Licht aus für den Ar­ten­schutz

Um­welt Die Staats­re­gie­rung stellt ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor, der weit über das Volks­be­geh­ren „Ret­tet die Bie­nen“hin­aus­geht. Wel­che kon­kre­ten Maß­nah­men dort fest­ge­hal­ten sind

Mindelheimer Zeitung - - Bayern | Sternenhimmel -

Mün­chen Nach dem Ab­schluss des Run­den Ti­sches nimmt das ge­plan­te gro­ße Ge­set­zes­pa­ket für mehr Um­welt-, Na­tur- und Ar­ten­schutz in Bay­ern kon­kre­te Gestalt an. In ei­nem Ge­setz­ent­wurf und ei­nem er­gän­zen­den An­trag, der nun an die Re­gie­rungs­frak­tio­nen ver­schickt wur­de, sind nach Darstel­lung der Staats­kanz­lei fast 50 Emp­feh­lun­gen des Run­den Ti­sches auf­ge­grif­fen wor­den. Die­se soll­ten „zeit­gleich mit dem Volks­be­geh­ren wirk­sam wer­den“, heißt es in ei­nem er­läu­tern­den Schrei­ben der Staats­re­gie­rung.

Der Ge­setz­ent­wurf selbst sieht, er­gän­zend zum Volks­be­geh­ren „Ret­tet die Bie­nen“, Än­de­run­gen in ei­ner gan­zen Rei­he be­ste­hen­der Ge­set­ze vor, um für mehr Um­welt-, Na­tur- und Ar­ten­schutz zu sor­gen. Den Ge­setz­ent­wurf des Volks­be­geh­rens will die Ko­ali­ti­on im Land­tag un­ver­än­dert an­neh­men – sie geht so ei­nem Volks­ent­scheid aus dem Weg. Da­mit wird das Baye­ri­sche Na­tur­schutz­ge­setz an meh­re­ren Punk­ten ge­än­dert. Bei­spiels­wei­se wer­den Bio­to­pe bes­ser ver­netzt und Ge­wäs­ser­rand­strei­fen bes­ser ge­schützt. Der An­teil des öko­lo­gi­schen An­baus im Frei­staat soll bis 2030 von zehn auf 30 Pro­zent stei­gen. Al­ler­dings will die Ko­ali­ti­on ge­wis­se strit­ti­ge Punk­te ent­schär­fen – und zwar im Kon­sens mit den Initia­to­ren und et­wa dem Bau­ern­ver­band, die dar­über am Run­den Tisch Ein­ver­neh­men er­zielt hat­ten. Da­zu soll das Na­tur­schutz­ge­setz so­fort wie­der ge­än­dert und um ei­ni­ge wei­te­re Be­stim­mun­gen er­gänzt wer­den. Bei­spiels­wei­se soll so ge­re­gelt wer­den, dass die Be­hör­den bei den Fris­ten für das Wal­zen von Wie­sen wit­te­rungs­be­ding­te Aus­nah­men ge­neh­mi­gen kön­nen – et­wa wenn in be­stimm­ten Re­gio­nen noch län­ger Schnee liegt. Dies war ei­ner der um­strit­tens­ten Punk­te des Volks­be­geh­rens.

An an­de­ren Stel­len soll er­gänzt wer­den, dass be­trof­fe­ne Grund­be­sit­zer für neue Ar­ten­schutz­maß­nah­men fi­nan­zi­ell ent­schä­digt wer­den sol­len. Mit die­sen Än­de­run­gen wol­le man „Här­ten zu­las­ten der Land­wirt­schaft ab­fe­dern und gleich­zei­tig fach­li­che Ver­bes­se­run­gen für den Na­tur- und Ar­ten­schutz er­zie­len“, heißt es in dem Schrei­ben der Staats­kanz­lei.

Un­ter den zu­sätz­li­chen Ar­ten­schutz­maß­nah­men, die so­fort in dem „Ver­söh­nungs­ge­setz“ge­re­gelt wer­den sol­len, ist et­wa die Her­aus­nah­me von zehn Pro­zent des Staats­wal­des aus der nor­ma­len Nut­zung – dort soll ein Netz­werk aus „na­tur­na­hen Wäl­dern“ent­ste­hen. Staat­li­che Ge­bäu­de sol­len „an­ge­mes­sen be­grünt oder be­pflanzt wer­den“. Aber auch die „Licht­ver­schmut­zung“soll zum Schutz von In­sek­ten ein­ge­dämmt wer­den: Für öf­fent­li­che Ge­bäu­de wie Schlös­ser, Rat­häu­ser, Kir­chen und Äm­ter soll „ab 23 Uhr und bis zur Mor­gen­däm­me­rung ein ge­ne­rel­les Ver­bot der Fas­sa­den­be­leuch­tung“gel­ten, heißt es im Ge­set­zes­ent­wurf.

An­de­re Punk­te, die nicht oder noch nicht ge­setz­lich ge­re­gelt wer­den kön­nen, sol­len per Land­tags­be­schluss an­ge­sto­ßen oder vor­an­ge­trie­ben und stär­ker ge­för­dert wer­den. Da­zu ge­hö­ren et­wa die Ein­rich­tung zu­sätz­li­cher Öko­mo­dell­re­gio­nen, mehr Bio-Pro­duk­te für Bay­erns Kan­ti­nen, die Ein­füh­rung neu­er Lehr­in­hal­te „zur All­tags­kom­pe­tenz und Le­bens­öko­no­mie“an Bay­erns Schu­len und die ge­plan­te Hal­bie­rung des Ein­sat­zes che­mi­scher Pflan­zen­schutz­mit­tel bis zum Jahr 2028.

Weil die Zeit drängt, wol­len die Frak­tio­nen von CSU und Frei­en Wäh­lern am Di­ens­tag in Son­der­sit­zun­gen über das Pa­ket be­ra­ten. Am 8. Mai ist der Ar­ten­schutz dann das Haupt­the­ma der Land­tags­sit­zung.

Fo­to: Pe­ter Kn­ef­fel, dpa

Ab 23 Uhr sol­len öf­fent­li­che Ge­bäu­de wie Schlös­ser, Rat­häu­ser oder Kir­chen – auf un­se­rem Bild ist sym­bol­haft die Sankt-Lu­kas-Kir­che in Mün­chen zu se­hen – künf­tig nicht mehr von au­ßen be­leuch­tet wer­den.

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