Ma­fia-Mil­li­ar­den flie­ßen in Im­mo­bi­li­en Stu­die

Et­li­che Im­mo­bi­li­en­ge­schäf­te in Deutsch­land wer­den mit il­le­ga­lem Geld fi­nan­ziert – da­von geht die Or­ga­ni­sa­ti­on Trans­pa­ren­cy In­ter­na­tio­nal aus. Sie wirft Deutsch­land vor, viel zu lasch ge­gen Geld­wä­sche vor­zu­ge­hen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft -

be­trof­fen. Vor al­lem für die ita­lie­ni­sche Ma­fia sei Deutsch­land at­trak­tiv, sagt Mar­kus Henn, der Au­tor der Stu­die: „Ein Grund ist das völ­lig feh­len­de Be­wusst­sein.“

So sei es in Deutsch­land ver­gleichs­wei­se ein­fach, ein Bank­kon­to zu er­öff­nen. Ob der­je­ni­ge ei­ne so­ge­nann­te „po­li­tisch ex­po­nier­te Per­son“ist, al­so je­mand, der ei­nem Po­li­ti­ker na­he­steht und für den stren­ge­re Re­geln gel­ten müss­ten, wird laut Trans­pa­ren­cy kaum ge­prüft. Denn es gibt nur we­ni­ge pro­fes­sio­nel­le Da­ten­ban­ken, zu­dem kos­te die Über­prü­fung Geld. „Das soll­te fi­nan­ziert wer­den, da­mit die Ver­ant­wort­li­chen ih­ren ge­setz­li­chen Ver- pflich­tun­gen nach­kom­men kön­nen“, sagt Henn.

Ei­gent­lich sieht das Geld­wä­sche­ge­setz vor, dass Mak­ler, No­ta­re oder An­wäl­te es mel­den, wenn sie den Ver­dacht ha­ben, dass bei ei­nem Im­mo­bi­li­en­ge­schäft Geld ge­wa­schen wird. In der Rea­li­tät sei das nur sel­ten der Fall, be­rich­tet Müller: „Wir stel­len fest, dass aus die­sem Be­reich so gut wie kei­ne Ver­dachts­mel­dun­gen ab­ge­ge­ben wer­den.“Bes­ser läuft das in Ita­li­en: Dort mel­de­ten No­ta­re 2016 ins­ge­samt 3582 Ver­dachts­fäl­le. Bei An­wäl­ten wa­ren es 3812. Dem ste­hen 35 Mel­dun­gen in Deutsch­land ge­gen­über.

Ei­ne Ur­sa­che für die we­ni­gen Mel­dun­gen sieht Müller dar­in, dass No­ta­re und An­wäl­te sich an die Schwei­ge­pflicht hal­ten müs­sen. Sie kön­nen ei­nen Ver­dacht nur mel­den, wenn sie über „po­si­ti­ves Wis­sen“ver­fü­gen, al­so wenn sie sich si­cher sind, dass Geld ge­wa­schen wer­den soll. „Das führt da­zu, dass kaum Fäl­le ge­mel­det wer­den“, sagt Henn. Le­dig­lich Ban­ken wür­den ver­däch­ti­ge Zah­lun­gen bis­her an die Fi­nan­ci­al In­tel­li­gence Unit mel­den, die beim Zoll an­ge­sie­delt ist.

Auch ei­ne Ober­gren­ze für das Ab­he­ben von Bar­geld gibt es in Deutsch­land nicht. Und wenn Geld von In­ves­to­ren aus dem Aus­land et­wa in Bau­pro­jek­te fließt, sei oft nicht be­kannt, wel­che Per­son hin­ter der In­ves­ti­ti­on steht. Zwar sieht das Geld­wä­sche­ge­setz ein Trans­pa­renz­re­gis­ter vor, in dem der so­ge­nann­te wirt­schaft­lich Be­rech­tig­te steht. Wenn die­ser nicht zu er­mit­teln ist, kann je­doch auch ein Ver­tre­ter oder Ge­schäfts­füh­rer als fik­ti­ver Be­rech­tig­ter be­nannt wer­den. „Das ist noch nicht aus­rei­chend, um zu über­prü­fen, wo­her Geld kommt“, kri­ti­siert Müller.

In rund 10000 von et­wa 136000 Mel­dun­gen steht in dem Trans­pa­renz­re­gis­ter nur ein fik­ti­ver Be­rech­tig­ter. Die­se Lü­cke müs­se ge­schlos­sen wer­den, sagt Henn und schlägt des­halb vor, die Mög­lich­keit zu strei­chen: „Statt­des­sen soll­te in die­sem Fall klar sein, dass kein Be­rech­tig­ter er­mit­tel­bar ist, was au­to­ma­tisch zu ei­ner Ver­dachts­mel­dung und in der Re­gel auch zu ei­nem Ge­schäfts­ab­bruch füh­ren soll­te.“

Da­mit die Ver­dachts­mel­dun­gen zeit­nah be­ar­bei­tet wer­den kön­nen, for­dert Trans­pa­ren­cy Deutsch­land mehr Per­so­nal und ei­ne bes­se­re Aus­stat­tung von Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft. Die­se sol­len et­wa von sich aus Er­mitt­lun­gen auf­neh­men kön­nen und Zu­griff auf Da­ten­ban­ken er­hal­ten. „Ge­gen sol­che pro­fes­sio­nel­len Geld­wä­scher müss­te es in Deutsch­land ei­ne viel stär­ke­re ge­mein­sa­me An­stren­gung al­ler Er­mitt­lungs­be­hör­den ge­ben“, sagt Henn.

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