Ener­gie­aus­wei­se lau­fen ab

Im Jahr 2009 wur­de die ers­te Ge­ne­ra­ti­on der Ener­gie-Steck­brie­fe ein­ge­führt. Weil sie nur zehn Jah­re gül­tig sind, soll­ten Ei­gen­tü­mer sich jetzt um die Ver­län­ge­rung küm­mern

Mindelheimer Zeitung - - Geld & Leben -

Um die Ener­gie­ef­fi­zi­enz bes­ser ein­ord­nen zu kön­nen, gilt seit 2009 für Wohn­ge­bäu­de, die neu ver­mie­tet, ver­pach­tet oder ver­kauft wer­den, ei­ne Ener­gie­aus­weis­pflicht. Die Ener­gie­aus­wei­se sind zehn Jah­re gül­tig. Nun lau­fen die Ener­gie­aus­wei­se der ers­ten Ge­ne­ra­ti­on zu­neh­mend ab. Ei­gen­tü­mer, die ei­ne Ver­mie­tung, Ver­pach­tung oder den Ver­kauf ih­res Ge­bäu­des an­stre­ben und kei­nen oder ei­nen ab­ge­lau­fe­nen Ener­gie­aus­weis be­sit­zen, müs­sen ei­nen neu­en Ener­gie­aus­weis von ei­nem Bau­fach­mann mit ent­spre­chen­der Qua­li­fi­ka­ti­on er­stel­len las­sen.

Haus­ei­gen­tü­mer sind ver­pflich­tet, po­ten­zi­el­len Miet-, Kauf- oder

Pacht­in­ter­es­sen­ten spä­tes­tens bei der Be­sich­ti­gung ei­nen ent­spre­chen­den Ener­gie­aus­weis oder ei­ne Ko­pie vor­zu­le­gen und nach Ver­trags­ab­schluss zu über­ge­ben. Seit 2014 schreibt der Ge­setz­ge­ber zu­dem vor, dass die im Ener­gie­aus­weis ge­for­der­ten Ener­gie­kenn­wer­te in kom­mer­zi­el­len Im­mo­bi­li­en­an­zei­gen in der Zei­tung oder im In­ter­net an­ge­ge­ben wer­den.

Grund­sätz­lich gibt es zwei Ar­ten von Ener­gie­aus­wei­sen: den Ener­gie­be­darfs­aus­weis und den Ener­gie­ver­brauchs­aus­weis – wo­bei für Ge­bäu­de un­ter fünf Wohn­ein­hei­ten und ei­nem Bau­jahr vor No­vem­ber 1977 Be­darfs­aus­wei­se aus­ge­stellt wer­den müs­sen. Für grö­ße­re Ge­bäu­de ei­nes jün­ge­ren Bau­jahrs be­steht Wahl­frei­heit. Aus­nah­me: Er­füllt das Ge­bäu­de durch spä­te­re Sa­min­des­tens das An­for­de­rungs­ni­veau der Wär­me­schutz­ver­ord­nung von 1977, kann auch ein Ver­brauchs­aus­weis be­an­tragt wer­den. Der Be­darfs­aus­weis zeigt den Ener­gie­be­darf ei­nes Ge­bäu­des bei Stan­dard­nut­zung und -kli­ma an und er­mög­licht so ei­ne nut­zer­un­ab­hän­gi­ge Beur­tei­lung. Da­bei wird so­wohl die Ge­bäu­de­hül­le als auch die Hei­zungs­an­la­ge ana­ly­siert und ein theo­re­ti­scher Ener­gie­be­darf wird an­hand vor­ge­ge­be­ner Rah­men­be­din­gun­gen be­rech­net. Zu­dem gibt der be­auf­trag­te Bau­fach­mann mit der Er­stel­lung des Ener­gie­aus­wei­ses Emp­feh­lun­gen für sinn­vol­le Sa­nie­rungs­maß­nah­men, mit de­nen der Ener­gie­ver­brauch ge­senkt und der Wohn­kom­fort erhöht wer­den Mit der Er­stel­lung des Ener­gie­aus­wei­ses be­kommt der Haus­be­sit­zer al­so auch ei­ne, meist al­ler­dings nur sehr kurz ge­hal­te­ne Ener­gie­be­ra­tung.

An­ders als der Ener­gie­be­darfs­aus­weis wird der Ener­gie­ver­brauchs­aus­weis auf der Grund­la­ge des tat­säch­li­chen Ener­gie­ver­brauchs der letz­ten drei Jah­re er­stellt. Die Da­ten wer­den für Stan­dard-Rah­men­be­din­gun­gen nor­miert, sind al­so nicht di­rekt so im je­wei­li­gen Ge­bäu­de zu er­war­ten. Bei Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern ist nur der Be­darf­s­ener­gie­aus­weis zu­läs­sig, da durch sehr un­ter­schied­li­ches Nut­zer­ver­hal­ten nur be­grenzt Rück­schlüs­se auf die en­er­ge­ti­sche Qua­li­tät ei­nes Ge­bäu­nie­run­gen des mög­lich sind. Bei ei­nem grö­ße­ren Mehr­fa­mi­li­en­haus glei­chen sich sol­che Ef­fek­te durch die An­zahl der Be­woh­ner mit un­ter­schied­li­chem Ver­hal­ten in der Re­gel aus.

Mit der Ein­füh­rung der Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung, kurz EnEV, im Jahr 2014 än­der­te sich nicht nur op­tisch der Ener­gie­aus­weis. Die bis­her schon ver­wen­de­te Farb­ska­la wur­de um ei­ne Ein­tei­lung in Ener­gie­ef­fi­zi­enz­klas­sen von A+ bis H er­wei­tert. Ähn­lich wie bei Elek­tro­ge­rä­ten soll da­mit auch im Ener­gie­aus­weis für Haus­käu­fer, aber auch Mie­ter ei­ne schnelle Ei­n­ord­nung des en­er­ge­ti­schen Zu­stands des Ge­bäu­des er­mög­licht wer­den. Da­bei reicht die en­er­ge­tisch güns­tigs­te Ef­fi­zi­enz­klas­se A+ beim En­den­er­kann. gie­be­darf von null bis 30 Ki­lo­watt­stun­den pro Qua­drat­me­ter im Jahr (kWh/m²a), die un­güns­tigs­te Klas­se H en­det bei 250 kWh/m²a. Die Farb­ska­la im al­ten, bis Mai 2014 gel­ten­den Ener­gie­aus­weis reich­te noch bis 400 kWh/m²a. Die Ei­n­ord­nung der Ge­bäu­de ist durch die Ver­kür­zung der Farb­ska­la al­so stren­ger ge­wor­den. Ein Ge­bäu­de mit ei­nem End­ener­gie-Kenn­wert von 150 kWh/m²a lag im „al­ten“Ener­gie­aus­weis noch mit­ten im grü­nen Be­reich der Farb­ska­la. Im ak­tu­el­len Ener­gie­aus­weis wer­den die­se Ge­bäu­de in die Ef­fi­zi­enz­klas­se „E“ein­ge­ord­net und lie­gen da­mit im oran­gen Be­reich.

Stellt sich noch die Fra­ge, wie man als Haus­be­sit­zer ei­nen kom­pe­ten­ten Bau­fach­mann fin­det, der be­rech­tigt ist, ei­nen Ener­gie­aus­weis aus­zu­stel­len. Die Su­che im In­ter­net lie­fert zahl­rei­che Er­geb­nis­se. Al­ler­dings ba­sie­ren die An­ge­bo­te häu­fig auf nicht ge­prüf­ten Selbst­aus­künf­ten. Se­riö­se Ener­gie­aus­weis­aus­stel­ler fin­det man bei­spiels­wei­se mit­hil­fe der Such­funk­ti­on „Fach­leu­te fin­den“und der Ein­ga­be „Ener­gie­aus­weis“un­ter www.eza-part­ner.de. Oder über die Ex­per­ten­lis­te für Bun­des­för­der­pro­gram­me. Hier sind im In­ter­net un­ter www.ener­gie-ef­fi­zi­enz-ex­per­ten.de Fach­leu­te zu fin­den, die über die ent­spre­chen­de Qua­li­fi­ka­ti­on ver­fü­gen, auch wenn nicht al­le von ih­nen die Aus­stel­lung von Ener­gie­aus­wei­sen an­bie­ten.

Mar­tin Sam­ba­le ist Ge­schäfts­füh­rer des Ener­gie- und Um­welt­zen­trums All­gäu, kurz eza!

Fo­to: stock.ado­be.com

Haus­ei­gen­tü­mer müs­sen ih­ren Mie­tern spä­tes­tens bei der Be­sich­ti­gung ei­nen Ener­gie­aus­weis oder ei­ne Ko­pie vor­le­gen. Nach Ver­trags­ab­schluss muss er dann über­ge­ben wer­den.

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