Sach­sen Sind Ar­beits­äm­ter bald ar­beits­los?

CHEM­NITZ - Im­mer wie­der po­si­ti­ve Schlag­zei­len vom säch­si­schen Ar­beits­markt: Jahr für Jahr sinkt die Zahl der Ar­beits­lo­sen na­he­zu in Zehn­tau­sen­der­schrit­ten. Die Quo­te fiel mit 6,0 Pro­zent auf ein Re­kord­tief. Auch für 2019 und die kom­men­den Jah­re wird die g

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - VORDERSEITE -

Si­cher sind die der­zeit 118 000 Ar­beits­lo­sen in Sach­sen noch zu vie­le un­ge­wis­se Ein­zel­schick­sa­le. Und wie kürz­lich bei So­lar­world in Frei­berg wird es auch in die­sem Jahr Be­triebs­schlie­ßun­gen in Sach­sen ge­ben - z.B. in die­sen Wo­chen das Kar­stadt in Leip­zig. Bloß gut, dass es dann kom­pe­ten­te Ar­beits­ver­mitt­ler gibt. Doch ei­ne Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit, die in den ers­ten 20 Jah­ren nach der Wen­de wie Mehl­tau über Sach­sen lag, wird es nicht mehr ge­ben. In ei­ni­gen Re­gio­nen gab es be­reits seit 2017 so we­ni­ge Ar- beits­lo­se, dass Ar­beits­äm­ter schlie­ßen muss­ten: Bi­schofs­wer­da, Geit­hain und Ra­de­berg. Das Per­so­nal in Äm­tern und Job­cen­tern wur­de in den letz­ten Jah­ren um 800 Stel­len re­du­ziert.

Die Ar­beits­agen­tur in Sach­sen steht vor ei­nem Wan­del und rie­si­gen Her­aus­for­de­run­gen. Das ma­chen ei­ni­ge Fak­ten deut­lich:

Die Zahl der Ar­beits­lo­sen, die auf ei­ne of­fe­ne Stel­le kom­men, hat sich seit 2004 von 49 auf heu­te nur noch drei re­du­ziert (sie­he Gra­fik). Klaus-Pe­ter Han­sen, Chef der Lan­des­ar­beits­agen­tur: „Auf dem Ar­beits­markt wer­den wir spä­tes­tens 2025 ei­ne Si­tua­ti­on wie auf dem Aus­bil­dungs­markt ha­ben. Dann gibt es ge­nau­so vie­le freie Stel­len wie ar­beits­lo­se Frau­en und Män­ner.“

Von den ak­tu­ell Ar­beits­lo­sen wol­len49Pro­zen­tinHel­fer­jobs­ar­bei­ten, in die­sem Be­reich gibt es aber nur 17 Pro­zent der of­fe­nen Stel­len. Auf ei­ne Fach­ar­bei­ter­stel­le kom­men nur zwei Be­wer­ber. Des­halb liegt der Fo­kus der Agen­tur nun auf Qua­li­fi­zie­rung.

Seit 2007 gibt es 200 000 neue Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se, ein gro­ßer Teil aber in Teil­zeit. Da­bei sind die meis­ten Stel­len, die beim Ar­beits­amt ge­mel­det wer­den, un­be­fris­tet (87 %), Voll­zeit (84 %) und so­fort frei (92 %).

Pro­gno­sen ge­hen da­von aus, dass die Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se in Sach­sen 2019 um 1,6 % zu­neh­men - plus 25 900 neue Jobs, die Ar­beits­lo­sen­quo­te sinkt da­mit auf 5,4 Pro­zent.

Im über­al­ter­ten Sach­sen schlägt der de­mo­gra­fi­sche Fak­tor jetzt er­bar­mungs­los zu, vie­le ge­hen in den wohl­ver­dien­ten Ru­he­stand. Klaus-Pe­ter Han­sen: „Bis zum Jahr 2025 nimmt die Zahl der Men­schen im er­werbs­fä­hi­gen Al­ter um über 200 000 ab, be­son­ders stark zum Bei­spiel in Süd­west­sach­sen.“Al­lein im Erz­ge­birgs­kreis geht je­der Sechs­te dem Ar­beits­markt ver­lo­ren, sach­sen­weit ist es je­der Zwölf­te.

Der An­drang auf den War­te­flu­ren der Ar­beits­agen­tu­ren und Job­cen­ter ist mitt­ler­wei­le recht über­sicht­lich ge­wor­den. Ob­wohl sich die Ver­mitt­ler in­zwi­schen auch mehr Zeit für die Kli­en­ten neh­men kön­nen. Wie vie­le Ar­beits­lo­se kom­men auf ei­ne freie Stel­le? Im Jahr 2004 wa­ren es noch 49, jetzt sind es nur noch drei. Wer der­zeit in schlecht be­zahl­ten Jobs schuf­tet, dem er­mög­licht die Agen­tur jetzt auch ei­ne be­ruf­li­che Qua­li­fi­zie­rung.

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