Die Grand-Prix-Le­gen­de

John­ny Lo­gan hat den eu­ro­päi­schen Schla­ger­wett­be­werb drei­mal ge­won­nen. Nun wird er 65 Jah­re alt – und wun­dert sich über die Ent­wick­lung des ESC

Mindelheimer Zeitung - - Meinung & Dialog - Jo­sef Karg

Wenn am kom­men­den Sams­tag in Tel Aviv das Fi­na­le des Schla­ger­wett­be­werbs über die Büh­ne ge­hen wird, schaut und hört er na­tür­lich auch zu: John­ny Lo­gan. Der Mann, der die­sen Wett­be­werb (für Ir­land) als Ein­zi­ger drei­mal ge­wann und längst ei­ne Mu­sik­le­gen­de ist, wird dann 65 Jah­re alt sein. Am Mon­tag fei­ert er den run­den Ge­burts­tag. Über den dies­jäh­ri­gen Aus­tra­gungs­ort und die Ent­wick­lung des ESC ist er al­ler­dings nicht glück­lich: „Der Song Con­test ist in die­sem Jahr mehr denn je auch ei­ne Po­li­ti­kShow, dann ho­len sie als Gast­star auch noch Ma­don­na, um von den po­li­ti­schen Pro­ble­men ab­zu­len­ken. Das ge­fällt mir gar nicht“, sag­te er im Vor­feld. Und die Ma­lai­se hat für Lo­gan vor­nehm­lich mit ei­nem Mann zu tun – US-Prä­si­dent Do­nald Trump. „Seit­dem der an der Macht

ist, wird ein­fach al­les po­li­ti­siert“, sagt er – und er­gänzt et­was weh­mü­tig: „Da­bei wur­de der Eu­ro­vi­si­on Song Con­test einst ins Le­ben ge­ru­fen, um die Na­tio­nen zu ver­ei­nen.“Über­haupt hat der groß ge­wach­se­ne Ire zum Mu­sik­ge­schäft und auch zu sei­nen größ­ten Er­fol­gen ei­ne durch­aus dis­tan­zier­te Hal­tung ge­won­nen. So sieht er sei­ne Gran­dP­rix-Er­fol­ge nicht als Hö­he­punk­te, son­dern nur als Be­ginn sei­ner Kar­rie­re. Und die hat­te für ihn auch ei­ne durch­aus stres­si­ge Kom­po­nen­te: „Ich ha­be die Mu­sik­in­dus­trie über­lebt, bin im­mer noch hier“, sag­te Lo­gan schon vor ein paar Jah­ren. Das ma­che ihn stol­zer als der Ti­tel „Mr. Eu­ro­vi­si­on“. Lo­gan, der die baye­ri­sche Lan­des­haupt­stadt Mün­chen, die er oft pri­vat und be­ruf­lich be­such­te, als sei­ne „zwei­te Hei­mat“be­zeich­net, ist al­ler­dings gar kein ge­bür­ti­ger Ire, wie vie­le ver­mu­ten, son­dern in Aus­tra­li­en zur Welt ge­kom­men, wo er in­zwi­schen auch wie­der lebt. Die Lie­be zur Mu­sik wur­de ihm so­zu­sa­gen in die Wie­ge ge­legt. Sein Va­ter war der Star­te­nor Patrick O’Ha­gan, der so­gar vor dem ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten im Wei­ßen Haus auf­trat. Die ers­ten Lie­der kom­po­nier­te O’Ha­gan Ju­ni­or schon als Teen­ager und be­glei­te­te sich da­bei selbst auf der Gi­tar­re. Ehe er ins Mu­sik­ge­schäft so rich­tig ein­stieg, ab­sol­vier­te er nach der Schu­le ei­ne Aus­bil­dung zum Elek­tri­ker. Der Be­ruf ha­be ihm al­ler­dings nicht son­der­lich Spaß ge­macht, sagt er. Da­mals ver­dien­te sich Lo­gan an Aben­den so­wie an Wo­che­n­en­den mit mu­si­ka­li­schen Auf­trit­ten in Pubs et­was Geld da­zu. 1980 geht sei­ne Kar­rie­re dann rich­tig ab. Mit der Schla­ger­bal­la­de „What’s Ano­ther Year“siegt er beim Grand Prix in Den Haag. Bei sei­ner zwei­ten Teil­nah­me 1987 in Brüs­sel ge­winnt er gar mit dem selbst kom­po­nier­ten Lied „Hold Me Now“– üb­ri­gens ein Ap­pell an sei­ne da­ma­li­ge Ehe­frau, mit der er zu je­ner Zeit in Schei­dung leb­te. 1992 schreibt er „Why Me“für die Kan­di­da­tin Lin­da Mar­tin – und lan­det wie­der auf dem ers­ten Platz. Mit sei­nen Hits hat John­ny Lo­gan et­wa 16 Mil­lio­nen Plat­ten ver­kauft. Vom Er­lös kann er im Ru­he­stand sor­gen­frei le­ben.

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