Die Schön­heit des De­tails

Kunst Der Fo­to­graf Ro­bert Rei­le nimmt in der Ga­le­rie im Sie­ben­schwa­ben­haus das Ele­ment Was­ser in den Fo­kus

Mindelheimer Zeitung - - Türkheim Und Das Wertachtal - VON SA­BI­NE SCHAA-SCHILBACH

Türk­heim Drau­ßen pras­sel­te der Re­gen, in der Ga­le­rie des Sie­ben­schwa­ben­hau­ses – im obe­ren Stock­werk konn­ten sich die Be­su­cher ein Bild vom „Zau­ber des Was­sers“ma­chen, oh­ne da­bei nas­se Fü­ße zu be­kom­men: in der Fo­to-Aus­stel­lung von Ro­bert Rei­le aus Neu­säß.

Ro­bert Rei­le hat­te als Pres­se- und Land­schafts­fo­to­graf für ver­schie­de­ne Ta­ges­zei­tun­gen ge­ar­bei­tet. Sei­ne Fo­tos von blin­den Kin­dern, be­treut von der Christof­fel-Blin­den­mis­si­on in Thai­land, wa­ren da­mals als Wan­der­aus­stel­lung in Deutsch­land zu se­hen. Da­nach kam für ihn ei­ne lan­ge Zeit mit ei­ner an­de­ren Be­rufs­ar­beit.

Doch die Be­geis­te­rung fürs Fo­to­gra­fie­ren hat ihn nicht los­ge­las­sen. Seit Jah­ren sucht er sich sei­ne Ob­jek­te in der Na­tur. Blu­men, Blü­ten, Schmet­ter­lin­ge zähl­ten an­fangs zu sei­nen Lieb­lings­mo­ti­ven. Ei­ni­ge be­son­ders schö­ne Ma­kro-Auf­nah­men aus die­ser Zeit sind auch im Sie­ben­schwa­ben­haus aus­ge­stellt. Da­mals mit ana­lo­ger Tech­nik, nutzt Ro­bert Rei­le in­zwi­schen die di­gi­ta­len Mög­lich­kei­ten des Fo­to­gra­fie­rens. Aber er hält nichts von di­gi­ta­ler Bild­be­ar­bei­tung und nach­träg­li­cher Ver­frem­dung. Das, was sei­ne Fo­tos zei­gen, ist au­then­tisch, in al­len Ein­zel­hei­ten. Wäh­rend der ver­gan­ge­nen fünf Jah­re hat die Fas­zi­na­ti­on für das „Ele­ment Was­ser“sei­ne Mo­ti­ve be­stimmt. Wil­des Was­ser in Schluch­ten, als Was­ser­fall und Ge­birgs­bach, wei­ches Was­ser im Ge­gen­licht. Da­zu die Ku­lis­se von Ber­gen und Bäu­men. Die St­ei­ne im und am Was­ser.

„We­ni­ger wol­len, und man wird von der Na­tur be­schenkt“, sagt Ro­bert Rei­le da­zu. Vie­le sei­ner Auf­nah­men füh­ren ganz nah an die Ob­jek­te her­an, zei­gen Spie­ge­lun­gen und Far­ben, die ein­fach un­vor­stell­bar schei­nen – und die Schön­heit ei­nes win­zi­gen De­tails. Oft ent­de­cke er erst im Nach­hin­ein et­was, das ihm wäh­rend der Auf­nah­me nicht auf­ge­fal­len sei, sagt Ro­bert Rei­le.

Er sucht sich die Or­te für sei­ne Bil­der ge­zielt aus. Das um­fasst Re­cher­che im In­ter­net und das Le­sen von Li­te­ra­tur. Oft sei das Ziel „noch viel schö­ner“. Er nimmt wei­te We­ge zu Fuß in Kauf, um an ei­nen ganz be­stimm­ten Ort zu kom­men. Seit we­ni­gen Jah­ren ist er in Ren­te und hat end­lich „Zeit für al­les“. Sein Ge­biet sind die Al­pen und ih­re wil­den Berg­flüs­se. „Die ei­ne Hälf­te hab ich schon“, sagt er. Das sind der Lech, die Isar, die Breit­ach­klamm. Dann das Taugl-Tal bei Salz­burg, die So­ca in Slo­we­ni­en, das Verz­as­ca-Tal in der Schweiz, und Süd­ti­rol. Al­les Or­te, die nicht all­zu weit weg sind. Die an­de­re Hälf­te liegt noch vor ihm: das Tes­sin, die fran­zö­si­schen See-Al­pen. Die ei­nen – Wan­de­rer und Na­tur­freun­de – er­ken­nen viel­leicht ei­ni­ge ih­rer Lieb­lings­plät­ze in den stim­mungs­vol­len Auf­nah­men wie­der. An­de­re schät­zen die künst­le­ri­sche Gestal­tung der Na­tur-Mo­ti­ve. Denn die Ma­gie des Au­gen­blicks ist flüch­tig. Und den ein­ma­li­gen Mo­ment, wenn abends die schon un­ter­ge­gan­ge­ne Son­ne das Ge­birgs­was­ser gol­den auf­leuch­ten lässt, gilt es mit dem rich­ti­gen Ge­spür fest­zu­hal­ten. Der Fo­to­graf Ro­bert Rei­le aus Neu­säß ver­steht es, Wet­ter und Stim­mun­gen in sei­nen Fo­tos ein­zu­fan­gen und „dem We­sen des Was­sers nä­her zu kom­men“.

Nach ei­ner län­ge­ren Aus­stel­lungs-Pau­se be­kam er in die­sem Jahr ei­ne Ein­la­dung ins Sie­ben­schwa­ben­haus in Türk­heim. Au­ßer groß­for­ma­ti­gen ge­rahm­ten Auf­nah­men, die auch ver­käuf­lich sind, stellt er vie­le sei­ner Mo­ti­ve in klei­ne­ren Pas­se­par­touts aus. Ganz neu hat er ei­ne Se­rie von Kunst­post­kar­ten ent­wor­fen. Nicht nur die Bil­der, auch die Tex­te da­zu sind von ihm selbst: „Ma­gie: Sie hat mich den gan­zen Tag be­glei­tet, durch zau­ber­haf­te Wäl­der, selbst in den tiefs­ten Schluch­ten ist sie mir be­geg­net.“

Öff­nungs­zei­ten Die Fo­to-Aus­stel­lung von Ro­bert Rei­le ist noch bis zum 12. Ju­li in der Ga­le­rie Sie­ben­schwa­ben­haus in Türk­heim, Ma­xi­mi­li­an-Phil­ipp-Stra­ße 26 zu se­hen, ge­öff­net zu den üb­li­chen Ge­schäfts­zei­ten.

Fo­to: Sa­bi­ne Schaa-Schilbach

Was­ser, Blü­ten, Schmet­ter­lin­ge – wenn es den Be­griff Fo­to­kunst nicht schon gä­be, müss­te er für die Bil­der des Fo­to­gra­fen Ro­bert Rei­le neu er­fun­den wer­den. Noch bis zum 12. Ju­li sind sei­ne groß- und klein­for­ma­ti­gen Na­tur- Im­pres­sio­nen in der Ga­le­rie Sie­ben­schwa­ben­haus in Türk­heim zu se­hen.

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