Die Kreis­kli­ni­ken su­chen ei­nen Part­ner

Ei­ne Fu­si­on mit Mem­min­gen scheint nun nach zwölf Jah­ren vom Tisch zu sein. Mit wem sich die Un­ter­all­gäu­er ger­ne zu­sam­men­tun wür­den und was für die Zu­kunft ge­plant ist

Mindelheimer Zeitung - - Das Jahr 2018 im Rückbilck - VON SAN­DRA BAUMBERGER

Der Brief, den Land­rat Hans-Joa­chim Wei­ra­ther im Ok­to­ber an Mem­min­gens Ober­bür­ger­meis­ter Manfred Schil­der ge­schickt hat, war nicht we­ni­ger als ein Pau­ken­schlag. Un­ter dem Be­treff „Fu­si­ons­be­mü­hun­gen un­se­rer Kran­ken­haus­un­ter­neh­men“schrieb Wei­ra­ther: „Der Ver­wal­tungs­rat hat nach ein­ge­hen­der Dis­kus­si­on ent­schie­den, die Ver­hand­lun­gen mit der Stadt Mem­min­gen aus­zu­set­zen und in Son­die­rungs­ge­sprä­che mit dem Land­kreis Ober­all­gäu und der kreis­frei­en Stadt Kemp­ten ein­zu­tre­ten.“

Noch we­ni­ge Wo­chen zu­vor wa­ren ei­ni­ge Kom­mu­nal­po­li­ti­ker da­von aus­ge­gan­gen, dass die Fu­si­on der drei Kli­ni­ken in greif­ba­re Nä­he ge­rückt sei. Der Ver­wal­tungs­rat der Kreis­kli­ni­ken war bei der Be­ra­tung über die stra­te­gi­sche Wei­ter­ent­wick­lung der Kran­ken­häu­ser in Min­del­heim und Ot­to­beu­ren je­doch of­fen­bar zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis ge­kom­men. „Mein und un­ser Be­mü­hen zu ei­ner en­gen Zu­sam­men­ar­beit mit der Stadt Mem­min­gen im Be­reich der Kli­ni­ken zu kom­men, reicht bis ins Jahr 2006 zu­rück. Er­nüch­tert stel­le ich fest, dass al­le An­stren­gun­gen oh­ne Er­folg blie­ben. Auf Pha­sen der Hoff­nung folg­ten im­mer wie­der her­be Rück­schlä­ge“, schrieb Wei­ra­ther. Der Ver­wal­tungs­rat sei aber „mehr denn je der ein­hel­li­gen Über­zeu­gung, dass wir den Her­aus­for­de­run­gen im Kran­ken­haus­we­sen nur im Schul­ter­schluss mit ei­nem an­de­ren kom­mu­na­len Part­ner be­geg­nen kön­nen“. Und da­bei könn­te es sich nun eben wo­mög­lich um den Kli­nik­ver­bund Kemp­ten/Ober­all­gäu han­deln, der Häu­ser in Kemp­ten, Im­men­stadt, Sont­ho­fen und Oberst­dorf be­treibt.

Al­ler­dings will das Un­ter­all­gäu auch wei­ter­hin mit Mem­min­gen in Kon­takt blei­ben. In sei­nem Brief be­ton­te Wei­ra­ther: Die Auf­nah­me der Son­die­rungs­ge­sprä­che mit dem Kli­nik­ver­bund Kemp­ten/Ober­all­gäu ist aus­drück­lich kei­ne Ab­sa­ge an die be­ste­hen­den, me­di­zi­nisch not­wen­di­gen und sinn­vol­len Ko­ope­ra- So führt die Pa­tho­lo­gie in Mem­min­gen fein­ge­web­li­che Un­ter­su­chun­gen für die Kreis­kli­ni­ken durch, wäh­rend die­se das Me­di­zin­con­trol­ling, auf dem die sta­tio­nä­re Rech­nungs­er­stel­lung ba­siert, am Kli­ni­kum Mem­min­gen si­cher­stel­len. Zu­dem gibt es ei­ne ge­mein­sa­me Tu­mor­kon­fe­renz. Die­se Ko­ope­ra­tio­nen sol­len wei­ter­hin ge­pflegt und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den.

Die Kreis­kli­ni­ken wa­ren in­des im ver­gan­ge­nen Jahr so er­folg­reich wie nie zu­vor: Die Zahl der Pa­ti­en­ten stieg um 559 auf ins­ge­samt knapp 15000. In Min­del­heim wur­den knapp 8900 Pa­ti­en­ten be­han­delt, in Ot­to­beu­ren gut 6000. Laut Kli­nik­vor­stand Franz Huber lag das Be­triebs­er­geb­nis 2017 bei 92 000 Eu­ro. Gleich­wohl wie­sen die Kreis­kli­ni­ken ei­nen Bi­lanz­ver­lust über 312000 Eu­ro aus. Der Land­kreis glich da­von 79 000 Eu­ro aus.

Die gu­ten Zah­len führt Huber auf die kon­se­quen­te Spe­zia­li­sie­rung der bei­den Häu­ser zu­rück: In Min­del­heim wer­den Un­fall-, Vis­zeral- und Ge­fäß­chir­ur­gie so­wie Kar­dio­lo­gie an­ge­bo­ten, in Ot­to­beu­ren ste­hen Atem­wegs- und Lun­gen­er­kran­kun­gen so­wie Tu­mor­be­hand­lun­gen im Fo­kus. Laut Huber hät­ten die Kreis­kli­ni­ken ihr me­di­zi­ni­sches Di­enst­leis­tungs­an­ge­bot in den ver­gan­ge­nen Jah­ren op­ti­miert. Da­zu ha­ben nicht zu­letzt das MRT, ein Com­pu­ter­to­mo­graf und ein Durch­leuch­tungs­ge­rät bei­ge­tra­gen, die dank ei­ner Spen­de des in­zwi­schen ver­stor­be­nen Un­ter­neh­mers Burk­hart Grob an­ge­schafft wer­den konn­ten.

Bei­de Häu­ser wollen zu­dem in den kom­men­den Jah­ren wei­ter wach­sen: Für 49,8 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len sie bis 2030 er­wei­tert und mo­der­ni­siert wer­den. An bei­den Stand­or­ten sind neue Ope­ra­ti­ons­sä­le, ei­ge­ne Be­rei­che für am­bu­lan­te An­ge­tio­nen.“ bo­te so­wie Ver­bes­se­run­gen im Brand­schutz vor­ge­se­hen. In Ot­to­beu­ren sol­len au­ßer­dem ei­ne neue In­ten­siv­sta­ti­on und ein neu­es Kli­nik-Ar­chiv ent­ste­hen.

Für die Bau­ar­bei­ten in Min­del­heim sind rund 22,4 Mil­lio­nen Eu­ro ver­an­schlagt, für die in Ot­to­beu­ren rund 27,4 Mil­lio­nen Eu­ro. Da­bei han­delt es sich wie Huber be­ton­te je­doch um Schät­zun­gen. Die Kli­ni­ken rech­nen mit Zu­schüs­sen aus ver­schie­de­nen För­der­pro­gram­men in Hö­he von 28 Mil­lio­nen Eu­ro. Für die Dif­fe­renz von rund 21 Mil­lio­nen Eu­ro muss der Land­kreis als Trä­ger des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens auf­kom­men. „Schwupp­di­wupp hat man wie­der ein gro­ßes The­ma auf der Agen­da. Aber un­se­re Kreis­kli­ni­ken sind uns lieb – und jetzt eben auch teu­er“, hat­te Land­rat Han­sJoa­chim Wei­ra­ther in der Kreis­tags­sit­zung ge­sagt, in der die Plä­ne im April vor­ge­stellt wor­den wa­ren. Ar­chiv­fo­to: baus

Au­ßer­dem soll an den Kreis­kli­ni­ken ein so ge­nann­ter pal­lia­ti­ver Kon­si­li­ar­dienst ein­ge­rich­tet wer­den. Ge­plant ist dem­nach, dass die Mit­ar­bei­ter des Pal­li­um Pal­lia­ti­ve Ca­re Teams Mem­min­gen-Un­ter­all­gäu als ex­ter­ner Di­enst­leis­ter jähr­lich bis zu 200 schwerst­kran­ke Pa­ti­en­ten in den Kreis­kli­ni­ken mit­be­treu­en. Der Kon­si­li­ar­dienst wird da­bei von der je­wei­li­gen Sta­ti­on an­ge­for­dert und bie­tet den Ärz­ten und Kran­ken­schwes­tern sein Fach­wis­sen über Pal­lia­tiv­me­di­zin, Schmerz­the­ra­pie und auch psy­cho­so­zia­le Be­glei­tung an. Die Kreis­kli­ni­ken, die an­ders als das Kli­ni­kum in Mem­min­gen über kei­ne ei­ge­ne Pal­lia­tiv­sta­ti­on ver­fü­gen, fol­gen da­mit dem in­zwi­schen ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Ziel, die Pal­lia­tiv­ver­sor­gung in den Kran­ken­häu­sern zu ver­bes­sern. Laut Kli­nik­vor­stand Huber han­delt es sich um ein deutsch­land­weit ein­ma­li­ges Pro­jekt.

Die Kreis­kli­ni­ken, hier das Haus in Min­del­heim, ste­hen gut da: 2017 wa­ren sie so er­folg­reich wie nie zu­vor. In den kom­men­den Jah­ren wollen sie wei­ter wach­sen und sich even­tu­ell mit dem Kli­nik­ver­bund Kemp­ten/Ober­all­gäu zu­sam­men­schlie­ßen. Die Fu­si­ons­ge­sprä­che mit Mem­min­gen hat der Land­kreis im Ok­to­ber aus­ge­setzt.

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