Fein­schliff bis die Bril­le passt

Ani­ta Mol­do­van ist Au­gen­op­ti­ke­rin, 30 Jah­re alt, Mut­ter von zwei Kin­dern und vor al­lem ihr ei­ge­ner Chef. Wor­auf es beim Ge­schäft mit Glä­sern, Lin­sen und Ge­stel­len an­kommt

Mindelheimer Zeitung - - Politik | Wirtschaft -

VON VE­RO­NI­KA LINTNER

Al­ten­müns­ter Ei­ne Bril­le put­zen, oh­ne die Glä­ser zu be­schä­di­gen? Das ist gar nicht so ein­fach. „Kein Tem­po­ta­schen­tuch, da ist der Hol­zan­teil zu hoch. Und bit­te – kei­ne Bril­len­putz­tü­cher aus der Apo­the­ke. Da ist zu viel Al­ko­hol drin, das be­schä­digt die Ent­spie­ge­lung“, er­klärt Ani­ta Mol­do­van ei­ner Kun­din, der sie ge­ra­de fei­er­lich ei­ne na­gel­neue Bril­le über­reicht. „Nur Was­ser mit et­was Spül­mit­tel, lau­warm.“Mol­do­van ist Au­gen­op­ti­ke­rin und führt ein Ge­schäft in Al­ten­müns­ter im Land­kreis

Augs­burg. In ih­rem Be­ruf geht es um Fein­schliff, um Per­fek­ti­on und Zehn­tel­mil­li­me­ter. Des­halb sei ihr die Pfle­ge ih­rer Pro­duk­te wich­tig. „Wir ma­chen hier in un­se­rer Werk­statt al­les sel­ber. Ich lie­be das“, sagt sie. Ihr Ziel: „Die Kun­den sol­len nicht zu­frie­den sein, son­dern glück­lich.“

„Ei­ne jun­ge Frau, die weiß, was sie will“, so be­schreibt Mol­do­vans Mit­ar­bei­ter Sieg­fried Se­lig die 30-Jäh­ri­ge. Da­bei hat­te ih­re Mut­ter da­mals die Idee, sie könn­te Au­gen­op­ti­ke­rin wer­den. Mol­do­van er­in­nert sich: „Un­ser Nach­bar ist doch Op­ti­ker, hat sie ge­sagt. Da könn­test du mal ein Prak­ti­kum ma­chen.“Und am bes­ten gleich die Aus­bil­dung, da­nach den Meis­ter. Mol­do­van hör­te auf den Rat der Mut­ter. Als ihr Be­rufs­weg be­gann, brauch­te sie selbst noch kei­ne Bril­le – den­noch ge­fiel ihr das Tüf­teln mit Glä­sern und Ge­stel­len. „Für mich war bald klar: Ich ma­che das ganz oder gar nicht.“Heu­te be­sitzt sie selbst vier Bril­len, Kon­takt­lin­sen, zwei Son­nen­bril­len – ei­nen Meis­ter­brief und ein ei­ge­nes Ge­schäft.

Au­gen­op­tik sei ein wei­tes Feld, sagt die 30-Jäh­ri­ge: Von Be­ra­tung, Hand­werk und Mo­de bis hin zu Me­di­zin und Wis­sen­schaft. „In die­sem Be­ruf kann ich mir aus­su­chen, was ich ma­che.“Op­ti­ker kön­nen mit Au­gen­ärz­ten zu­sam­men­ar­bei­ten, sich auf Bril­len­fas­sun­gen oder Lin­sen­an­pas­sun­gen spe­zia­li­sie­ren, in Ein­schleif­werk­stät­ten ar­bei­ten oder sich mit ei­nem Meis­ter­ab­schluss selbst­stän­dig ma­chen. So viel­fäl­tig wie die be­ruf­li­chen Mög­lich­kei­ten ist auch die Aus­bil­dung: Ana­to­mie und Au­gen­heil­kun­de ste­hen auf dem Lehr­plan – und vor al­lem Ma­the­ma­tik und Phy­sik. „Wenn ich das vor­her ge­wusst hät­te“, sagt Mol­do­van und lacht. Das sei­en nicht ih­re Lieb­lings­fä­cher in der Schu­le

● Be­zeich­nung: Au­gen­op­ti­ker/in

● Aus­bil­dungs­dau­er: 3 Jah­re

● Vor­aus­set­zun­gen Wer ei­ne Aus­bil­dung zum Au­gen­op­ti­ker an­strebt, soll­te über ei­ne ge­naue Ar­beits­wei­se, Ein­füh­lungs­ver­mö­gen für Kun­den, Ver­ständ­nis für Tech­nik und ein Ge­spür für Äs­t­he­tik ver­fü­gen.

● Fä­cher Ma­the und Phy­sik, aber auch Wer­ken und Deutsch sind wich­ti­ge Fä­cher für an­ge­hen­de Sys­tem­gas­tro­no­men.

● Aus­bil­dungs­ver­gü­tung Au­gen­op­ti­ker/in­nen ver­die­nen laut Hand­werks­kam­mer Schwa­ben in der Lehr­zeit im Schnitt 607 Eu­ro im Mo­nat. ge­we­sen. Den­noch: Mit Ehr­geiz, Kon­zen­tra­ti­on und dem be­ruf­li­chen Ziel vor Au­gen ha­be sie sich das nö­ti­ge Wis­sen an­ge­eig­net.

Mol­do­vans klei­ner La­den liegt an der Haupt­stra­ße von Al­ten­müns­ter, der Schrift­zug „Die Op­ti­mis­tin“steht über dem Ein­gang. Im La­den herrscht ei­ne war­me At­mo­sphä­re, Ses­sel mit gold glit­zern­den Kis­sen, ein Wand­bild mit grü­ner Wald­land­schaft. Und ent­lang der Wand ei­ne Ga­le­rie von Bril­len. Die Op­ti­ke­rin setzt sich ei­ne Son­nen­bril­le mit di­ckem Rand und Leo­par­den­mus­ter auf und lä­chelt. Wenn sie sich an die An­fangs­zeit des La­dens er­in­ne­re, den­ke sie oft an ein be­son­de­res Bril­len­mo­dell in Knall­pink. Sie ha­be da­mals Zwei­fel ge­habt: Ob sich so ein Ge­stell auf dem Land ver­kauft? In Al­ten­müns­ter? „Doch das war dann tat­säch­lich die ers­te Bril­le, die ich hier ver­kauft ha­be.“

Mit­ten in der El­tern­zeit, als ih­re Toch­ter ge­bo­ren wur­de, grün­de­te Im ers­ten Lehr­jahr ist das Ge­halt ge­rin­ger und steigt dann an.

● Fra­gen? In­for­ma­tio­nen zur Aus­bil­dung in ei­nem Hand­werks­be­ruf – et­wa dem des Au­gen­op­ti­kers – gibt die Hand­werks­kam­mer für Schwa­ben un­ter der Te­le­fon­num­mer 0821/32 59 12 15. Al­les rund um Han­dels-, In­dus­trie und Di­enst­leis­tungs­be­ru­fe weiß die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer, Te­le­fon 0821/316 23 25. Fra­gen zur schu­li­schen Aus­bil­dung oder zu sons­ti­gen The­men be­ant­wor­tet das Be­rufs­in­for­ma­ti­ons­zen­trum un­ter der Te­le­fon­num­mer 0821/315 15 07. (ve­li) Mol­do­van ihr Ge­schäft. „Ich hat­te es ver­misst, zu ar­bei­ten.“So ha­be sie ih­ren La­den in ei­ner La­ger­hal­le ein­ge­rich­tet, die zu­vor leer stand bis auf die Stahl­trä­ger. Als sie am 1. De­zem­ber 2017 das Ge­schäft er­öff­ne­te, war ih­re Toch­ter ge­ra­de acht Mo­na­te alt. In ei­nem Ne­ben­raum des La­dens steht heu­te ei­ne Ba­by­wie­ge, im Ver­kaufs­raum gibt es ei­ne Spielecke – für die Kin­der der Kun­den und ih­re ei­ge­nen. An ih­rem An­trieb und ih­rer Mo­ti­va­ti­on ha­be sich als Mut­ter nichts ge­än­dert. An ei­nem Mon­tag im Som­mer 2018 sei ihr zwei­tes Kind auf die Welt ge­kom­men, am Sams­tag sei sie wie­der im La­den ge­stan­den. Die Be­geis­te­rung für Bril­len scheint sich zu ver­er­ben: „Mei­ne Toch­ter liebt Bril­len, sie ist ei­ne klei­ne Op­ti­ke­rin.“

In Mol­do­vans Werk­statt ste­hen mo­der­ne Ge­rä­te be­reit. Ma­schi­nen, die sanft brum­men, wäh­rend sie Glä­ser zu­recht­schnei­den und schlei­fen. Auch bei so­ge­nann­ten Bohr­bril­len oh­ne Fas­sung hilft ein spe­zi­el­les Ge­rät. Da­zu kom­men die Ge­rä­te, die Au­gen und Seh­stär­ke ver­mes­sen – man­che kos­ten min­des­tens 20 000 Eu­ro. „In die­sem Be­ruf muss man wis­sen, was Kun­den ge­fällt“, sagt Mol­do­van. Re­gel­mä­ßig prä­sen­tie­ren ihr Ver­tre­ter die neu­es­te Bril­len­mo­de. Sie selbst bie­tet Bril­len­par­tys an, Be­ra­tun­gen im Se­nio­ren­heim und Be­su­che im Kin­der­gar­ten. Mol­do­van sagt, sie sei zwar ein ex­tro­ver­tier­ter Mensch – doch sie ha­be in ih­rem Be­ruf erst ler­nen müs­sen, auf Kun­den di­rekt zu­zu­ge­hen. Heu­te be­rei­te ihr die­ser Kon­takt, die Be­ra­tung und der Ser­vice die größ­te Freu­de in ih­rem Job. Ihr Wis­sen möch­te Mol­do­van wei­ter­ver­mit­teln: Der­zeit sucht sie nach ei­nem Aus­zu­bil­den­den für ih­ren Be­trieb.

Der Be­ruf Au­gen­op­ti­ker auf ei­nen Blick

Fo­to: Mar­cus Merk

Kurz nach der Ge­burt ih­rer ers­ten Toch­ter hat Ani­ta Mol­do­van ih­ren ei­ge­nen La­den auf­ge­macht, seit­her ver­kauft die Au­gen­op­ti­ke­rin Bril­len und Kon­takt­lin­sen in Al­ten­müns­ter – und ist da­mit sehr glück­lich.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.