Schwei­ger und Schwein­stei­ger – wirk­lich film­reif ?

Meppener Tagespost - - SPORT - Von Udo Mu­ras

Der Blick auf den Ka­len­der ge­währt ge­wöhn­lich Halt und Ori­en­tie­rung, trotz­dem wähn­te ich mich am Mon­tag in den April ver­setzt. Wenn der kommt, ha­gelt es ja un­wei­ger­lich Scher­ze, die auf den ers­ten Blick nach Wahr­heit klin­gen.

Til Schwei­ger dreht ei­nen Film über Bas­ti­an Schwein­stei­ger, das wä­re mir zum 1. April wo­mög­lich auch ein­ge­fal­len. Oder vi­el­leicht auch um­ge­kehrt. Doch ge­nug ge­läs­tert, es ist wirk­lich wahr! Die bei­den sind be­freun­det, wo­durch auch im­mer, und der nun­mehr ehe­ma­li­ge Tat­ort­kom­mis­sar und Dau­er­nu­sch­ler vom Di­enst hat ver­lau­ten las­sen, wie sehr er sich freue, denn „über ihn muss ein Film ge­dreht wer­den“.

Die­se Aus­sa­ge ist von der Mei­nungs­frei­heit ge­deckt, so weit be­kannt. Sie reizt zwar zum Wi­der­spruch. Gut, es wer­den heut­zu­ta­ge so vie­le Fil­me ge­dreht und auch noch ge­sen­det, teils auf Ka­nä­len, die kei­ner fin­det, der über 30

Jah­re alt ist. Ein Laie wie ich wür­de Schwein­stei­gers Kar­rie­re den­noch nicht un­be­dingt als film­reif be­zeich­nen.

Es feh­len die Aus­schlä­ge nach al­len Sei­ten, auch für ei­ne Doku. „Schwei­ni“war bei al­ler Laus­bu­ben­haf­tig­keit und der ei­nen oder an­de­ren Al­lü­re ein Mann oh­ne Skan­da­le. Selbst die Whirl­poolaf­fä­re mit der „Cou­si­ne“war kei­ne.

Er spiel­te qua­si nur bei Bay­ern, wur­de ei­gent­lich je­des Jahr Meis­ter und ver­schoss ei­nen Elf­me­ter im Fi­na­le da­ho­am, wes­halb der Hen­kel­pott nicht da­ho­am blei­ben durf­te, son­dern gen Lon­don ab­trans­por­tiert wur­de. Na gut, dann wur­de er noch Welt­meis­ter. Nicht das Al­ler­schlech­tes­te, aber das wur­den 22 an­de­re auch. War­um al­so er? Weil ihm die Au­gen­braue platz­te im Fi­na­le? Die Sze­ne bot ein Mo­tiv für ein Ge­mäl­de, ge­wiss. Doch gleich ein Film?

Und wenn er, war­um nicht auch ein Film über Mi­ro Klo­se? Des­sen Auf­stieg vom Be­zirks­li­ga­bom­ber in Blau­bach-Di­edel­kopf zum Re­kord­tor­schüt­zen der Na­ti­on hat schon ein paar Fa­cet­ten mehr. Ei­nen Ma­rio-Göt­ze­Film gab es ja schon, den hat nur kei­ner ge­se­hen über 30. Lief vier­tei­lig bei DAZN und da­mit qua­si un­ter dem La­den­tisch, wie der künf­ti­ge Schwei­ni-Film, der bei Ama­zon Pri­me kommt. Nichts für kon­ser­va­ti­ve TV-Kon­su­men­ten, aber die ster­ben ja ir­gend­wann weg.

Der Göt­ze-Film, der auch im Ki­no kam, er­hielt üb­ri­gens rich­tig gu­te Kri­ti­ken. Wie die Doku über den Zweit­li­ga­spie­ler Pier­re-Mi­chel La­sog­ga und den nach Aus­tra­li­en aus­ge­wan­der­ten Tho­mas Broich. Tho­mas wer? Wenn es Fil­me­ma­chern ge­lingt, mehr oder we­ni­ger pro­mi­nen­ten Ki­ckern ein vi­su­el­les Denk­mal zu set­zen, dann fra­ge ich mich: Was ist mit Kai­ser Franz und Gerd Mül­ler? Bei­de wer­den die­ses Jahr 75. Und wo, ver­dammt noch mal, bleibt der Fritz-Wal­ter-Film? Der Fritz wür­de im Ok­to­ber 100 wer­den! Im Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger sprang ihm an­no 1945 zu­fäl­lig ein Ball vor die Fü­ße, und nur weil er den mit sei­nen Sol­da­ten­stie­feln so gut be­han­del­te, als wä­ren es Tre­ter von Adi­das, wur­de er nicht ab­trans­por­tiert nach Si­bi­ri­en – wes­halb er uns zum Wun­der von Bern füh­ren konn­te.

Wenn das kein Ein­stieg in ei­nen Film ist, dann weiß ich es auch nicht. Drei­mal trat er aus der Na­tio­nal­mann­schaft zu­rück, kei­ner war sen­si­bler. Sein Bun­ga­low ist heu­te ein Mu­se­um, und Kai­sers­lau­tern soll er auch er­fun­den ha­ben. Al­so bit­te, lie­be Film­re­gis­seu­re, stürzt euch erst mal auf die größ­ten Hel­den, wenn ihr schon un­be­dingt Fuß­ball­fil­me dre­hen wollt. Lothar Mat­thä­us und Uwe See­ler hät­ten üb­ri­gens auch ei­nen ver­dient – aber nicht bei Ama­zon Pri­me. De­ren Fans sind al­le schon über 30…

Wei­te­re Ko­lum­nen auf noz.de/Mu­ras

Foto: dpa

Schon län­ger Bud­dies: Bas­ti­an Schwein­stei­ger (rechts) und der Schau­spie­ler Til Schwei­ger, auf­ge­nom­men 2013.

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