„Go Tra­bi Go“ist jetzt auch Thea­ter ’

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - KULTUR -

DRES­DEN - „Go Tra­bi Go Go“heißt es seit Frei Frei­schen tag­abend an der Co­mö­die Dres­den. Zum ers­ten Mal ist die schrä­ge Film­ko­mö­die von Pe­ter Timm und Rein­hard Klooss, die 1991 in die Ki­nos kam, Thea­ter­stoff. Stück­au­tor ist der In­ten­dant des Thea­ters, Chris­ti­an Kühn. Man darf an­neh­men, dass Thea­ter­be­su­cher aus ganz Sach­sen nach Dres­den strö­men wer­den, um das Stück zu se­hen. Ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, auf den My­thos „Go Tra­bi Go“zu­rück­zu­bli­cken.

Po­li­ti­sche Pro­zes­se brau­chen oft lan­ge, künst­le­ri­sche sind meist schnel­ler. So hat­te das deutsch-deut­sche „Go Tra­bi Go“-Film­team, das sich am 14. Au­gust 1990 zum ers­ten Dreh­tag traf, die Ein­heit schon voll­zo­gen, wie es staat­lich nicht ganz zwei Mo­na­te „nach­ge­macht“wur­de.

Neun Mo­na­te vor­her wa­ren Mau­er und Grenz­be­fes­ti­gun­gen ge­fal­len, der Wes­ten stand den Ost­deut­ter of­fen. Re­gis­seur Pe­ter Timm, heu­te 67 Jah­re alt, war ein Kind bei­der Lan­des­tei­le. Im Os­ten Ber­lins ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen, warf die DDR ihn, den Un­be­que­men, schon 1973, drei Jah­re vor Bier­mann, aus dem Land. Timm kann­te bei­de Sys­te­me, so konn­te er mit den Kli­schees aus Ost und West spie­le­risch und glaub­wür­dig um­ge­hen.

Die Grund­idee war ver­we­gen: ei­ne Fa­mi­lie aus der re­al exis­tie­ren­den DDR nicht nur ein­fach gen Wes­ten zu schi­cken, son­dern nach Ita­li­en, dem Lieb­lings­ur­laubs­land so vie­ler (West-) Deut­scher, noch da­zu auf den Spu­ren Goe­thes, sei­nes Zei­chens ein ge­samt­deut­scher Held. Gut 200 Jah­re zu­vor, zwi­schen 1786 und 88, war der Dich­ter­fürst run­ter bis nach Nea­pel ge ge­schen reist. Ihm fol­gend nun die Fa­mi­lie Struutz aus Bit­ter­feld, viel­leicht der am we­nigs­ten ita­li­en­ar­ti­gen Stadt in ganz Deutsch­land. Udo und Ri­ta Struutz, mit 17-jäh­ri­ger Gö­re Jac­que­line (Schacke­li­ne), al­le­samt im hell­blau­en Tra­bi. Der Tra­bi war üb­ri­gens nicht ein Tra­bi, er war gut ein Dut­zend Tra­bis. So vie­le Wa­gen wur­den für die ver­schie­de­nen Si­tua­tio­nen im Film be­nö­tigt.

Für die Haupt­rol­len be­setzt wa­ren Clau­dia Schmutz­ler (Jac­que­line), Ma­rie Gru­ber (Ri­ta) und Wolf­gang Stumph (Udo). Für Stumph war es der Start in die gro­ße Kar­rie­re, die ihn, den Ka­ba­ret­tis­ten aus Dres­den, zum ge­samt­deut­wach­sen Volks­schau­spie­ler wach­sen ließ. In ZDF und ARD ge­hör­te Stumph bis vor we­ni­gen Jah­ren zu den be­lieb­tes­ten und meist­be­schäf­tig­ten Schau­spie­lern (zum Bei­spiel „Stub­be - Von Fall zu Fall“). Der Film „Go Tra­bi Go“ist, was das zu­sam­men­wach­sen­de Deutsch­land an­geht, Zeug­nis aus ei­ner Zeit na­he­zu un­be­schwer­ter Zu­kunfts­hoff­nun­gen. Ein wirk­lich ge­samt­deut­scher Film, was al­lein die Be­set­zungs­lis­te aus­weist. Aus dem Wes­ten war ein Star­auf­ge­bot da­bei, un­ter an­de­rem Ot­fried Fi­scher, Die­ter Hil­de­brandt, Die­ther Krebs und Kon­stan­tin We­cker, der als schmie­ri­ger Play­boy die schnu­cke­li­ge „Schacke­li­ne“an­bag­ger­te. Mit der Un­be­schwert­heit zwi­schen Ost und West in Deutsch­land ist es nicht so weit her zur­zeit. Viel­leicht kann der Film und will das Büh­nen­stück uns ja sa­gen, dass es auch heu­te viel mehr Ge­mein­sa­mes als Tren­nen­des gibt. gg

* Ei­ne Re­zen­si­on der Pre­mie­re in der Co­mö­die Dres­den le­sen Sie mor­gen in der Dresd­ner Mor­gen­post.

Die ori­gi­na­len Struut­zens: Va­ter Udo (Wolf­gang Stumph) mit Ri­ta (Ma­rie Gru­ber, r.) und Jac­que­line (Clau­dia Schmutz­ler).

Das Dresd­ner „Go Tra­bi Go“-En­sem­ble mit der be­rühm­ten blau­en „Renn­pap­pe“.

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