Was tun, wenn das Pa­ket ver­schwin­det?

Manch­mal stellt ein Bo­te das Päck­chen ein­fach in der Müll­ton­ne ab, manch­mal kommt ei­ne Sen­dung viel zu spät. Dann ist der Är­ger groß. Scha­den­er­satz zu be­kom­men, ist nicht im­mer ganz ein­fach

Mindelheimer Zeitung - - Geld & Leben - VON FRANZISKA WOLFINGER

Un­zu­ver­läs­si­ge Pa­ket­bo­ten, ver­lo­ren ge­gan­ge­ne oder im Re­gen vor der Haus­tür ab­ge­stell­te Päck­chen: Be­schwer­den über Pa­ket­zu­stel­ler schei­nen sich in der ver­gan­ge­nen Zeit zu häu­fen. Auch in der Re­gi­on sind nicht al­le zu­frie­den. Un­se­re Re­dak­ti­on hat die Augs­bur­ger All­ge­mei­ne-Le­ser auf Face­book nach ih­ren Er­fah­run­gen be­fragt. Mehr als 130 User ha­ben sich ge­mel­det. Ein Face­book-Nut­zer be­rich­tet zum Bei­spiel da­von, dass ein Bo­te sein Pa­ket ein­fach in der dre­cki­gen Rest­müll­ton­ne ab­ge­legt ha­be. Ei­ne wei­te­re Nut­ze­rin be­män­gelt, dass ihr Pa­ket­dienst nicht ein­mal klin­gel­te, son­dern das Päck­chen oh­ne den Ver­such, es per­sön­lich zu­zu­stel­len, vor der Haus­tür ab­leg­te. In ei­nem an­de­ren Fall hat­te der Pa­ket­bo­te die Lie­fe­rung bei ei­nem Nach­barn im Wohn­block ab­ge­ge­ben – oh­ne auf der Be­nach­rich­ti­gungs­kar­te zu ver­mer­ken, bei wel­chem der rund 40 Be­woh­ner das Pa­ket ge­nau liegt. Die Pa­ket-Emp­fän­ge­rin gibt an, vor al­lem mit Lie­fe­run­gen von Her­mes Pro­ble­me zu ha­ben.

Ins­be­son­de­re vor Weih­nach­ten, wenn vie­le Pa­ke­te im Um­lauf sind, weil Ge­schen­ke on­line ge­kauft und zu ent­fernt le­ben­den Freun­den und Ver­wand­ten ge­schickt wer­den, neh­men auch die Be­schwer­den zu. Wer ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen mit der Pa­ket­zu­stel­lung ge­macht hat, kann die­se auf der In­ter­net­sei­te post-aer­ger.de mel­den, die die Ver­brau­cher- zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len für ganz Deutsch­land be­treibt. Wenn bei der Pa­ket­zu­stel­lung et­was schief­geht, dann meist auf der so­ge­nann­ten „letz­ten Mei­le“, be­rich­tet die Ver­brau­cher­zen­tra­le. Et­wa zwei Drit­tel der Pro­ble­me tre­ten al­so auf dem letz­ten Wegstück des Pa­kets bis zur Haus­tür des Kun­den auf. Grund für rund 40 Pro­zent der Be­schwer­den ist „kei­ne Zu­stel­lung, trotz An­kün­di­gung und An­we­sen­heit“. Je­weils rund zehn Pro­zent be­kla­gen den Ver­lust der Sen­dung und lan­ge Lie­fer­zei­ten.

Kom­men Pa­ke­te nicht recht­zei­tig, ist das är­ger­lich. Vor al­lem, der Käu­fer vom Ver­trag zu­rück­tre­ten oder Scha­den­er­satz we­gen ver­spä­te­ter Lie­fe­rung ver­lan­gen.

Wer haf­tet, wenn das Pa­ket wirk­lich nicht mehr auf­find­bar ist, kommt auf den je­wei­li­gen Fall an. Am ein­fachs­ten ist die Rechts­la­ge, wenn es sich bei der ver­lo­ren ge­gan­ge­nen Sen­dung um ein Pa­ket von ei­nem Ver­sand­händ­ler an den Kun­den han­delt. Da­bei trägt grund­sätz­lich der Ver­käu­fer das Trans­port­ri­si­ko. Auch wenn der Pa­ket­dienst schuld am Ver­lust der Lie­fe­rung ist oder die­se auch nur be­schä­digt hat, kön­nen Kun­den sich an den Ab­sen­der wen­den. Al­ler­dings: Der Emp­fän­ger muss den Scha­den be­wei­sen. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le rät, ka­put­te Ver­pa­ckun­gen auf­zu­be­wah­ren und Fo­tos von dem Pa­ket zu ma­chen.

Et­was an­ders ver­hält es sich, wenn es um ein Pa­ket von ei­nem pri­va­ten Ver­käu­fer geht. Dann liegt die Trans­port­ge­fahr grund­sätz­lich beim Emp­fän­ger. Pa­ket­diens­te ar­gu­men­tie­ren, dass ihr Ver­trags­part­ner der Ab­sen­der ist und da­her nur er Scha­den­er­satz gel­tend ma­chen kann. Der Ge­setz­ge­ber sieht das et­was an­ders. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le emp­fiehlt in sol­chen Fäl­len, dass sich Ab­sen­der und Emp­fän­ger un­ter­ein­an­der ab­stim­men, denn bei­de kön­nen An­sprü­che gel­tend ma­chen. Wich­tig ist aber auch in die­sem Fall, Schä­den mit Fo­tos zu do­ku­men­tie­ren und be­schä­dig­te Ver­pa­ckun­gen wenn mög­lich auf­zu­be­wah­ren.

Wer zu Weih­nach­ten be­son­ders wert­vol­le Ge­schen­ke oder Geld ver­schi­cken will, hat da­zu ei­gent­lich nur ei­ne Mög­lich­keit, sich ab­zu­si­chern. Denn Bar­geld zu ver­schi­cken ist laut Ver­brau­cher­zen­tra­le nicht er­laubt. Ei­ne Ab­si­che­rung gibt es, selbst im Ein­schrei­ben, nicht. Die Deut­sche Post bie­tet al­ler­dings den so­ge­nann­ten „Wert Na­tio­nal“-Brief, der nur ge­gen Un­ter­schrift aus­ge­lie­fert wird. Da­mit sind Geld­sen­dun­gen bis 100 Eu­ro ab­ge­si­chert, Wert­ge­gen­stän­de so­gar bis 500 Eu­ro.

Be­son­ders in der Kri­tik der Face­book-Nut­zer steht der Pa­ket­dienst Her­mes. Zu Ver­zö­ge­run­gen kön­ne es in Pa­ket-Spit­zen­zei­ten wie der Vor­weih­nachts­zeit im­mer mal kom­men, sagt Her­mes-Pres­se­spre­cher In­go Ber­tram. Grün­de kön­nen sein, dass der Langstre­cken-Last­wa­gen im Stau steckt und der An­schlus­sTrans­por­ter nicht war­ten kann, dass ein Fah­rer er­käl­tungs­be­dingt aus­fällt oder Stel­len auf­grund des zu­neh­men­den Per­so­nal­man­gels nicht so­fort nach­be­setzt wer­den kön­nen. Ber­tram rät, ab ei­ner Ver­zö­ge­rung von fünf bis sie­ben Ta­gen den Kun­den­ser­vice zu kon­tak­tie­ren. Sor­gen um ih­re Pa­ke­te müs­sen sich die Kun­den zu­nächst nicht ma­chen. Laut Pres­se­spre­cher Ber­tram liegt die Ver­lust- und Scha­dens­quo­te bei Her­mes der­zeit bei 0,03 Pro­zent.

Fo­to: Ju­li­an Stra­ten­schul­te, dpa

Ge­ra­de zur Weih­nachts­zeit wer­den sehr vie­le Pa­ke­te ver­sen­det: Man­che be­stel­len Ge­schen­ke im In­ter­net, an­de­re wollen Fa­mi­lie und Freun­de in der Fer­ne be­schen­ken. Mit der stei­gen­den Zahl der Sen­dun­gen nimmt auch der Är­ger zu: weil ein Päck­chen ver­schwin­det oder ka­putt­geht.

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