Ein Ant­wort auf das Mil­lio­nen-Fra­ge­zei­chen

Käm­me­rer Claus-Die­ter Hie­mer steckt mit­ten in der Vor­be­rei­tung der Haus­halts­be­ra­tun­gen. Was er pla­nen kann, plant er – doch es gibt noch Un­wäg­bar­kei­ten. Da­mit räumt die Re­gie­rung von Schwa­ben jetzt auf

Mindelheimer Zeitung - - Türkheim Und Das Wertachtal - VON ALF GEI­GER

Türkheim Gu­te Nach­rich­ten für al­le Ge­mein­den, die auf Zu­schüs­se von der Re­gie­rung von Schwa­ben zum Bau neu­er Kin­der­gär­ten war­ten: Wie Pres­se­spre­cher Karl-Heinz Mey­er jetzt auf An­fra­ge der Min­del­hei­mer Zei­tung mit­teil­te, wer­den die zu­ge­sag­ten Mit­tel auch flie­ßen. We­gen der er­schöpf­ten Bun­des­mit­tel be­ab­sich­ti­ge die Staats­re­gie­rung, künf­tig Lan­des­mit­tel ein­zu­set­zen. Ge­plant sei ein 5. Son­der­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramm. Der­zeit wer­den die da­für er­for­der­li­chen haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­schaf­fen, so Mey­er.

Da­mit es bis da­hin zu kei­nen Bau­ver­zö­ge­run­gen kommt, wur­den die baye­ri­schen Re­gie­rungs­be­zir­ke er­mäch­tigt, auf Grund­la­ge des Ka­bi­netts­be­schlus­ses vom 12. Fe­bru­ar zum Ent­wurf des Haus­halts­ge­set­zes für den Dop­pel­haus­halt 2019/2020 wie­der Un­be­denk­lich­keits­be­schei­ni­gun­gen aus­zu­stel­len.

Der Re­gie­rung von Schwa­ben wur­de hier­für ein Rah­men von zu­nächst 5,9 Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung ge­stellt. Mey­er: „In die­sem Rah­men kön­nen der­zeit Un­be­denk­lich­keits­be­schei­ni­gun­gen er­teilt wer­den“. Für Türkheim, Wiedergeltingen und an­de­re Kom­mu­nen be­deu­tet dies: Jetzt kön­nen die fi­nan­zi­el­len Wei­chen­stel­lun­gen doch deut­lich ent­spann­ter als be­fürch­tet an­ge­gan­gen wer­den.

Wann es denn mit den Haus­halts­be­ra­tun­gen los­ge­he – und wie es denn um die im Vor­jahr un­ter gro­ßem Pro­test der be­trof­fe­nen El­tern ver­ab­schie­de­ten, hö­he­ren Kin­der­gar­ten­ge­büh­ren be­stellt sei, woll­ten ei­ni­ge Ge­mein­de­rä­te in der jüngs­ten Sit­zung von Käm­me­rer Claus-Die­ter Hie­mer ger­ne wis­sen.

Mit der Er­hö­hung der Kin­der­gar­ten­ge­büh­ren hat­te der Ge­mein­de­rat ja im Herbst be­schlos­sen, die­se jähr­lich ge­nau un­ter die Lu­pe neh­men zu wol­len. Dies wer­de auch so ge­hand­habt, be­ton­te Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Käh­ler.

Doch es klang nicht ge­ra­de so, als könn­ten sich die El­tern auf ei­ne Re­du­zie­rung der Kin­der­gar­ten­ge­büh­ren freu­en, denn schließ­lich ha­be der Frei­staat Bay­ern mit dem Zu­schuss von 100 Eu­ro für das zwei­te Kind ja be­reits ein „Wahl­ge­schenk“(Hie­mer) ver­teilt, das den El­tern ent­spre­chend ent­ge­gen kom­me. Die Kos­ten­frei­heit für die Kin­der­be­treu­ung wur­de aus­ge­wei­tet, die zu­sätz­lich zum baye­ri­schen Fa­mi­li­en­geld ab April die­ses Jah­res grei­fen soll. Das Fa­mi­li­en­geld war von der CSU be­reits vor der Wahl be­schlos­sen wor­den. Die Aus­wei­tung der Kos­ten­frei­heit – 100 Eu­ro pro Kind und Mo­nat für die El­tern – kam der Wahl auf Wunsch der Frei­en Wäh­ler und ih­res Chefs Hu­bert Ai­wan­ger noch oben­drauf.

Vor­aus­sicht­lich in der Ju­ni-Sit­zung des Ge­mein­de­ra­tes wer­de dann auch der Ge­mein­de­haus­halt vom Ge­mein­de­rat be­ra­ten und ver­ab­schie­det wer­den kön­nen, kün­dig­te Hie­mer an.

Er und sein Team ste­cke mit­ten in den Vor­be­rei­tun­gen, doch sei die Si­tua­ti­on nicht all­zu ein­fach, denn durch die im­mer noch of­fe­ne Fra­ge, ob die Re­gie­rung den in Aus­sicht ge­stell­ten und bis­lang fix ein­kal­ku­lier­ten Zu­schuss nach dem 4. Son­der­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramm am En­de auch aus­zah­len wird. So lan­ge die Kom­mu­nen da­zu kei­ne ge­si­cher­ten In­for­ma­tio­nen be­kom­men, sei die Pla­nung des Haus­hal­tes ent­spre­chend schwie­rig: „Da ist noch ei­ne Un­si­cher­heit in Form von gut ei­ner Mil­li­on Eu­ro“, so Hie­mer, der da frei­lich noch nichts von der Zu­sa­ge der Re­gie­rung von Schwa­ben wis­sen konn­te.

Aus dem bis­her kal­ku­lier­ten Ei­gen­an­teil der Ge­mein­de für den Neu­bau der bei­den drin­gend be­nö­tig­ten Kin­der­gär­ten von et­wa drei Mil­lio­nen Eu­ro wür­de oh­ne den Staats­zu­schuss ein Ei­gen­an­teil von rund 4,3 Mil­lio­nen Eu­ro.

Rund 130 Kin­der­gar­ten­plät­ze sol­len in den Kin­der­gär­ten St. Jo­sef und St. Eli­sa­beth ent­ste­hen, die drin­gend ge­braucht wer­den: Schon jetzt deu­tet sich an, dass es auch mit die­sen bei­den, ins­ge­samt 6,2 Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren Pro­jek­ten gar nicht ge­tan sein wird: Die Wert­ach­ge­mein­de boomt und weist neue Bau­ge­bie­te aus, um dem wach­sen­nach den Be­darf an Bau­plät­zen für jun­ge Fa­mi­li­en ge­recht wer­den zu kön­nen.

Wie be­rich­tet, wa­ren Wie­der­gel­tin­gens Bür­ger­meis­ter und sein Türk­hei­mer Amts­kol­le­ge Chris­ti­an Käh­ler An­fang Fe­bru­ar ex­tra nach Mün­chen ge­fah­ren, um bei der baye­ri­schen So­zi­al­staats­se­kre­tä­rin Ca­ro­li­na Traut­ner Druck zu ma­chen. Wiedergeltingen und Türkheim geht es wie vie­len an­de­ren Ge­mein­den in ganz Bay­ern: Rund 25 Mil­lio­nen Eu­ro stan­den al­lein für den Re­gie­rungs­be­zirk Schwa­ben zur Ver­fü­gung. Ei­gent­lich soll­te das Geld aus dem 2017 be­schlos­se­nen Son­der­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramm­bis bis ins Jahr 2020 rei­chen. Das Pro­blem: Schon jetzt ist das Geld weg. Zahl­rei­chen Kom­mu­nen, die die Fi­nanz­sprit­ze in ih­re Pla­nun­gen ein­ge­preist ha­ben, feh­len plötz­lich hun­dert­tau­sen­de Eu­ro.

Ent­spre­chend sau­er war Wie­der­gel­tin­gens Bür­ger­meis­ter Norbert Füh­rer da­mals: „Es kann doch nicht sein, dass vor der Land­tags­wahl noch groß­mun­dig ver­kün­det wird, wie fa­mi­li­en­freund­lich Bay­ern ist, und we­ni­ge Mo­na­te spä­ter sind plötz­lich die Kas­sen leer“, wet­ter­te er ge­gen­über un­se­rer Zei­tung.

In sei­ner 1400-Ein­woh­ner-Ge­mein­de sto­ße die Kin­der­ta­ges­stät­te St. Ni­ko­laus schon jetzt an ih­re Gren­zen und müs­se an­ge­sichts drei­er ge­plan­ter Neu­bau­ge­bie­te er­wei­tert wer­den.

Ei­ne neue Grup­pe im Kin­der­gar­ten und ei­ne in der Krip­pe sei­en an­ge­dacht. 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro wür­de die Ge­mein­de ger­ne in den Aus­bau der Ki­ta ste­cken. Rund ei­ne hal­be Mil­li­on soll­te laut den Plä­nen aus dem Son­der­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramm des Frei­staa­tes kom­men. Stand heu­te blie­be die Ge­mein­de auf die­sen Kos­ten sit­zen. „Das wür­de uns nicht in den Ru­in stür­zen, fehlt dann aber an an­de­rer Stel­le wie­der“, sagt Füh­rer. 27 wei­te­ren schwä­bi­schen Kom­mu­nen ging es ähn­lich - von Oet­tin­gen im Ries über Gerst­ho­fen bei Augs­burg bis Lin­dau am Bo­den­see. Sie al­le ha­ben laut ei­ner Lis­te der Re­gie­rung von Schwa­ben ei­nen För­der­an­trag ge­stellt und war­ten auf ei­ne Zu­sa­ge der Gel­der.

„Da ist noch ei­ne Un­si­cher­heit in Form von gut ei­ner Mil­li­on Eu­ro“Käm­me­rer Claus-Die­ter Hie­mer

Fo­to: Alf Gei­ger

Gu­te Nach­rich­ten aus Augs­burg für die Käm­me­rei der VG Türkheim: Die Zu­schüs­se zu den Kin­der­gar­ten­neu­bau­ten in Türkheim und Wiedergeltingen kön­nen ein­ge­plant wer­den, hat die Re­gie­rung von Schwa­ben auf MZ-An­fra­ge mit­ge­teilt.

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