Ist rech­tens auch gleich rich­tig?

Mindelheimer Zeitung - - Bad Wörishofer Rundschau -

Zum Ar­ti­kel „Brun­nen­spen­de und die An­schluss­kos­ten“:

„Zum wie­der­hol­ten Ma­le le­se ich im Zu­sam­men­hang mit der Brun­nen­spen­de „das Land­rats­amt sah in Grusch­kas Vor­ge­hen kei­nen Ver­stoß“. Al­so al­les gut?

Die Fak­ten: Der Bür­ger­meis­ter nimmt die Brun­nen­spen­de „vor­be­halt­lich ei­nes Rats-Be­schlus­ses“an, er­teilt dann oh­ne die­sen Be­schluss die Auf­stel­lung des Brun­nens (Kos­ten rund 14.000,00 €), lädt zur Ein­wei­hung ein und lässt Mo­na­te spä­ter über die Brun­nen­spen­de en bloc in ei­ner Lis­te mit an­de­ren Spen­den ab­stim­men. Der Stadt­rat lehnt we­gen of­fe­ner Fra­gen zur An­nah­me der Brun­nen­spen­de mit knap­per Mehr­heit die en blocLis­te ab. Da­nach wird die Öf­fent­lich­keit in­for­miert, dass der Stadt­rat „die Spen­den nicht ge­neh­migt hat“. Dies ist zwar sach­lich rich­tig, aber oh­ne wei­te­re In­for­ma­ti­on m.E. ir­re­füh­rend. Und spä­ter wird be­rich­tet, Grusch­ka wür­de die Nicht­zu­stim­mung des Stadt­ra­tes als rechts­wid­rig be­an­stan­den.

Man muss wohl Ju­rist sein, um dies und vor al­lem die Be­deu­tung von „vor­be­halt­lich“zu ver­ste­hen. Für mich be­deu­te­te „vor­be­halt­lich“bis­her „wenn der hin­ter „vor­be­halt­lich“ge­nann­te Tat­be­stand er­füllt ist“. Wenn die Rechts­auf­sicht des Land­rats­am­tes die­sen Vor­gang trotz­dem nicht be­an­stan­det, wür­de ich mir zu­sätz­lich we­nigs­tens ei­ne Wer­tung und Hand­lungs­emp­feh­lung für die Zu­kunft wün­schen. Denn „ver­stößt nicht ge­gen das Ge­setz“mag zwar rech­tens sein, muss aber nicht rich­tig oder gar die bes­te Vor­ge­hens­wei­se sein.

Bes­tes Bei­spiel da­für, eben­falls aus der letz­ten Wo­che. Dass CSUPo­li­ti­ker bis vor zehn Jah­ren ih­re Ehe­frau­en oder Ver­wand­te be­schäf­tigt ha­ben, ver­stieß nicht ge­gen das Ge­setz, aber es sind sich na­he­zu al­le ei­nig, dass es nicht rich­tig war. Des­halb wä­re es si­cher für ei­ne ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit sehr nütz­lich, den Ablauf rund um die Brun­nen­spen­de ein­mal selbst­kri­tisch zu ana­ly­sie­ren.“

Dr. Ot­to May­er, Bad Wö­ris­ho­fen

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