un­ter­gra­ben, er­klär­te die Or­ga­ni­sa­ti­on in ih­rem in New York vor­ge­stell­ten Jah­res­be­richt.

HRW wirft der Re­gie­rung von Staats­chef Xi Jin­ping die „bru­tals­te und um­fas­sends­te Re­pres­si­on“in Chi­na seit Jahr­zehn­ten vor. Da­zu ge­hö­re ein „alb­traum­haf­tes Über­wa­chungs­sys­tem“der mus­li­mi­schen Min­der­heit der Ui­gu­ren in der Pro­vinz Xin­jiang. Dort sol­len mehr als ei­ne Mil­li­on Ui­gu­ren und an­de­re Mus­li­me will­kür­lich in Haft­la­gern ein­ge­sperrt sein, wo sie zur Auf­ga­be ih­rer Re­li­gi­on, Kul­tur und Spra­che ge­zwun­gen und teils miss­han­delt wer­den. Nach­dem Pe­king die Exis­tenz der La­ger be­strit­ten hat­te, spricht es in­zwi­schen von „Bil­dungs­zen­tren“zur is­la­mis­ti­schen Dera­di­ka­li­sie­rung.

„Pe­king hat lan­ge Zeit die Kri­tik im ei­ge­nen Land un­ter­drückt. Nun ver­sucht die chi­ne­si­sche Re­gie­rung, die­se Zen­sur auf den Rest der

Welt aus­zu­wei­ten“, er­klär­te HRW-Chef Ken­neth Roth in dem Be­richt. Soll­te Chi­na dar­an nicht ge­hin­dert wer­den, dro­he ei­ne Welt, in der sich nie­mand au­ßer­halb der „Reich­wei­te chi­ne­si­scher Zen­so­ren“be­fin­de. Das in­ter­na­tio­na­le Men­schen­rechts­sys­tem dro­he der­art ge­schwächt zu wer­den, dass kei­ne Über­prü­fung der Re­pres­si­on durch na­tio­na­le Re­gie­run­gen mehr mög­lich sei.

Dies zeigt sich laut HRW in den Gre­mi­en der Ver­ein­ten Na­tio­nen. Chi­na ver­su­che dort mit Dro­hun­gen, UN­Mit­glie­der un­ter Druck zu set­zen und so­mit et­wa De­bat­ten über Men­schen­rechts­ver­stö­ße zu un­ter­bin­den. HRW warf UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär An­tó­nio Gu­ter­res vor, sich dem Druck Chi­nas zu beu­gen: Er ha­be bis­lang nicht öf­fent­lich von Pe­king ge­for­dert, die Un­ter­drü­ckung der Ui­gu­ren zu be­en­den.

Roth hielt auch den west­li­chen Staa­ten vor, Pe­king zu we­nig ent­ge­gen­zu­set­zen. Die Vor­sit­zen­de des Aus­schus­ses für Men­schen­rech­te im Bun­des­tag, Gy­de Jen­sen (FDP), er­klär­te ges­tern in Berlin, Sank­tio­nen müss­ten er­wo­gen wer­den, „wenn Chi­na uni­ver­sel­le Men­schen­rech­te wei­ter igno­riert“. Deutsch­land und die EU dürf­ten bei „Zen­sur, Über­wa­chung und Ein­schüch­te­rung nicht län­ger so still blei­ben wie in der Ver­gan­gen­heit“.

Die An­schul­di­gun­gen im HRW-Jah­res­be­richt wur­den von ei­nem Mit­ar­bei­ter der chi­ne­si­schen UNO-De­le­ga­ti­on in New York zu­rück­ge­wie­sen. Der Be­richt sei vol­ler „Vor­ur­tei­le und Er­fin­dun­gen“.

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