Mindelheimer Zeitung

Sauer trotz Erfolg

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Eishockey Die deutsche Mannschaft stellt bei der WM einen Rekord ein. Statt sich zu freuen, ärgert sich Bundestrai­ner Toni Söderholm, dass ihm ein Leistungst­räger genommen wird.

Helsinki Auch die Aussicht auf einen deutschen WM-Rekord und die perfekte Ausgangsla­ge für das Viertelfin­ale konnten Toni Söderholms Ärger über Tim Stützles WM-Aus nicht lindern. Ohne seinen Ausnahmest­ürmer mühte sich das von Söderholm betreute Team des Deutschen Eishockey-Bundes am Sonntag in Helsinki zu einem 5:4 (3:2, 1:1, 1:1) im vorletzten Vorrundens­piel gegen Kasachstan. Damit stellte Deutschlan­d sein bislang bestes WM-Vorrundena­bschneiden von 2019 mit nun fünf Siegen aus sechs Spielen ein. Am Dienstag zum Abschluss gegen den Erzrivalen Schweiz (11.20 Uhr, Sport1 und MagentaSpo­rt) ist noch mehr möglich: der Vorrundenr­ekord und im Optimalfal­l der Gruppensie­g. Dann hätten die Deutschen die beste Ausgangsla­ge für die K.-o.-Runde, in der es mit der ersten WM-Medaille seit 69 Jahren klappen soll.

Tore von Jonas Müller (5. Minute), Leo Pföderl (17.), Daniel Fischbuch (19.), Lukas Reichel (26.) und Yasin Ehliz (48.) sorgten für den fünften WM-Sieg in Serie für Deutschlan­d, das mit NHL-Goalie Philipp Grubauer, Verteidige­r Korbinian Holzer und Angreifer Matthias Plachta noch Leistungst­räger schonte. Doch der endgültige WMAusfall von Stützle, den der DEB kurz zuvor bekannt gegeben hatte, drückte Söderholm schwer aufs Gemüt. „Wir hätten sicherlich Tims Qualitäten gebraucht“, sagte Söderholm im Hinblick auf die Aufgaben in den kommenden Tagen.

Die Entscheidu­ng, den 20 Jahre alten Angreifer von den Ottawa Senators aus dem Turnier zu nehmen, ärgerte Söderholm spürbar. „Ich kommentier­e das nicht. Ich bin kein Arzt. Deswegen kann ich nicht sagen, ob die Verletzung schwerwieg­end ist oder nicht“, begann der 44-Jährige noch süffisant und wiederholt­e dann aber seine Einschätzu­ng, die er seit Stützles leichter Knieverlet­zung beim 3:2 gegen Frankreich am Montag immer wieder kundgetan hatte: „Ich bin optimistis­ch, dass er spielen kann.“Die Senators aber offenbar nicht. Denn wohl allein das Team aus der mächtigen NHL entschied über sein Juwel. Dies ließ auch Söderholm durchblick­en: „Die Entscheidu­ng

liegt nicht in meinen Händen.“Unbestätig­ten Medienberi­chten zufolge erlitt Stützle gegen die Franzosen eine Knieprellu­ng – keine große Sache also. DEB-Sportdirek­tor Christian Künast hatte sich am Sonntagmor­gen offiziell noch salomonisc­h geäußert. „Tim hatte Glück im Unglück. Er hat eine Knieverlet­zung erlitten, die schnell und komplett ausheilen wird“, sagte Künast. „Tim würde in den anstehende­n Spielen vom Gegner nicht geschont werden und seine Gesundheit steht an erster Stelle.“Ein Gschmäckle hat der Vorgang auch dadurch, dass in Dom Nicoletta der Athletik-Therapeut der Senators in Finnland für das kanadische Team arbeitet. Offenbar hatte Nicoletta Stützle in den vergangene­n Tagen gründlich un

tersucht. Und der Rekordwelt­meister konkurrier­t mit Deutschlan­d nun um den Gruppensie­g.

Der Ausfall des Ausnahmest­ürmers wiegt umso schwerer durch das verletzung­sbedingte WM-Aus von Ex-NHL-Stürmer Dominik Kahun kurz vor dem Turnier und die Abwesenhei­t von Leon Draisaitl wegen seines Play-off-Einsatzes mit den Edmonton Oilers. Gefragt sind nun andere. Lukas Reichel aus der zweitklass­igen nordamerik­anischen Profiliga AHL dürfte mehr in den Fokus rücken. Gegen die Kasachen schoss der spielstark­e Reichel das 4:2 im zweiten Drittel in Überzahl. Wie AHL-Verteidige­r Leon Gawanke war er nach dem Saison-Aus nachgereis­t und hatte gegen Italien (9:4) am Freitag erstmals gespielt.

Auch nach dem Sieg am Sonntag blieb Söderholm angespannt – trotz des längst feststehen­den Viertelfin­al-Einzugs. „Es ist ein Zeichen, dass vieles richtig gemacht wurde von den Spielern“, sagte Söderholm, forderte aber eine klare Leistungss­teigerung: „Es gibt viele Dinge, die wir noch im Spiel entwickeln müssen, vor allem Zweikampfh­ärte und Tempo, wenn es dann zu den entscheide­nden Spielen kommt.“

Das frühe Scheitern bei Olympia in Peking nach den offen ausgesproc­henen Gold-Ambitionen der Mannschaft war auch für ihn persönlich eine Niederlage gewesen. In seiner finnischen Heimat ist sein Team auf dem besten Weg zur Wiedergutm­achung – allen Widerständ­en zum Trotz.

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Foto: Martin Meissner, dpa Beim 5:4 gegen Kasachstan tat sich das deutsche Team schwerer, als es ihm lieb war. Nun besteht die Chance auf eine hervorra‰ gende Ausgangspo­sition für das Viertelfin­ale.

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