Ver­liert die Opec an Be­deu­tung?

Rohstoffe Die Or­ga­ni­sa­ti­on ver­sucht, den Roh­öl­markt sta­bil zu hal­ten – und da­mit die Prei­se zu kon­trol­lie­ren. Aber vor ih­rem Tref­fen wird deut­lich: Das ge­lingt ihr nicht mehr so leicht. Nun ist auch noch ein lang­jäh­ri­ges Mit­glied aus­ge­stie­gen

Mindelheimer Zeitung - - Wirtschaft - VON CHRIS­TI­NA HELLER

Wi­en Es sind die 70er Jah­re und Deutsch­land ist in ei­ner Kri­se: Sonn­tags wer­den die Au­to­bah­nen zu Spa­zier­we­gen. Tank­stel­len hän­gen Schil­der mit der Auf­schrift „Sprit aus­ver­kauft“auf. Der Grund: Die öl­ex­por­tie­ren­den Länder – kurz Opec – ha­ben ih­re Öl­för­der­men­gen ge­senkt. Roh­öl ist auf ein­mal so knapp und so teu­er wie noch nie.

Die Öl­kri­se hat sich bis heu­te ins Ge­dächt­nis vie­ler Men­schen ein­ge­brannt. Seit­her wer­den die Ent­schei­dun­gen der Opec-Länder genau be­ob­ach­tet. Ge­grün­det wur­de das Kar­tell 1960 von fünf Län­dern: Iran, Irak, Ku­wait, Sau­di-Ara­bi­en und Ve­ne­zue­la. Heu­te ge­hö­ren ihr 15 Staa­ten an. Über die Jah­re sind un­ter an­de­rem Ka­tar, Li­by­en, die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te und Ni­ge­ria hin­zu­ge­kom­men. Die Mit­glied­staa­ten pro­du­zie­ren et­wa 40 Pro­zent des welt­weit ver­füg­ba­ren Erd­öls. Ziel der Opec ist es, sich in wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dun­gen ab­zu­spre­chen und den Öl­markt zu sta­bi­li­sie­ren. Aus Sicht der Ver­brau­cher heißt das: Die Opec ver­sucht den Öl­preis zu steu­ern. Die Fra­ge ist: Ge­lingt ihr das noch? Hat die Opec über­haupt noch Ein­fluss?

Denn wie sich zeigt, wird es schwie­ri­ger, die In­ter­es­sen der 15 Mit­glied­staa­ten auf ei­nen Nen­ner zu brin­gen. Zu Be­ginn der Wo­che hat et­wa Ka­tar an­ge­kün­digt, die Or­ga­ni­sa­ti­on zu ver­las­sen. Die of­fi­zi­el­le Be­grün­dung: Ka­tar will sich mehr auf die För­de­rung von Gas kon­zen­trie­ren. Auf dem Ge­biet ist das Emi­rat Welt­markt­füh­rer. Für den Öl­markt spielt das Land ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Zu­letzt för­der­ten die Opec-Länder zu­sam­men 32,9 Mil­lio­nen Bar­rel Erd­öl am Tag – der An­teil von Ka­tar lag mit 610 000 Bar­rel bei nicht ein­mal zwei Pro- zent. Hin­ter der An­kün­di­gung ste­cken auch po­li­ti­sche Span­nun­gen, ver­mu­ten Be­ob­ach­ter. Schon lan­ge lie­gen Ka­tar und sein Nach­bar Sau­di-Ara­bi­en im Clinch. Und die Sau­dis do­mi­nie­ren in der Opec. „Zu­letzt be­kam man häu­fig den Ein­druck, dass die Sau­dis mit Russ­land ei­ne Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen ha­ben und die an­de­ren Opec-Länder am En­de nur noch zu­stim­men durf­ten“, sagt der Com­merz­bank-Roh­stoff­ana­lyst Cars­ten Frisch. Das ist die ei­ne Sei­te des Opec-Pro­blems.

Auf der an­de­ren geht es dar­um, ob die Werk­zeu­ge der Opec noch grei­fen. Denn mo­men­tan för­dern die Staa­ten zu viel Öl. Des­halb sinkt der Preis. Ein Bar­rel der Sor­te Brent kos­tet et­wa 60 Dol­lar. Und auch wenn die Opec-Länder das nicht sa­gen, sind sie dar­an in­ter­es­siert, dass der Preis steigt. „Da­mit Sau­di-Ara­bi­en sei­nen Staats­haus­halt voll­stän­dig mit den Ölein­nah­men fi­nan­zie­ren kann, müss­te der Öl­preis laut Schät­zung des IWF bei et­wa 88 Dol­lar pro Bar­rel lie­gen“, sagt Fritsch.

Des­halb ist schon vor dem Tref­fen der Opec-Länder spe­ku­liert wor­den, dass die Öl­för­der­men­ge ge­dros­selt wird. Ein Mit­tel, auf das die Öl­län­der im­mer wie­der ge­setzt ha­ben. Nicht nur in den 70er Jah­ren. Da­vid Wech von der Ener­gie-Ana­ly­se-Agen­tur JBC geht da­von aus, dass die För­der­men­ge ab 2019 um 1,3 Mil­lio­nen Bar­rel pro Tag im Ver­gleich zum No­vem­ber 2018 sin­ken wird. „Aber man muss auch se­hen, dass die OpecLän­der gera­de ein bis zwei Mil­lio­nen Bar­rel am Tag zu viel pro­du­zie­ren“, sagt er. Die Fra­ge ist: Kann die Opec noch Ein­fluss auf die Roh­öl­men­ge neh­men und die Prei­se in ih­rem Sinn steu­ern?

Das ist un­ge­wiss. Denn längst nicht al­le Länder, die Öl för­dern, sind Mit­glie­der der Opec. Und wäh­rend sich Russ­land mit den Sau­dis ab­spricht und sich an den Maß­nah­men der Opec-Länder ori­en­tiert, ma­chen die USA das nicht. Am Mitt­woch­nach­mit­tag mahnt USPrä­si­dent Do­nald Trump die Opec, die För­der­men­ge nicht zu dros­seln: „Die Welt will kei­ne hö­he­ren Öl­prei­se se­hen und braucht auch kei­ne!“, schreibt er. Gera­de die gro­ßen Öl­men­gen aus den USA tra­gen da­zu bei, dass der Preis so nied­rig ist. Dort wird mit­hil­fe von Fracking mehr Schie­fe­r­öl ge­för­dert als an­ge­nom­men. In­zwi­schen sind die Ver­ei­nig­ten Staa­ten mit 11,7 Mil­lio­nen Bar­rel pro Tag der größ­te Öl­pro­du­zent der Welt. Das heißt: Wür­den die Opec-Staa­ten we­ni­ger Öl för­dern, über­näh­men die US-För­de­rer ih­re Markt­an­tei­le. Und die sind mit ei­nem güns­ti­ge­ren Preis zu­frie­den. „Die För­de­rer in den USA kön­nen in­zwi­schen mit ei­nem Öl­preis von 50 Dol­lar pro Bar­rel wirt­schaft­lich ar­bei­ten“, sagt der Ana­lyst Fritsch.

Auch wenn es für die Opec schwe­rer wird, un­ter­schät­zen soll­te man sie nicht. Sie ist re­le­vant. Da sind sich die Ana­lys­ten ei­nig. „Al­lei­ne schon, dass sich Russ­land an die Ent­schei­dun­gen hält, zeigt, wie wich­tig die Opec ist“, sagt Wech. Fritsch er­gänzt: „Wenn die Opec 40 Pro­zent des Öls be­herrscht, ist das schon ein gro­ßer He­bel.“

Fo­to: afp

Zu­sam­men för­dern die Opec-Staa­ten bis­her über 32 Mil­lio­nen Bar­rel Roh­öl am Tag. Doch das könn­te sich mit dem Tref­fen än­dern.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.