Eu­ro­päi­sche Emo­tio­nen

Mindelheimer Zeitung - - Erste Seite - VON GRE­GOR PE­TER SCHMITZ [email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Der Brand von Not­re-Da­me hat bin­nen we­ni­ger St­un­den ge­weckt, was in so vie­len De­bat­ten über „Eu­ro­pa“fehlt: Emo­ti­on, Lei­den­schaft, auch Em­pa­thie und Mit­ge­fühl. Buch­stäb­lich der gan­ze Kon­ti­nent hat auf die­se Kir­che ge­schaut, um sie ge­bangt, sich über ih­ren Er­halt ge­freut.

Das zeigt, wie ver­bin­dend Eu­ro­pa und sei­ne Sym­bo­le sein kön­nen. Ge­wiss, in­ter­es­sier­te Krei­se sug­ge­rie­ren nun, es gin­ge da­bei um Leit­kul­tur, gar um na­tio­na­len Stolz. Da­ge­gen spricht, dass sehr vie­le mit Not­re-Da­me et­was ver­bin­den, auch wenn sie gar nicht gläu­big sind oder mit dem Ge­dan­ken ei­ner Gran­de Na­ti­on nichts am Hut ha­ben.

Nein, die Re­ak­ti­on auf den Kir­chen­brand zeigt, wie Eu­ro­pa am bes­ten ge­lingt: im stol­zen Glau­ben an na­tio­na­le Sym­bo­le und Tra­di­tio­nen – und doch grenz­über­grei­fend den­kend. Zu­gleich auch zu­pa­ckend, denn der Wil­le zum Wie­der­auf­bau steht of­fen­sicht­lich be­reits au­ßer Fra­ge.

Die EU kann ähn­li­che Sym­bo­le lei­der nicht vor­wei­sen, ih­re Ge­bäu­de in Brüs­sel sind un­an­sehn­lich – und auf den Eu­ro­schei­nen pran­gen statt eu­ro­päi­scher Wahr­zei­chen Fan­ta­sie-Sym­bo­le. Aber den Er­folgs­mix aus na­tio­na­ler Tra­di­ti­on und trans­na­tio­na­lem Den­ken zu be­to­nen, da­für ist durch­aus noch Zeit in die­sem Eu­ro­pa­wahl­kampf.

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