Der die Schei­be strei­chelt

Por­trät Dr­ew LeBlanc ist Eis­ho­ckey-Pro­fi und ei­ner der Stars der Augs­bur­ger Pan­ther. Kein Haud­rauf, son­dern ein stil­ler Stra­te­ge – mit ei­nem Fai­b­le für die Ma­the­ma­tik

Mindelheimer Zeitung - - Meinung & Dialog - Andre­as Kor­nes

Bul­li­ge Ker­le oh­ne Schnei­de­zäh­ne. Nar­ben im Ge­sicht und Ober­schen­kel wie ein Berg­go­ril­la. Ech­te Män­ner eben. Rau, aber herz­lich. So mag man sich ei­nen Eis­ho­ckey-Pro­fi vor­stel­len. Und dann gibt es Dr­ew LeBlanc. Freund­li­ches Lä­cheln, kom­plet­ter Satz Zäh­ne, un­auf­fäl­li­ger Kör­per­bau. Er spricht höf­lich, mit lei­ser Stim­me. Par­al­lel zum Sport hat der US-Ame­ri­ka­ner aus Her­man­town (Minnesota) Ma­the­ma­tik stu­diert. Vom ein­gangs be­schrie­be­nen Kli­schee bleibt da nicht mehr viel üb­rig.

Trotz­dem ist der 29-Jäh­ri­ge ei­ner der Bes­ten sei­ner Zunft. Ei­nen wie ihn sieht man sel­ten in ei­nem Klub wie den Augs­bur­ger Pan­thern. Denn ei­ner wie er macht den Un­ter­schied. LeBlanc ist ein be­gna­de­ter Tech­ni­ker. Er kann das Spiel le­sen und len­ken. Kno­chen­har­te Pro­fis fah­ren vie­le in der Deut­schen Eis­ho­ckey

Li­ga um­her. Edel­tech­ni­ker nur we­ni­ge. Sie spie­len in den gro­ßen Klubs, in Mün­chen oder Mann­heim. Dort, wo es gu­tes Geld zu ver­die­nen gibt.

In Augs­burg, das mit Hin­ga­be die Rol­le des fi­nan­zi­el­len Un­der­dogs pflegt, be­kom­men die Pro­fis na­tür­lich auch ein aus­kömm­li­ches Sa­lär. Zwei­fel­los könn­te aber ei­ner wie LeBlanc wo­an­ders (noch) mehr ver­die­nen. Dass er trotz­dem sei­ne vier­te Sai­son für die Pan­ther spielt, hat viel mit per­sön­li­chen Be­find­lich­kei­ten zu tun. Er muss sich wohl­füh­len, um Leis­tung zu brin­gen. Er braucht das Ver­trau­en des Trai­ners. Vor al­lem aber zählt die Fa­mi­lie. Dr­ew und sei­ne Ju­gend­lie­be Chel­sea LeBlanc ha­ben ei­ne Toch­ter. So­fi­na Rae kam im De­zem­ber 2017 in Augs­burg zur Welt. „Wir ha­ben hier un­se­re Fa­mi­lie ge­grün­det. Wir sind hier ver­wur­zelt. Augs­burg ist ein Platz, den ich Hei­mat nen­nen kann“, sagt LeBlanc.

Das Trio nutzt freie Ta­ge, um die Um­ge­bung zu er­kun­den. In Bay­ern ha­be er schon so ziem­lich je­de Se­hens­wür­dig­keit ab­ge­klap­pert, er­zählt der Stür­mer. „Wir wol­len et­was von Eu­ro­pa se­hen.“Wenn es der eng ge­tak­te­te Spiel­plan zu­lässt, hei­ßen die Zie­le nicht nur Lin­dau oder Mün­chen, son­dern Prag, Salz­burg oder Rom. „Wenn wir in Minnesota 1000 Ki­lo­me­ter fah­ren, kommt da nicht viel. Wenn wir hier 1000 Ki­lo­me­ter fah­ren, ha­ben wir fast schon halb Eu­ro­pa ge­se­hen.“

Mo­men­tan al­ler­dings bleibt für Aus­flü­ge kei­ne Zeit. Im Play-of­fVier­tel­fi­na­le um die deut­sche Meis­ter­schaft spielt Augs­burg ge­ra­de ge­gen Düs­sel­dorf. LeBlanc ist, na­tür­lich, auch in die­sem Du­ell Dre­hund An­gel­punkt des Pan­therTeams. Sei­ne Kar­rie­re ist be­mer­kens­wert, Ex­per­ten hat­ten ihm einst aber ei­ne weit grö­ße­re zu­ge­traut. 2013 ge­wann er den Ho­bey-Ba­kerAward als bes­ter Col­le­ge-Spie­ler in den USA. Al­le Preis­trä­ger seit­dem sind Stamm­spie­ler in der NHL, der bes­ten Li­ga der Welt, ge­wor­den. LeBlanc hat es dort nicht ge­schafft. Er spielt in Augs­burg und kann sich vor­stel­len, nach sei­ner Kar­rie­re als Ma­the­ma­tik­leh­rer zu ar­bei­ten. Von Kli­schees hält er ganz of­fen­sicht­lich we­nig.

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

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