Im­mer we­ni­ger Flücht­lin­ge kom­men ins Land

Bay­ern Si­tua­ti­on an den Gren­zen ent­spannt sich spür­bar. Sin­ken­de Zahl der Asyl­an­trä­ge

Mindelheimer Zeitung - - Erste Seite - VON ULI BACHMEIER

Mün­chen Die Zahl der Flücht­lin­ge, die in Bay­ern ei­nen Asyl­an­trag stel­len, sinkt ste­tig. Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) rech­net da­mit, dass es die­ses Jahr et­wa 22000 sein wer­den. Im glei­chen Zei­t­raum wer­den et­wa 15000 ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber das Land wie­der ver­las­sen ha­ben oder ab­ge­scho­ben wor­den sein. „Wir ha­ben ins­ge­samt ei­ne Si­tua­ti­on, die sich ten­den­zi­ell von Mo­nat zu Mo­nat ent­spannt“, sag­te Herr­mann am Mitt­woch in Mün­chen.

Das gilt nach den Wor­ten des In­nen­mi­nis­ters auch für die Ar­beit der Be­hör­den in Bay­ern. Die Kon­trol­le, wer ins Land kommt, sei wie­der her­ge­stellt. Die Flücht­lin­ge wür­den or­dent­lich re­gis­triert. Die Be­ar­bei­tung ih­rer An­trä­ge und die Ver­fah­ren bei den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten hät­ten deut­lich be­schleu­nigt wer­den kön­nen – et­wa durch die Ein­rich­tung der zu­nächst um­strit­te­nen An­ker­zen­tren oder durch die Ein­stel­lung zu­sätz­li­cher Rich­ter. „Und wir kom­men auch bei der In­te­gra­ti­on vor­an“, sag­te Herr­mann. Die Si­tua­ti­on sei so, „dass wir jetzt sa­gen kön­nen, dass wir das auch ver­fah­rens­mä­ßig im Griff ha­ben“.

Nach den Zah­len, die das In­nen­mi­nis­te­ri­um am Mitt­woch vor­leg­te, ha­ben die Asyl­an­trä­ge wie­der das Ni­veau vor der gro­ßen Flücht­lings­kri­se in den Jah­ren 2015 und 2016 er­reicht. Im Jahr 2014 wa­ren in Bay­ern noch knapp 26000 Asyl­an­trä­ge ge­zählt wor­den. Im Jahr 2015 schnell­te die Zahl auf knapp 68000 hoch. Und im Jahr 2016 stieg sie so­gar auf 82 000. Mit den 22 000 Asyl­an­trä­gen in die­sem Jahr ist Bay­ern vom Ni­veau der „Nul­ler­jah­re“al­ler­dings im­mer noch weit ent­fernt. Bis zum Jahr 2010 lag die Zahl der Flücht­lin­ge, die im Frei­staat Asyl be­an­trag­ten, un­ter 7000.

Bei wei­tem nicht be­stä­tigt ha­ben sich nach Aus­sa­ge Herr­manns die Be­fürch­tun­gen, dass Flücht­lin­ge in gro­ßer Zahl Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge nach­ho­len könn­ten. Das The­ma Fa­mi­li­en­nach­zug sei in ei­ni­gen Me­di­en, aber auch von Po­li­ti­kern „gi­gan­tisch dra­ma­ti­siert“wor­den, sag­te der In­nen­mi­nis­ter. Tat­säch­lich ha­be sich her­aus­ge­stellt, dass ein Groß­teil der An­trä­ge auf Fa­mi­li­en­zu­sam­men­füh­rung, die bei den deut­schen Bot­schaf­ten in al­ler Welt vor­lie­gen, nicht von Flücht­lings­fa­mi­li­en ge­stellt wur­den, son­dern zum Bei­spiel von deut­schen Ge­schäfts­leu­ten, die ei­nen Ehe­part­ner „aus Bra­si­li­en oder Ja­pan“nach Deutsch­land ho­len wol­len.

Ei­ne deut­li­che Ent­span­nung sieht Herr­mann zu­dem im Ver­hält­nis zu den Un­ter­neh­men in Bay­ern, die Flücht­lin­ge als Mit­ar­bei­ter oder Aus­zu­bil­den­de trotz Ab­leh­nungs­be­scheid bei sich hal­ten wol­len. Hier gel­te zwar nach wie vor, dass die Ent­schei­dun­gen der Ge­rich­te zu re­spek­tie­ren sind. Wenn in Ein­zel­fäl­len aber klar ist, dass der Mit­ar­bei­ter Deutsch kann, gut in­te­griert ist, selbst für sei­nen Le­bens­un­ter­halt sorgt und ei­ne Fir­ma sagt, dass sie ihn braucht, „dann ent­spre­chen wir dem in al­ler Re­gel“. Dies gel­te aber selbst­ver­ständ­lich nicht, wenn ein Flücht­ling vor­be­straft ist oder sich wei­ge­re, bei der Klä­rung sei­ner Iden­ti­tät mit­zu­wir­ken.

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