Der Neue

FCA Der 51-Jäh­ri­ge über­nimmt ab so­fort den Augs­bur­ger Bun­des­li­gis­ten. Er zählt zu den Ty­pen der Li­ga

Mindelheimer Zeitung - - Sport - VON WOLF­GANG LANGNER (mit ötz)

Augs­burg Es ist noch gar nicht lan­ge her, da gab Martin Schmidt der Neu­en Zürcher Zei­tung ein län­ge­res In­ter­view. Schmidt sprach da­bei auch über den VfL Wolfs­burg, bei dem er im Fe­bru­ar 2018 zu­rück­ge­tre­ten ist. Der Re­por­ter, der Schmidt die Fra­gen stell­te, woll­te wis­sen, wie das so ist, wenn man als Trai­ner kei­nen Job hat, und sag­te: „Es hat ja et­was Tra­gi­sches: Sie müs­sen jetzt hof­fen, dass ein Kol­le­ge ent­las­sen wird.“

Dar­auf­hin sag­te Schmidt, der am Frei­tag sei­nen 52. Ge­burts­tag fei­ert: „Lei­der ist das so. Ich hat­te ei­ni­ge gu­te An­ge­bo­te, aber ich woll­te auf den rich­ti­gen Job war­ten.“Den hat er an­schei­nend ge­fun­den. Am heu­ti­gen Mitt­woch wird Schmidt zum ers­ten Mal den ab­stiegs­be­droh­ten FCA trai­nie­ren. Er bringt sei­nen Co-Trai­ner Ste­fan Sar­t­ori mit, der mit ihm in Wolfs­burg ar­bei­te­te.

Auch die FCA-Ver­ant­wort­li­chen sind da­von über­zeugt, dass Schmidt der Rich­ti­ge ist: „Er ist ein sehr bun­des­li­ga­er­fah­re­ner Trai­ner und er ver­kör­pert für mich auch die Wer­te, die wir beim FCA hoch­hal­ten“, sag­te FCA-Ge­schäfts­füh­rer Sport, Ste­fan Reu­ter. Den­noch fährt man beim FCA zwei­glei­sig. Im Fal­le des Klas­sen­er­hal­tes läuft der Ver­trag von Schmidt bis 2021. Soll­te der FCA ab­stei­gen, ist der Kon­trakt bis 2020 be­fris­tet. Dann wür­de Schmidt ei­ne Chan­ce auf den so­for­ti­gen Wie­der­auf­stieg be­kom­men.

Schmidt ge­hört in der Fuß­ball­sze­ne zu den Men­schen, die man ger­ne noch als Ty­pen be­zeich­net. Als Kind hat er sich sein Ta­schen­geld als Alm­hir­te auf der Bett­me­r­alp im Kan­ton Wal­lis ver­dient. Spä­ter ar­bei­te­te er als Kfz-Mecha­ni­ker und als Mo­de­un­ter­neh­mer. Schließ­lich stell­te er sich als Trai­ner des FC Ra­ron in der Schweiz für ei­nen gu­ten Zweck nackt an ei­ne Tak­tik­ta­fel. Er sorg­te für Schlag­zei­len, als er ei­ni­ge Jah­re mit dem 22 Jah­re jün­ge­ren Mo­del Ja­na Azi­zi li­iert war.

Als Spie­ler war die Schmidts Kar­rie­re über­schau­bar. So­wohl der FC Na­ters – in die­ser Ge­mein­de mit 10000 Ein­woh­nern ist er ge­bo­ren – wie auch der FC Ra­ron zäh­len de­fi­ni­tiv nicht zu den bes­ten Fuß­bal­lAdres­sen in der Schweiz.

Der ehe­ma­li­ge Mit­tel­feld­spie­ler mach­te sich erst als Trai­ner ei­nen gu­ten Na­men. Spe­zi­ell beim FSV Mainz 05. Dort wur­de er im Jahr 2015 be­för­dert. Als Trai­ner der zwei­ten Mann­schaft stieg er nach der Ent­las­sung von Kas­per Hjul­mand am 17. Fe­bru­ar 2015 so­zu­sa­gen in die Bun­des­li­ga auf. Er kam, sah und sieg­te: er führ­te die ab­stiegs­be­droh­ten Main­zer (Platz 14) auf Platz sechs und rutsch­te noch in den Eu­ro­pa­cup.

Ei­ne Sai­son spä­ter si­cher­te sich Mainz erst am vor­letz­ten Spiel­tag den Klas­sen­er­halt, und der Ver­trag zwi­schen dem FSV und dem Trai­ner wur­de vor­zei­tig auf­ge­löst. Bei sei­nem nächs­ten Ver­ein, dem VfL Wolfs­burg, ge­lang dem Trai­ner mit sei­nem Team ein Ku­rio­sum. In sei­nen ers­ten sie­ben Li­ga­spie­len gab es je­weils ein Un­ent­schie­den. Als Martin Schmidt am 19. Fe­bru­ar dort von sei­nem Amt zu­rück­trat, sah er sich als ge­schei­tert an: „Ich war dort nicht der bes­te Schmidt, der ich sein kann.“Den bes­ten Schmidt, den wür­de man ger­ne in Augs­burg er­le­ben.

Foto: Wit­ters

Martin Schmidt wird am heu­ti­gen Mitt­woch zum ers­ten Mal den FC Augs­burg trai­nie­ren.

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