Von Al­ters­vor­sor­ge bis Kin­der­be­treu­ung

Steu­er­er­klä­rung Vie­le pri­va­te Kos­ten las­sen sich als Son­der­aus­ga­ben von der Steu­er ab­set­zen. Dar­un­ter sind ei­ni­ge Ver­si­che­run­gen, die fast je­der hat. Die An­ga­ben kön­nen sich loh­nen. Häu­fig gibt es Geld zu­rück

Mindelheimer Zeitung - - Geld & Leben -

Ber­lin Wer Steu­ern zahlt, kann sich ei­nen Teil da­von vom Fi­nanz­amt zu­rück­ho­len. Da­zu müs­sen Steu­er­zah­ler be­stimm­te Aus­ga­ben in ih­rer Steu­er­er­klä­rung gel­tend ma­chen. Zum Bei­spiel Son­der­aus­ga­ben. „Pri­va­te Aus­ga­ben zäh­len bei der Steu­er ei­gent­lich nicht“, er­klärt Ma­rie­ke Ein­brodt, Steu­er­ex­per­tin bei der Stif­tung Wa­ren­test. „Die Son­der­aus­ga­ben sind ei­ne Aus­nah­me von die­ser Re­gel.“

Wel­che pri­va­ten Kos­ten steu­er­lich ab­setz­bar sind, ist genau de­fi­niert. „Im Ein­kom­men­steu­er­ge­setz gibt es ei­ne Lis­te“, sagt Udo Reuß, Steu­er­ex­per­te beim Ver­brau­cher­por­tal Fi­nanz­tip. „Was nicht dar­auf steht, kann auch nicht ab­ge­setzt wer­den.“

Die wich­tigs­te Grup­pe sind die Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen. Da­zu zäh­len zum Bei­spiel Bei­trä­ge zur Al­ters­vor­sor­ge, er­klärt Erich Nöll vom Bun­des­ver­band der Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne (BVL). Au­ßer­dem kön­nen hier auch Bei­trä­ge zur Kran­ken-, Pfle­ge- und zu an­de­ren Ver­si­che­run­gen be­rück­sich­tigt wer­den.

Die zwei­te Grup­pe sind die so­ge­nann­ten sons­ti­gen Son­der­aus­ga­ben. „Hier las­sen sich Kir­chen­steu­er, Spen­den, Aus­ga­ben für Kin­der­be­treu­ung oder Aus­bil­dungs­kos­ten ab­set­zen“, er­klärt Nöll.

● Al­ters­vor­sor­ge Bei­trä­ge zur Al­ters­vor­sor­ge tra­gen Steu­er­zah­ler in der Steu­er­er­klä­rung in die An­la­ge Vor­sor­ge­auf­wand ein. „Das sind Aus­ga­ben, die je­der hat“– und das Ein­tra­gen loh­ne sich, er­klärt Nöll. Ein­ge­tra­gen wer­den Bei­trä­ge zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, zu ei­nem be­rufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­werk oder zur Rü­rup-Ren­te.

Ab­setz­bar sind bis zu 23712 Eu­ro. Für zu­sam­men­ver­an­lag­te Ehe­paa­re oder Le­bens­part­ner gilt der dop­pel­te Be­trag. Al­ler­dings er­kennt das Fi­nanz­amt für das Steu­er­jahr 2018 nur 86 Pro­zent der Aus­ga­ben an, 2019 dann 88 Pro­zent. Erst ab 2025 gilt der vol­le Be­trag.

Au­ßer­dem zieht das Fi­nanz­amt noch den Ar­beit­ge­ber­an­teil der Zah­lun­gen ab. „Wer die Höchst­gren­ze nicht aus­reizt, kann mit frei­wil­li­gen Son­der­zah­lun­gen an die ge­setz­li­che Ren­ten­kas­se noch ei­nen or­dent­li­chen Steu­er­vor­teil her­aus­ho­len“, emp­fiehlt Ein­brodt.

Ries­ter-Spa­rer kön­nen die­se Aus­ga­ben in der An­la­ge AV ein­tra­gen. „Das Fi­nanz­amt er­kennt bis zu 2100 Eu­ro der Bei­trä­ge und Zu­la­gen als Son­der­aus­ga­be an. Es prüft aber auch, ob die zu­ste­hen­den Zu­la­gen güns­ti­ger sind oder der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug. Ist die Steu­er­er­spar­nis hö­her als die Zu­la­gen, ver­rech­net das Amt die Er­spar­nis mit der Steu­er­schuld“, er­klärt die „Fi­nanz­test“-Ex­per­tin.

● Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung Eben­falls in die An­la­ge Vor­sor­ge­auf­wand kom­men die sons­ti­gen Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen. Bei­trä­ge zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sind in vol­ler Hö­he ab­setz­bar, al­ler­dings nur die ei­ner Ba­sis­ver­sor­gung. Wer al­so bei­spiels­wei­se ei­ne Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung be­sitzt, kann das nicht steu­er­lich gel­tend ma­chen.

● Wei­te­re Ver­si­che­run­gen Blei­ben die Bei­trä­ge un­ter der Gren­ze von 1900 Eu­ro, kann der Steu­er­zah­ler die Kos­ten wei­te­rer Ver­si­che­run­gen, et­wa der Be­rufs­un­fä­hig­keits-, Pri­vat­haft­pflicht- oder Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung in das For­mu­lar ein­tra­gen.

Für al­le sons­ti­gen Son­der­aus­ga­ben gibt es ei­nen ma­ge­ren Pau­schal­be­trag von 36 Eu­ro pro Per­son. Bei An­ge­stell­ten be­rück­sich­tigt der Ar­beit­ge­ber die­se schon in der Ge­halts­ab­rech­nung. Al­le an­de­ren be­kom­men ihn au­to­ma­tisch vom Fi­nanz­amt ge­währt, so­fern sie ei­ne Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben, er­klärt Ein­brodt.

„Die meis­ten kom­men aber wohl pro­blem­los auf hö­he­re Be­trä­ge, die Lis­te der Son­der­aus­ga­ben ist ja lang. Es lohnt sich, die ab­zugs­fä­hi­gen Pos­ten zu ken­nen und über das Jahr ent­spre­chen­de Be­le­ge zu sam­meln.“● Kin­der­be­treu­ung Wer Kin­der hat, kann die Kos­ten für ei­ne Kin­der­be­treu­ung oder die Schul­ge­büh­ren ei­ner Pri­vat­schu­le in der An­la­ge Kind gel­tend ma­chen. Von Ge­büh­ren für Ki­ta, Kin­der­gar­ten, Ta­ges­mut­ter oder Hort er­kennt das Fi­nanz­amt ma­xi­mal 6000 Eu­ro an. Al­ler­dings wir­ken sich da­von nur zwei Drit­tel steu­er­min­dernd aus.

● Kir­che, Spen­den, Un­ter­halt In den Man­tel­bo­gen der Steu­er­er­klä­rung ge­hö­ren Kir­chen­steu­er, Spen­den und Un­ter­halt an den Ex-Part­ner. Für den Un­ter­halt muss zu­sätz­lich die An­la­ge U aus­ge­füllt wer­den. Die muss auch der Ex-Part­ner un­ter­schrei­ben.

● Be­rufs­aus­bil­dung Auch die Kos­ten der ers­ten Be­rufs­aus­bil­dung zäh­len bis­her zu den Son­der­aus­ga­ben. „Al­ler­dings läuft das bei vie­len Stu­den­ten ins Lee­re, weil sie nichts ver­die­nen“, weiß Fi­nanz­tip-Ex­per­te Reuß. Je­doch ent­schei­det vor­aus­sicht­lich die­ses Jahr das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, ob die­se Aus­ga­ben Wer­bungs­kos­ten sind. Reuß rät da­her, die Kos­ten un­be­dingt bei den Wer­bungs­kos­ten in An­la­ge N ein­zu­tra­gen. „Die Steu­er­be­schei­de sind dann in die­sem Punkt vor­läu­fig, bis das Ge­richt ent­schie­den hat.“

● Be­le­ge „Die Pflicht, Be­le­ge di­rekt mit der Steu­er­er­klä­rung an das Fi­nanz­amt zu schi­cken, ist pas­sé. Auf­he­ben müs­sen Steu­er­zah­ler ih­re Un­ter­la­gen al­ler­dings wei­ter­hin“, sagt Ein­brodt. Wird das Fi­nanz­amt bei ei­nem Pos­ten in der Steu­er­er­klä­rung stut­zig, wird es um Rech­nun­gen und Nach­wei­se bit­ten. Bis zu ein Jahr nach dem Steu­er­be­scheid ist es des­halb sinn­voll, die Un­ter­la­gen auf­zu­he­ben.

Fo­to: Chris­tin Klo­se, dpa

Son­der­aus­ga­ben zum Bei­spiel für die Kin­der­er­zie­hung sind ein gro­ßer Pos­ten bei der Steu­er­er­klä­rung. Wer sie gel­tend macht, kann sei­ne Steu­er­last sen­ken.

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