Gut ge­brüllt, Lö­we

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Tobias Schmidt [email protected]

Al­le Jah­re wie­der gibt es zum Start der Grü­nen Wo­che Be­teue­run­gen, in Land­wirt­schaft und Han­del wer­de es bald fai­rer zu­ge­hen. Es­sen und Trin­ken müs­sen uns et­was wert sein, so das Man­tra der Po­li­ti­ker bei ih­ren Rund­gän­gen durch die Ber­li­ner Mes­se­hal­len.

Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler zeigt mit sei­nem Fin­ger jetzt mal nicht auf Land­wir­te und Ver­brau­cher, son­dern macht Druck auf den Ein­zel­han­del. Ede­ka, Al­di und Co. wür­den mit ih­ren Geiz-An­ge­bo­ten nicht nur hie­si­gen Bau­ern das Le­ben schwer ma­chen, son­dern die Er­zeu­ger in Ent­wick­lungs­län­dern aus­beu­ten, dort die Kin­der qua­si auf die Plan­ta­gen zwin­gen. Noch be­vor die Le­bens­mit­tel­kon­zer­ne ei­ne Selbst­ver­pflich­tung auf exis­tenz­si­chern­de Löh­ne un­ter­schrei­ben, zwei­felt Mül­ler ih­re Ernst­haf­tig­keit an.

Es ist rich­tig, an­stel­le des üb­li­chen Bau­ern- und Ver­brau­cher-Ba­shings den

Han­del stär­ker in die Pflicht zu neh­men. So ma­chen es Po­li­tik und Me­di­en in den Nie­der­lan­den, was zum Er­folg des Tier­wohl­la­bels im Nach­bar­land bei­ge­tra­gen ha­ben dürf­te.

Den­noch wird Mül­lers Atta­cke ver­puf­fen, wenn es nur bei schar­fen Wor­ten bleibt. Ei­ne Selbst­ver­pflich­tung auf fai­re Löh­ne in Afri­ka? Oh­ne den Zwang zu mehr Trans­pa­renz wird das nicht viel än­dern. Oh­ne die Be­reit­schaft der Bür­ger, mehr als 88 Cent für ein Ki­lo Ba­na­nen zu zah­len, al­ler­dings auch nicht.

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