Auf Dres­dens Ret­ter gibt’s täg­lich ei­nen Über­griff

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - TITEL -

Be­vor man Schutz­wes­ten für Ret­tungs­kräf­te an­schaf­fen woll­te, er­fass­te das Dresd­ner Brand- und Ka­ta­stro­phen­schutz­amt ab April 2015 je­den Über­griff ver­ba­ler An­dro­hung oder kör­per­li­cher Ge­walt auf iPads. Das Er­geb­nis: „Sta­tis­tisch re­gis­trie­ren wir täg­lich ein Vor­komm­nis“, sagt Amts­lei­ter Andre­as Rüm­pel (59, F.o.l.).

Sei­ne Kol­le­gen ko­or­di­nie­ren je­des Jahr 135 000 Ret­tungs­ein­sät­ze. 2015 gab es in je­dem Mo­nat sta­tis­tisch 30 Vor­fäl­le. 2016 wa­ren es 27 und 28 im Jahr 2017. „In die­sem Jahr wer­den Mo­nat für Mo­nat 30 Vor­fäl­le ak­ten­kun­dig“, sagt Rüm­pel und wun­dert sich. „Vor zehn Jah­ren gin­gen die Zah­len noch ge­gen null.“

Meist han­delt es sich um al­ko­ho­li- sier­te, psy­chisch kran­ke Per­so­nen oder Dro­gen­kon­su­men­ten. „Sie be­schimp­fen un­se­re Ret­tungs­kräf­te oder grei­fen sie an, weil sie kei­ne Hil­fe in An­spruch neh­men wol­len. Es wird im Ret­tungs­wa­gen ran­da­liert, ge­gen Ein­bau­schrän­ke und Fahr­zeu­ge ge­tre­ten. Ein­mal wur­de ein Not­arzt der­art zwi­schen die Bei­ne ge­tre­ten, dass er wo­chen­lang dienst­un­fä­hig war.“

Trotz do­ku­men­tier­ter Ver­let­zun­gen wie Prel­lun­gen hat sich das Amt ge­gen die An­schaf­fung von Si­cher­heits­wes­ten ent­schie­den. Rüm­pel: „Sie be­hin­dern die Ret­ter bei ih­rer Ar­beit, schüt­zen zu­dem Kopf, Ar­me und Bei­ne nicht.“Statt­des­sen wird auf Dee­s­ka­la­ti­ons­schu­lun­gen ge­setzt - vor al­lem in lo­ka­len Schwer­punkt­re­vie­ren wie der Dresd­ner Neu­stadt. „Wir hal­ten un­se­re Mit­ar­bei­ter zum Bei­spiel da­zu an, nicht gleich di­rekt an Hil­fe­su­chen­de her­an­zu­tre­ten und sich Rück­zugs­we­ge of­fen zu las­sen.“

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