Steu­ern hin­ter­zo­gen: Geld­stra­fe

Ur­teil ge­gen In­gol­stadts Drit­ten Bür­ger­meis­ter

Mindelheimer Zeitung - - Bayern - VON LUZIA GRASSER

In­gol­stadt Gleich zwei In­gol­städ­ter (Ex-)Po­li­ti­ker müs­sen sich ge­ra­de vor Ge­richt ver­ant­wor­ten. Zum ei­nen wer­den dem ehe­ma­li­gen Ober­bür­ger­meis­ter Al­f­red Leh­mann un­ter an­de­rem Be­stech­lich­keit im Zu­sam­men­hang mit Im­mo­bi­li­en­ge­schäf­ten vor­ge­wor­fen. Pro­zess­auf­takt war An­fang März, ein Ur­teil wird im Mai er­war­tet. Am Mitt­woch stand nun auch In­gol­stadts am­tie­ren­der Drit­ter Bür­ger­meis­ter Sepp Mißl­beck vor Ge­richt. Der Vor­wurf: Steu­er­hin­ter­zie­hung. Un­s­trit­tig ist, dass der 74-jäh­ri­ge ehe­ma­li­ge Un­ter­neh­mer mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro, die er 2009 als Pen­si­ons­zah­lun­gen er­hal­ten hat, nicht ver­steu­ert hat. Die Steu­er­schuld lag bei 168 000 Eu­ro. Der In­gol­städ­ter sieht die Ver­ant­wor­tung

Das Ge­richt sah die Schuld beim An­ge­klag­ten

je­doch bei sei­nen Steu­er­be­ra­tern. Auf die­se „konn­te ich mich über 40 Jah­re lang ver­las­sen“. Er selbst sei Tech­ni­ker, ha­be sich auf das Wachs­tum der Fir­ma vom Hand­werks­be­trieb zum Mit­tel­ständ­ler mit 400 Mit­ar­bei­tern kon­zen­triert. Über die Ar­beit der Steu­er­be­ra­ter sagt er: „Ich hat­te nie Ver­an­las­sung, dar­an zu zwei­feln.“

2008 ist der Un­ter­neh­mer als Ge­sell­schaf­ter und Ge­schäfts­füh­rer aus dem Zu­lie­fer­be­trieb aus­ge­schie­den. Ein Jahr spä­ter wur­den an ihn Pen­si­ons­zah­lun­gen im Zu­sam­men­hang mit der Fir­ma aus­be­zahlt. Mit ei­nem Teil wur­den pri­va­te Kre­di­te ge­tilgt, der an­de­re floss di­rekt auf ein Fir­men­kon­to. „Ich woll­te, dass die Fir­ma sau­ber da­steht“, sag­te Mißl­beck. „Das Geld ist nie über Kon­ten von mir ge­lau­fen.“Das ist zwar un­s­trit­tig. Doch das Ge­richt sah durch­aus die Schuld beim An­ge­klag­ten. Er ha­be von den Zah­lun­gen ge­wusst und hät­te sich nicht blind­lings auf sei­ne Steu­er­be­ra­ter ver­las­sen dür­fen. „Das ent­bin­det Sie nicht, das zu über­prü­fen“, sag­te Vor­sit­zen­der Rich­ter Gün­ter May­er­hö­fer. Auch ei­ne Ver­jäh­rung, wie

Pro­zess ge­gen Ex-OB wird fort­ge­setzt

sie Ver­tei­di­ger Jörg Gra­gert we­gen ver­schie­de­ner Ver­trags­än­de­run­gen ge­se­hen hat­te, konn­te das Ge­richt nicht er­ken­nen. Sei­ne Steu­er­schuld – mit Zin­sen knapp 200 000 Eu­ro – hat­te der 74-Jäh­ri­ge in­ner­halb von drei Wo­chen be­gli­chen. „Das ha­be ich noch nie er­lebt“, so May­er­hö­fer. Das Ge­richt ver­ur­teil­te den Lo­kal­po­li­ti­ker schluss­end­lich zu ei­ner Geld­stra­fe von 90 Ta­ges­sät­zen zu je 200 Eu­ro (18 000 Eu­ro). Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Der Pro­zess ge­gen Al­f­red Leh­mann wird am heu­ti­gen Don­ners­tag fort­ge­setzt. Am letz­ten Pro­zess­tag wa­ren ab­ge­hör­te Te­le­fo­na­te vor­ge­spielt wor­den. Sie wur­den nach ei­ner Durch­su­chung von Leh­manns Woh­nung ab­ge­hört. Dar­in weist der Ex-OB in Ge­sprä­chen mit ei­nem Bau­trä­ger und sei­ner Schwes­ter je­de Form der Be­stech­lich­keit von sich.

Ar­chiv­fo­to: Har­ry Jung

Sepp Mißl­beck ist zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den.

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