Der Schutz der Bie­nen darf jetzt nicht an Bay­erns Gren­zen en­den

Der Le­bens­raum für In­sek­ten geht nicht nur im Frei­staat dra­ma­tisch zu­rück. Es ist ein welt­wei­tes Pro­blem. Doch nicht ein­mal in Eu­ro­pa wird ge­nü­gend ge­tan

Mindelheimer Zeitung - - Meinung & Dialog - VON DA­NIE­LA HUNGBAUR hu­[email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Bür­ger ha­ben eben doch enor­me po­li­ti­sche Macht. Das zeigt der sen­sa­tio­nel­le Er­folg des Volks­be­geh­rens „Ret­tet die Bie­nen!“. Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der hat vor die­ser ge­ball­ten Macht ka­pi­tu­liert. Das be­weist vor al­lem, dass er po­li­ti­sches Ge­spür hat: Der Zu­spruch der Grü­nen bringt den CSU-Po­li­ti­ker in Zug­zwang. Wol­len die Christ­so­zia­len ver­stärkt ge­wählt wer­den, müs­sen sie grü­ner wer­den. Das hat Sö­der of­fen­sicht­lich er­kannt und stellt sich in al­ter CSU-Ma­nier gleich an die Spit­ze der Be­we­gung, in­dem er ver­kün­det, den Ar­ten­schutz so gut vor­an­zu­trei­ben, wie es kein an­de­res Bun­des­land macht. Re­spekt! An dem Ver­spre­chen muss er sich mes­sen las­sen. Für die Na­tur­schüt­zer heißt es nun aber, den Schwung aus Bay­ern auf Bun­des­und Eu­ro­pa­ebe­ne zu tra­gen.

Denn al­le Be­mü­hun­gen um den Er­halt der In­sek­ten-, Pflan­zen­und Vo­gel­viel­falt dür­fen nicht an Bay­erns Gren­zen en­den. Die Be­stän­de sin­ken welt­weit. Und es ver­steht sich von selbst, dass bei­spiels­wei­se In­sek­ten nicht wie in ei­ner Glas­glo­cke nur in ei­nem ein­zel­nen Bun­des­land mehr Le­bens­raum und Nah­rung be­nö­ti­gen. So wich­tig es ist, dass Bay­ern jetzt als Vor­bild Maß­stä­be set­zen will, ins­ge­samt kann das wis­sen­schaft­lich nach­ge­wie­se­ne glo­ba­le Ar­ten­ster­ben, das ra­sant vor­an­schrei­tet, nur ge­stoppt wer­den, wenn welt­weit ein en­ges Netz von Schutz­ge­bie­ten ent­steht und sich vor al­lem die Land­wirt­schaft än­dert und na­tur­ver­träg­li­cher wird.

Höchs­te Zeit al­so, dass nicht nur bay­ern-, son­dern auch bun­des­weit und auf EU-Ebe­ne ein Um­den­ken und Um­len­ken statt­fin­det. Dies ist aber bis­her lei­der nicht der Fall. Zwar hat die Bun­des­re­gie­rung in ih­rem Ko­ali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bart, dem In­sek­tenster­ben ent­ge­gen­zu­wir­ken. Doch CDU-Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner hat sich nach an­fäng­li­chen Ver­spre­chun­gen bis­lang lei­der nicht als tat­kräf­ti­ge Kämp­fe­rin für mehr Ar­ten­viel­falt her­vor­ge­tan. Gera­de auch beim künf­ti­gen Kurs der EUAgrar­po­li­tik wä­re viel mehr En­ga­ge­ment nö­tig.

So müss­te die EU viel kon­se­quen­ter die Leis­tun­gen für Ar­ten-, Kli­ma-, Was­ser- und Tier­schutz sub­ven­tio­nie­ren. Ein gra­vie­ren­des Ver­säum­nis, das von Um­welt­schüt­zern seit Jah­ren zu Recht an­ge­pran­gert wird. Es fragt sich, wie mas­siv der Vo­gel- und In­sek­ten­schwund ei­gent­lich noch aus­fal­len muss und auch wie vie­le klei­ne­re und mitt­le­re Bau­ern­hö­fe ver­schwin­den müs­sen, da­mit die­se ver­fehl­te EU-Agrar­po­li­tik end­lich auf­hört. Für die Zu­kunft ent­schei­dend ist doch, dass Bau­ern so pro­du­zie­ren, dass sie ei­ner­seits gut da­von le­ben kön­nen und an­de­rer­seits der Na­tur­schutz viel bes­ser be­rück­sich­tigt wird. Das heißt, Land­wir­te müs­sen stär­ker er­mu­tigt wer­den, auf in­sek­ten­und ge­ne­rell na­tur­freund­li­che Me­tho­den zu set­zen, und Bau­ern, die die Viel­falt un­ter­stüt­zen, ge­hö­ren aus dem wirk­lich reich ge­füll­ten Topf an Sub­ven­tio­nen or­dent­lich be­lohnt.

Druck ma­chen, da­mit mehr pas­siert, müs­sen nun die Bür­ger. Sie kön­nen vor al­lem bei der Eu­ro­pa­wahl ent­schei­den, wel­che Rich­tung ein­ge­schla­gen wird, und soll­ten die­se Wahl­chan­ce auch nut­zen.

Das er­folg­rei­che Volks­be­geh­ren hat aber auch ge­zeigt, dass Ver­än­de­run­gen mög­lich sind, die nicht von den gro­ßen Par­tei­en aus­ge­hen. Die klei­ne ÖDP und ih­re Ver­bün­de­ten ha­ben die ge­wal­ti­ge Wen­de in Bay­erns Land­wirt­schafts­po­li­tik er­zwun­gen. Kei­ner kann sie mehr als „Öko-Spin­ner“ab­tun. Sie ha­ben die Rü­cken­de­ckung ei­ner brei­ten Bür­ger­schaft. So kann Po­li­tik auch funk­tio­nie­ren. Kei­ner kann mehr sa­gen, die da oben ent­schei­den doch al­les al­lein. Was Bür­gern wich­tig ist, kommt per Volks­be­geh­ren. Po­li­ti­ker soll­ten die­se neu ent­deck­te Macht der Bür­ger ernst neh­men.

Kei­ner kann mehr sa­gen, die da oben ent­schei­den al­lein

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.