Mit der Ver­ro­hung der Spra­che fängt al­les an

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - TITEL -

Aus ei­ner ver­roh­ten Spra­chep er­wächst Ge­walt. „Re­spekt wird durch Spra­che aus­ge­drückt. Und wenn die ver­roht, schwin­det auch der Re­spekt“, er­klärt Sprach­wis­sen­schaft­ler Prof. Tho­mas Niehr (57), vom In­sti­tut für Sprachund Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Aa­chen. „Höf­lich­keit ist nicht ein­klag­bar. Wir brau­chen aber kei­ne Sprach­po­li­zei“, sagt Niehr. Er emp­fiehlt je­doch, ri­go­ros ge­gen je­de Be­lei­di­gung vor­zu­ge­hen, wenn die Mei­nungs­frei­heit über­schrit­ten und ei­ne Ver­bal­at­ta­cke straf­wür­dig wird. Das gilt auch für In­ter­net­fo­ren, wo man­che un­ter Pseud­onym ganz an­onym ent­hemmt agie­ren: „So­zia­le Netz­wer­ke wie Face­book dür­fen sich zu­dem nicht da­mit her­aus­re­den kön­nen, dass sie nur Platt­for­men an­bie­ten, aber mit

In­hal­ten nichts zu tun ha­ben.“

Denn wer hass­er­füllt denkt, schreibt und re­det, ist auch eher ge­walt­be­reit. Niehr hat Sor­ge, weil in­zwi­schen auch eta­blier­te

Par­tei­en ver­su­chen, AfD und Pe­gi­da bei Ta­bu­ver­let­zun­gen im Sprach­ge­brauch nach­zu­ei­fern: „Das ist ei­ne ge­fähr­li­che Ent­wick­lung.“Ver­ro­hung von Spra­che war hier­zu­lan­de schon ein­mal Nähr­bo­den für ei­nen Völ­ker­mord. Prof. Niehr: „Erst wur­den die Ju­den von den Na­zis als Schäd­lin­ge und Pa­ra­si­ten be­schimpft, sprach­lich her­ab­ge­wür­digt und ih­nen das Mensch­sein ab­ge­spro­chen. Das mach­te es dann leich­ter, sie gu­ten Ge­wis­sens zu ver­fol­gen und zu ver­nich­ten.“

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