Ein­heit oder Viel­falt für die künf­ti­ge Grund­steu­er?

Recht Jetzt gibt es auch ei­nen Streit in­ner­halb der Uni­on über den rich­ti­gen Weg. Da­bei drängt die Zeit

Mindelheimer Zeitung - - Politik - VON STE­FAN LAN­GE

Ber­lin Es gibt in Deutsch­land nur we­ni­ge The­men, die so kom­pli­ziert sind wie die Grund­steu­er. Der Staat kam schon früh auf die Idee, die­se Ab­ga­be auf Grund- und Im­mo­bi­li­en­be­sitz zu er­he­ben, schließ­lich ist sie ei­ne nie ver­sie­gen­de Ein­nah­me­quel­le. Die Be­rech­nungs­grund­la­gen al­ler­dings sind ewig alt: Im Wes­ten wird auf Wer­te aus 1964, im Os­ten gar auf Wer­te aus 1935 ab­ge­stellt.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kam nach ei­ner Über­prü­fung die­ser Pra­xis zu der Ent­schei­dung, dass die Grund­steu­er re­for­miert wer­den muss. Das Ur­teil er­ging 2018, und seit­dem strei­ten Uni­on und SPD über ei­ne Lö­sung. Doch nicht nur die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on ist ge­spal­ten, auch durch die CDU geht bei die­sem The­ma jetzt ein Riss.

Aus­ge­löst hat den par­tei­in­ter­nen Streit der schles­wig-hol­stei­ni­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent und am­tie­ren­de Bun­des­rats­prä­si­dent Da­ni­el Gün­ther. Der CDU-Po­li­ti­ker wies ei­nen Lö­sungs­vor­schlag der CDU/CSUBun­des­tags­frak­ti­on brüsk zu­rück. „Ein bun­tes Durch­ein­an­der un­ter­schied­li­cher Grund­steu­er-Mo­del­le wird zu ma­xi­ma­ler Bü­ro­kra­tie füh­ren“, sag­te er dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land.

Da­bei hat­te die Uni­on im Bun­des­tag le­dig­lich vor­ge­schla­gen, bei der künf­ti­gen Gestal­tung der Grund­steu­er trans­pa­ren­te und ein­fa­che Kri­te­ri­en ei­ner­seits so­wie ei­ne Län­der­öff­nungs­klau­sel ein­zu­füh­ren. „Das heißt: Ein Land kann ei­ne ei­ge­ne Re­ge­lung er­las­sen, muss das aber nicht“, sag­te Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Andre­as Jung (CDU) am Frei­tag un­se­rer Re­dak­ti­on.

Ver­ständ­nis für Gün­thers Kri­tik hat Jung je­den­falls nicht. Der Vor­schlag sei­ner Frak­ti­on er­öff­ne ei­nen Weg fö­de­ra­ler Viel­falt, er­klär­te der Haus­halts­ex­per­te. Wer da­ge­gen wie Gün­ther ei­ne bun­des­weit ein­heit­li­che Re­ge­lung for­de­re und die blo­ße Mög­lich­keit un­ter­schied­li­cher Re­ge­lun­gen zu­rück­wei­se, le­ge „die Axt an die Gr­und­fes­ten von Fö­de­ra­lis­mus und kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung“.

Jung ver­wies dar­auf, dass die Grund­steu­er, an­ders als es Gün­ther na­he­legt, heu­te schon kei­ne Ein­heits­steu­er ist. Denn über ih­re Hö­he be­stim­men al­lein die Ge­mein­den – und die be­schlie­ßen nach Re­cher­chen der Uni­ons­frak­ti­on so ge­nann­te He­be­sät­ze zwi­schen 0 und 1000 Pro­zent.

Jung wies zu­dem Gün­thers Vor­wurf zu­rück, der Uni­ons­vor­schlag füh­re zu mehr Bü­ro­kra­tie. Das Ge­gen­teil sei der Fall, denn über­all gel­te im­mer nur ein Ge­setz, ein Ne­ben­ein­an­der un­ter­schied­li­cher Re­ge­lun­gen sei aus­ge­schlos­sen. Mög­lich wer­de hin­ge­gen der Ver­gleich un­ter­schied­li­cher Mo­del­le.

Der­zeit ist völ­lig of­fen, wann die Bau­stel­le ge­schlos­sen wird, die Gün­ther mit sei­ner Kri­tik er­öff­net hat. Fest steht nur, dass die Sa­che da­durch nicht ein­fa­cher ge­wor­den ist, weil Uni­on und SPD sich ja auch noch nicht ei­nig sind. Die Zeit wird lang­sam knapp. Laut Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss bis Jah­res­en­de ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Lö­sung ge­fun­den sein.

Fo­to: Alex­an­der Kaya

Alt­bau und Neu­bau – hier könn­ten künf­tig die Grund­steu­ern neu be­rech­net wer­den. Aber die Po­li­ti­ker sind sich noch längst nicht ei­nig.

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