Ist der groß ge­wor­den!

Pre­mie­re Mer­ce­des bringt mit der Neu­auf­la­ge des GLS ein wah­res Rie­sen-SUV. Das auf 5,21 Me­ter Län­ge ge­wach­se­ne Fahr­zeug hat ei­ne fast un­ge­heu­re Prä­senz. Der Grö­ßen­wahn kommt aber auch den Pas­sa­gie­ren zu­gu­te

Mindelheimer Zeitung - - Kfz-börse - VON TO­BI­AS SCHAUMANN

Big­ger is bet­ter, je­den­falls in den USA, wo ein SUV gar nicht groß und wuch­tig ge­nug sein kann. Zu­letzt hat BMW mit dem X7 den Trend zu im­mer noch gi­gan­ti­sche­ren Aus­ma­ßen auf die Spit­ze ge­trie­ben, jetzt zieht Mer­ce­des mit dem neu­en GLS nach. Um 77 Mil­li­me­ter auf 5,21 Me­ter Län­ge ist „die S-Klas­se un­ter den SUV“ge­wach­sen, in der Brei­te leg­te sie eben­falls zu, was ihr ei­ne fast un­ge­heu­re Prä­senz ver­schafft. Und trotz­dem ist der GLS für US-Maß­stä­be kein rie­si­ges Au­to.

Man muss Mer­ce­des zu­gu­te­hal­ten, dass der neue Grö­ßen­wahn auch wirk­lich den Pas­sa­gie­ren dient und nicht al­lein dem Protz. Sie fin­den auf nun­mehr 3,14 Me­ter Rad­stand (plus 60 Mil­li­me­ter) mehr Platz denn je. Vor al­lem in der zwei­ten Rei­he – die nun op­tio­nal mit zwei be­son­ders kom­for­ta­blen Ein­zel­ses­seln be­stückt wer­den kann – ist das Rau­m­an­ge­bot fürst­lich wie in der Lang­ver­si­on der S-Klas­se-Li­mou­si­ne. Da­mit nicht ge­nug. Denn als ei­ner der ganz we­ni­gen Ver­tre­ter sei­ner Art hat der GLS ei­ne drit­te Sitz­rei­he, die den Na­men ver­dient. Sie soll ver­gleichs­wei­se leicht zu er­rei­chen sein und selbst groß Ge­wach­se­nen (Mer­ce­des spricht von Per­so­nen von bis zu 1,94 Me­ter) aus­rei­chend Frei­hei­ten bie­ten.

Wer­den sie nicht be­nö­tigt, kön­nen die bei­den hin­te­ren Ein­zel­sit­ze elek­trisch brett­eben im Bo­den ver­senkt wer­den. Die zwei­te Rei­he lässt sich flach klap­pen, so­dass im bes­ten Fal­le 2400 Li­ter Kof­fer­raum­vo­lu­men zur Ver­fü­gung ste­hen. Das ist ein Wort. Die Sit­ze selbst sind al­le elek­trisch ver­stell­bar und be­heiz­bar. Je­der Platz be­sitzt ei­ge­ne USBLa­de­buch­sen.

Die Kli­ma­au­to­ma­tik lässt sich auf bis zu fünf un­ter­schied­li­che Zo­nen ein­stel­len. Fond­pas­sa­gie­re bli­cken auf zwei Touch­screens, mit de­nen sie Fil­me schau­en oder im In­ter­net sur­fen kön­nen. Das En­ter­tain­ment­sys­tem kann mit ei­nem ei­ge­nen Ta­blet vom Fond aus be­dient wer­den. An Bord ist selbst­ver­ständ­lich die jüngs­te Ge­ne­ra­ti­on des Mer­ce­des-In­fo­tain­ment­sys­tems MBUX. Ei­ne As­sis­ten­tin („Hey Mer­ce­des“) wich­ti­ge Auf­ga­ben wie Na­vi­ga­ti­on oder Kli­ma­ti­sie­rung da­mit ganz ein­fach auf Zu­ruf aus.

Auch das kennt man be­reits vom ei­ne Klei­der­grö­ße dar­un­ter ran­gie­ren­den GLE, der tech­nisch eng mit dem GLS ver­wandt ist. Da­zu ge­hört das „E-Ac­tive Bo­dy Con­trol“ge­nann­te Fahr­werk, das für über­le­ge­nen Fahr­kom­fort steht und sich auch im Ge­län­de gut schlägt: Auf Ba­sis des 48-Volt-Bord­net­zes las­sen sich ein­zel­ne Rä­der blitz­schnell elek­tro­me­cha­nisch an­he­ben oder ab­sen­ken, der neu ab­ge­stimm­te All­rad­an­trieb soll­te sein Üb­ri­ges tun.

Un­ter der Hau­be schie­ben die be­kann­ten Sechs- und Acht­zy­lin­der­mo­to­ren Di­enst, wo­bei für Eu­ro­pa wohl vor al­lem die bei­den Die­sel mit 286 oder 330 PS in Fra­ge kom­men, die der Norm nach knapp un­ter acht Li­ter ver­brau­chen und die ab 2020 gül­ti­ge Eu­ro 6d Norm er­fül­len. Da­für ist ein zu­sätz­li­cher SCR-Ka­ta­ly­sa­tor nö­tig.

Die Ben­zi­ner le­ben al­le mit Elek­tro-Un­ter­stüt­zung. Sie be­sit­zen ei­nen in­te­grier­ten Star­ter-Ge­ne­ra­tor so­wie ei­nen „EQ Boost“, was ei­ner­seits lan­ge Se­gel­pha­sen und an­de­rer­seits ei­ne kräf­ti­ge­re und spon­ta­ne­re Be­schleu­ni­gung er­mög­licht. Erst­mals kom­bi­nie­ren die Schwa­ben die Strom-Kom­po­nen­ten mit ei­nem V8-Mo­tor. Er leis­tet 489 PS und stemmt 700 New­ton­me­ter auf die Kur­bel­wel­le. Kurz­fris­tig sind wei­te­führt re 250 New­ton­me­ter via EQ Boost ab­ruf­bar. Der Norm nach be­gnügt sich der Acht­zy­lin­der mit zehn Li­tern Su­per auf hun­dert Ki­lo­me­tern.

Der Mer­ce­des-Benz GLS wird im Werk Tu­s­ca­loo­sa (Ala­ba­ma) pro­du­ziert und wird es erst ge­gen Jah­res­en­de über den Gro­ßen Teich ge­schafft ha­ben. Prei­se sind noch nicht be­kannt, je­doch dürf­te der Ein­stieg bei et­wa 80000 Eu­ro lie­gen. Er­ken­nen wird man die ers­ten Fahr­zeu­ge vor al­lem an der nach­ge­schärf­ten, sport­li­cher ge­styl­ten Front. Sie wirkt fo­kus­sier­ter. Aus glei­ßend hel­len 112 LED pro Schein­wer­fer starrt der GLS sei­ne Be­trach­ter an. Die Bot­schaft: Hier kommt was Gro­ßes, was ganz Gro­ßes.

Rol­len­des State­ment: Der neue Mer­ce­des GLS kommt noch wuch­ti­ger und bul­li­ger da­her als das Vor­gän­ger­mo­dell.

Fo­tos: Daim­ler AG

Wie im Wohn­zim­mer: Auf al­len Plät­zen ge­nie­ßen die Pas­sa­gie­re im GLS ein groß­zü­gi­ges Raum­ge­fühl.

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