Wenn Te­e­nie-Stars er­wach­sen wer­den

Die Zwil­lin­ge Hei­ko und Ro­man Loch­mann zäh­len zu den be­kann­tes­ten Youtubern Deutsch­lands. Doch auf das, was sie so er­folg­reich ge­macht hat, ha­ben sie jetzt kei­ne Lust mehr

Mindelheimer Zeitung - - Meinung & Dialog - Julian Agar­di

Er­wach­sen wer­den kann ziem­lich grau­sam sein. Vor al­lem dann, wenn je­der Pi­ckel und je­der un­vor­teil­haf­te Wachs­tums­schub von ei­ner Ka­me­ra fest­ge­hal­ten und für im­mer im In­ter­net ge­spei­chert wird. Hei­ko und Ro­man Loch­mann ha­ben es nicht an­ders ge­wollt. 2011 grün­de­ten die Zwil­lin­ge ih­ren ei­ge­nen Ka­nal auf Youtu­be und nann­ten ihn „Die Lochis“. „Das fan­den wir da­mals ziem­lich wit­zig. Aber wir wa­ren ja auch elf Jah­re alt“, sagt Ro­man Loch­mann heu­te. Die Ge­le­gen­heit, den Ka­nal noch ein­mal um­zu­be­nen­nen, ist ver­stri­chen. Längst ist der Na­me zur wert­vol­len Mar­ke für die bei­den Brü­der ge­wor­den, die heu­te ih­ren 20. Ge­burts­tag fei­ern.

Hei­ko und Ro­man Loch­mann ge­hö­ren zu den er­folg­reichs­ten In­ter­net-Stars Deutsch­lands. Mehr als 2,6 Mil­lio­nen Abon­nen­ten hat ihr

Ka­nal, über 900 Mil­lio­nen Mal wur­de ih­re Sei­te an­ge­klickt. In knapp acht Jah­ren ha­ben die Jungs 638 Vi­de­os ver­öf­fent­licht: ob selbst kom­po­nier­te Lie­der, Par­odi­en von Hits oder Te­le­fon­strei­che. Die Ge­schwis­ter zie­hen mit ih­ren Clips zahl­rei­che jun­ge, noch in der Pu­ber­tät ste­cken­de Zu­schau­er an. Auf dem So­fa sit­zend be­ant­wor­ten sie re­gel­mä­ßig Fra­gen, die ih­nen Fans auf Twit­ter stel­len. Die Brü­der aus Süd­hes­sen sind zwei die­ser neu­ar­ti­gen Stars, die oft als Youtu­be-Phä­no­men be­zeich­net wer­den.

Ih­re Ges­tik ist nicht die des Al­ter­na­ti­ven. Vom Main­stream wol­len sie sich nicht ab­set­zen. Ihr Ziel ist das Po­pu­lä­re. Sie nut­zen das be­reits Er­folg­rei­che als Ma­te­ri­al, um es neu auf­zu­be­rei­ten. Wenn ein The­ma in den Me­di­en groß ge­nug ge­wor­den ist, sprin­gen sie auf. Das Auf­grei­fen von Mo­den ga­ran­tiert mehr Auf­merk­sam­keit als neu Er­fun­de­nes, lau­tet ihr Cre­do. Und Auf­merk­sam­keit bringt Zu­schau­er. Zu­schau­er brin­gen Klicks und Li­kes – die wich­tigs­te Wäh­rung im Netz. Für ih­re Fans sind die Lochis, de­nen ei­ne Kar­rie­re vom hei­mi­schen Kin­der­zim­mer aus ge­lang, ech­te Stars.

Um­so scho­ckier­ter wa­ren vie­le von ih­nen, als die Zwil­lin­ge am Sams­tag das En­de ih­rer YoutubeKar­rie­re be­kannt­ga­ben. Die Zeit sei ge­kom­men, um sich auf neue Pro­jek­te zu kon­zen­trie­ren, er­klärt Ro­man in ei­nem vier­zehn­mi­nü­ti­gen Vi­deo, das gleich­zei­tig das letz­te auf dem Ka­nal sein soll. „Wir schlie­ßen das Ka­pi­tel ,Die Lochis‘, aber nicht das gan­ze Buch“, er­gänzt Hei­ko – und meint da­mit, dass er und sein Bru­der sich künf­tig der ei­ge­nen Ge­s­angs­kar­rie­re wid­men wol­len.

Par­al­lel zu ih­rem Youtu­be-Da­sein ha­ben die bei­den nicht nur ihr Fach­ab­itur ge­macht, son­dern auch zwei Mu­sik-Al­ben raus­ge­bracht. Das De­büt-Al­bum „Zwil­ling“er­reich­te Gold­sta­tus. Im Sep­tem­ber kommt mit „Ka­pi­tel X“ein wei­te­res auf den Markt. Die Lochis ha­ben es ge­schafft, ih­ren Er­folg von Youtu­be in die Kon­zert­hal­len zu trans­por­tie­ren. Sie wol­len ih­re An­hän­ger künf­tig nur noch auf den gro­ßen Büh­nen be­geis­tern und nicht mehr mit Quatsch-Vi­de­os im In­ter­net. Die Lochis wer­den er­wach­sen und ge­hen off­line.

Fo­to: dpa

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