Ei­ne Turm­uhr für den Thea­ter­platz

At­trak­ti­on Die his­to­ri­sche Uhr von St. Ste­phan be­kommt am Fo­rum ei­nen pro­mi­nen­ten Platz. Da­zu ist ein Ge­bäu­de nö­tig. Und das hat sei­nen Preis

Mindelheimer Zeitung - - Erste Seite - VON JO­HANN STOLL

Die his­to­ri­sche Uhr von St. Ste­phan be­kommt am Fo­rum ei­nen pro­mi­nen­ten Platz. Doch das hat sei­nen Preis.

Dass Min­del­heim mit dem Schwä­bi­schen Turm­uh­ren­mu­se­um ein Klein­od in der Baye­ri­schen Mu­se­en­land­schaft be­sitzt, ist Ver­dienst vor al­lem ei­nes Man­nes: Wolf­gang Vogt. Sei­ne Lei­den­schaft sind his­to­ri­sche Turm­uh­ren, ih­re Tech­nik, ih­re Schön­hei­ten. Und so ist das Mu­se­um im Sil­ves­ter­turm bis heu­te auch ein be­son­de­res Ge­schenk an die Hei­mat­stadt Min­del­heim. Für ei­ne be­son­de­re Turm­uhr hat­te Vogt vo­ri­ges Jahr ei­ne aus­ge­fal­le­ne Idee: Sie soll­te im öf­fent­li­chen Raum prä­sen­tiert wer­den, mög­lichst in der Alt­stadt. Bei­spie­le ähn­li­cher Art fin­den sich in Im­men­staad am Bo­den­see. Der Stadt­rat be­fass­te sich mit dem An­sin­nen und kam zum Er­geb­nis: Kön­nen wir ma­chen, un­ter zwei Be­din­gun­gen: Der Ma­ri­en­platz bleibt ta­bu und die Kos­ten für die Ein­hau­sung der Uhr wer­den ge­teilt. Die Stadt über­nimmt die ei­ne Hälf­te und die an­de­re muss über Spen­den her­ein­kom­men. Das Min­del­hei­mer Ar­chi­tek­tur­bü­ro Pe­ter Kern hat sich zwi­schen­zeit­lich an die Pla­nung ei­nes sol­chen Ge­bäu­des ge­macht, in dem die Uhr mög­lichst gut zur Gel­tung kom­men kann. Und auch der Stand­ort ist mit dem Platz am Thea­ter­eck ge­fun­den. Die­ses Klein­ge­bäu­de wird ei­ne Gr­und­flä­che von 2,24 Me­ter mal 2,44 Me­ter ha­ben. Kern be­ton­te, we­gen der ex­po­nier­ten La­ge, an der zahl­lo­se Men­schen tag­täg­lich vor­bei­kom­men, sei ge­stal­te­risch be­son­de­re Sorg­falt ge­bo­ten. Und die hat ih­ren Preis. Zu ei­ner Bo­den­plat­te kom­men Pflas­ter­ar­bei­ten, Strom und Ab­was­ser­an­schluss und Licht­tech­nik. Vier Eck­pfei­ler tra­gen ei­nen leich­ten Me­tall­rah­men. Al­les ist ver­glast, da­mit Pas­san­ten dem Ge­heim­nis der Turm­uhr aus dem Jahr 1872 ganz na­he kom­men kön­nen. Da­bei han­delt es sich um die al­te Turm­uhr der Stadt­pfarr­kir­che St. Ste­phan aus dem 19. Jahr­hun­dert. Für die Vor­der­sei­te hat sich Kern et­was Au­ßer­ge­wöhn­li­ches über­legt. Rö­mi­sche Zif­fern wer­den gra­fisch aus Me­tall aus­ge­lasert. Die Idee der Zeit wird so künst­le­risch auf­ge­grif­fen. Von der Uhr aus wird auch der Kirch­turm von St. Ste­phan zu se­hen sein. Da­mit wird der Be­zug zur Kir­che be­tont, von der aus die Uhr jahr­zehn­te­lang die Men­schen zum Ge­bet mahn­te. Das gut vier Me­ter ho­he Ge­häu­se wird rund 80 000 Eu­ro kos­ten, hat Pe­ter Kern er­rech­net. Bür­ger­meis­ter Ste­phan Win­ter hat­te da­zu die gu­te Nach­richt: Ihm ist es ge­lun­gen, die 40 000 Eu­ro an Spen­den­mit­tel be­reits auf­zu­trei­ben. Da­mit ist die Fi­nan­zie­rung ge­si­chert. Die Stadt war von 75 000 bis 80 000 Eu­ro aus­ge­gan­gen. Aus dem Stadt­rat gab es Lob für die Gestal­tung. Stefan Dr­ex­el (Freie) sag­te, die Stadt pro­fi­tie­re si­cher­lich da­von. Chris­toph Wal­ter (CSU) zeig­te sich begeistert. Ob der Platz am Fo­rum al­ler­dings gut ge­wählt ist, das hin­ter­frag­te Tho­mas Schna­bel an­ge­sichts von Früh­jahrs- und Herbst­markt. Stadt­bau­meis­ter Ger­hard Frey ver­tei­dig­te den Stand­ort. Die­se Uhr ver­die­ne ei­nen pro­mi­nen­ten Platz. Die paar Ta­ge kön­ne ei­ne an­de­re Lö­sung für das Markt­trei­ben ge­fun­den wer­den. Wolf­gang Vogt ka­men die er­rech­ne­ten Kos­ten von 80 000 Eu­ro zu hoch vor. Er wies auch dar­auf hin, dass vier Zif­fern­blät­ter an dem Ge­häu­se an­ge­bracht wer­den, auf de­nen Mond­pha­sen und Son­nen­stand ab­zu­le­sen sind. Und in Rich­tung des drit­ten Bür­ger­meis­ters Ro­land Ah­ne merk­te Vogt an, ihn trei­be al­lein an, der Stadt Min­del­heim ei­ne At­trak­ti­on zu ver­schaf­fen. Ah­ne hat­te vor Mo­na­ten Vogt vor­ge­hal­ten, die­ser ver­wirk­li­che nur ein Hob­by.

Ent­wurf: Ar­chi­tek­tur­bü­ro Kern

So wird das Ge­häu­se der Turm­uhr aus­se­hen, die auf dem Thea­ter­platz auf­ge­stellt wer­den soll.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.