Wer muss für die Hoch­schu­len be­zah­len?

For­schungs­mi­nis­te­rin Kar­lic­zek will mehr Geld von den Län­dern. Nun droht Är­ger

Mindelheimer Zeitung - - Erste Seite - VON CHRIS­TI­AN GRIMM

Un­mit­tel­bar vor dem Po­ker mit den Bun­des­län­dern um die Fi­nan­zie­rung der Hoch­schu­len gibt sich Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­rin An­ja Kar­lic­zek zwar im Ton kon­zi­li­ant, in der Sa­che bleibt die CDUPo­li­ti­ke­rin aber hart: Sie be­steht dar­auf, dass die Län­der mehr ei­ge­ne Mit­tel bei­steu­ern. „Der Bund steht zu sei­nem En­ga­ge­ment. Aber auch die Län­der müs­sen sich be­we­gen“, for­der­te sie im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Kar­lic­zek wird am Frei­tag mit ih­ren Amts­kol­le­gen aus den Län­dern in der Ge­mein­sa­men Wis­sen­schafts­kon­fe­renz dar­um rin­gen, mit wie viel Geld der Bund die Hoch­schu­len und die au­ßer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen wie die Max-Planck-Ge­sell­schaft und die Fraun­ho­fer In­sti­tu­te un­ter­stützt. Da­bei geht es um Mil­li­ar­den – und um den Ruf der Mi­nis­te­rin, die zu­letzt her­be Kri­tik als ver­meint­li­che Fehl­be­set­zung ein­ste­cken muss­te. „Ich will al­les dar­an­set­zen, dass die Ver­hand­lun­gen am Frei­tag er­folg­reich ab­ge­schlos­sen wer­den“, sag­te die 48-Jäh­ri­ge.

Die Aus­gangs­la­ge birgt Kon­flikt­po­ten­zi­al: Der Bund ist be­reit, den Län­dern in der neu­en Pe­ri­ode des Hoch­schul­pak­tes ab 2021 dau­er­haft 1,9 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr als Zu­schuss für die Gr­und­fi­nan­zie­rung von Unis und Fach­hoch­schu­len zu über­wei­sen. Ob­wohl sie ei­gent­lich al­lein für das All­tags­ge­schäft zu­stän­dig wä­ren, reicht ih­nen die­se Zu­sa­ge nicht aus. Sie ver­lan­gen ei­nen jähr­li­chen An­stieg der Mit­tel aus der Kas­se des Bun­des, um et­wa die Teue­rung aus­glei­chen zu kön­nen. Das lehnt Kar­lic­zek ab.

Der Hoch­schul­pakt war 2007 be­schlos­sen wor­den, als im­mer mehr Stu­di­en­an­fän­ger an die Hoch­schu­len ström­ten und die Rek­to­ren nicht wuss­ten, wie sie zu­sätz­li­che Pro­fes­so­ren, Do­zen­ten und Se­mi­na­re be­zah­len soll­ten. Die im­mer wie­der be­fris­te­te Hil­fe wird nun zur Dau­er­ein­rich­tung. Da­mit soll auch ei­nes der gro­ßen Übel an den Hoch­schu­len ge­lin­dert wer­den: Der wis­sen­schaft­li­che Nach­wuchs klagt seit Jah­ren dar­über, dass er sich von ei­ner be­fris­te­ten Stel­le zur nächs­ten han­geln muss. Län­der und Uni­ver­si­tä­ten ver­wie­sen stets dar­auf, dass die Hil­fen des Bun­des zeit­lich be­fris­tet sind und es des­halb kei­ne dau­er­haf­ten Ver­trä­ge gibt. Das Ar­gu­ment sticht nun nicht mehr.

Streit zwi­schen Kar­lic­zek und den Län­dern gibt es auch um den zwei­ten der drei Hoch­schul­pak­te. Die Län­der sol­len künf­tig die Hälf­te der Mit­tel für die Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät in der Leh­re auf­brin­gen. Das ent­spricht ei­ner Sum­me von 100 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich. Mit dem Geld wer­den zum Bei­spiel ei­ne bes­se­re Stu­di­en­be­ra­tung fi­nan­ziert, Tu­to­ri­en be­zahlt, in de­nen der Stoff wie­der­holt wird, oder Hoch­schul­leh­rer auf Wei­ter­bil­dung ge­schickt.

Ver­hakt ha­ben sich die Par­tei­en au­ßer­dem beim Zu­schuss für die au­ßer­uni­ver­si­tä­re For­schung. Die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft und die vier gro­ßen Ver­bün­de Fraun­ho­fer-Ge­sell­schaft, Helm­holtz-Ge­mein­schaft, Max-PlanckGe­sell­schaft und Leib­niz-Ge­mein­schaft ha­ben zwi­schen 2016 und 2020 dar­über vier Mil­li­ar­den Eu­ro zu­sätz­lich er­hal­ten. Jähr­lich stieg der Etat da­bei um drei Pro­zent an – auf Kos­ten des Bun­des, der die Stei­ge­rung ab 2021 aber nicht mehr über­neh­men will, was zur Ver­stim­mung auf Län­der­sei­te führt.

Auch im Leit­ar­ti­kel geht es dar­um, was Bil­dung wert ist.

„Der Bund steht zu sei­nem En­ga­ge­ment. Aber auch die Län­der müs­sen sich be­we­gen.“An­ja Kar­lic­zek

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