„Gu­ter Rutsch“als Ge­schäfts­mo­dell

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - VORDERSEITE - Von Ri­ta Sey­fert

DÖ­BELN - Ob Ka­tar, Süd­afri­ka oder die USA - ein Dö­bel­ner Un­ter­neh­men lie­fert Rut­schen in al­le Welt. Seit mehr als 25 Jah­ren ist die At­lan­ti­cs Gm­bH schon im Ge­schäft. Die längs­te Rut­sche des Schwarz­walds und so­gar Deutsch­lands größ­tes Rut­schen-Ter­mi­nal im Son­nen­land­park bei Chem­nitz ent­stan­den in den Hal­len der hier­zu­lan­de we­nig be­kann­ten Fir­ma.

Pal­men zie­ren das Lo­go des Dö­bel­ner Rut­schen-Her­stel­lers „At­lan­ti­cs“. Re­né Claus­nit­zer (49), ei­ner der drei Fir­men­grün­der: „Ur­sprüng­lich woll­ten wir ja Spiel­wa­ren aus Fer­n­ost per Fracht­schiff über den At­lan­tik im­por­tie­ren und hier ver­kau­fen.“Und in Sin­ga­pur, Tai­wan oder Hong­kong wüch­sen eben Pal­men. Doch dann kam al­les ganz an­ders.

Da­mals, 1992, steck­te das Grün­der-Team die Köp­fe zu­sam­men. Man kann­te sich aus der Fi­nanz­bran­che. Nach der Wen­de ar­beits­los ge­wor­den, such­ten sie neue Per­spek­ti­ven. An Ide­en man­gel­te es nicht, aber am Ka­pi­tal. Denn die Asia­ten woll­ten ihr Spiel­zeug aus der Mas­sen­pro­duk­ti­on nur con­tai­ner­wei­se ver­kau­fen. Die Rech­nung ging nicht auf.

In­ter­es­sen­ten für Wip­pe, Schau­kel und Fe­der­tier gab es aber trotz­dem; auch Rut­schen wa­ren ge­fragt. Al­so än­der­te die blut­jun­ge Fir­ma ihr Ge­schäfts­mo­dell. Statt nach Fer­n­ost zu schie­len, such­ten die Ma­cher nun um die Ecke. Her­stel­ler für Spiel­platz-Aus­stat­tun­gen wa­ren schnell ge­fun­den. Der ers­te wirt­schaft­li­che Er­folg stell­te sich ein.

So lang­sam ins Rut­schen kam das Gan­ze 1996. Die Stadt­ver­wal­tung Als­le­ben (Sach­sen-An­halt) woll­te ei­ne Eva­ku­ie­rungs­rut­sche für ei­nen Kin­der­gar­ten - und zün­de­te da­mit ei­ne Vor­rei­ter-Idee! „Das war ein Pi­lot­pro­jekt“, er­zählt Re­né Claus­nit­zer. Zu die­sem Zeit­punkt rech­ne­te noch nie­mand mit der Ver­ab­schie­dung des neu­en Brand­schutz­ge­set­zes. Doch 1999 war es so­weit. Plötz­lich muss­ten al­le Ki­tas, Schu­len und öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen ei­nen zwei­ten Flucht­weg ha­ben.

„Das ers­te Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren war ein lan­ger Weg“, er­in­nert sich Rut­schen-Chef Claus­nit­zer. Heu­te ist die Eva­ku­ie­rungs­rut­sche an­er­kannt. Die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand! „Ei­ne Flucht­trep­pe ist to­tes Ka­pi­tal“, sagt er. Auf ei­ner Eva­ku­ie­rungs­rut­sche hin­ge­gen kön­nen Kin­der täg­lich mit viel Spaß für den Not­fall üben. Und was geht schließ­lich schnel­ler, als im Fal­le ei­nes Feu­ers in Si­cher­heit zu rut­schen?!

2000 kam die Rutsch-Par­tie dann rich­tig in Fahrt. Ein Be­sit­zer­wech­sel bei der dä­ni­schen Her­stel­ler­fir­ma stell­te die Wei­chen. Man wur­de sich nicht mehr ei­nig. At­lan­ti­cs mach­te aus der Not ei­ne Tu­gend - und ging selbst in die Pro­duk­ti­on.

„Erst ein­mal stell­ten wir haupt­säch­lich Eva­ku­ie­rungs­rut­schen und ein­fa­che Spiel­rutschen her.“Doch die Werk­räu­me in der ehe­ma­li­gen Bä­cke­rei in der Mast­ner­stra­ße wur­den schnell zu eng. Um rich­tig los­le­gen zu kön­nen, muss­ten grö­ße­re Hal­len her. 2003 zog At­lan­ti­cs auf das 8000-Qua­drat­me­ter-Be­triebs­ge­län­de ne­ben dem Dä­ni­schen Bet­ten­la­ger in Dö­beln-Ost. Hier in den acht Werk­hal­len er­schlos­sen sich die Stahl­bau­er nach und nach auch al­le an­de­ren Be­rei­che. Heu­te bau­en die 42 Mit­ar­bei­ter al­les von Er­leb­nis­rut­schen über Was­ser­rut­schen bis hin zur Pa­ke­t­rut­sche. Und mit dem jüngst ver­ab­schie­de­ten „Gu­te-Ki­ta-Ge­setz“steigt der­zeit auch wie­der die Nach­fra­ge nach Eva­ku­ie­rungs­rut­schen.

Mit den Eva­ku­ie­rungs­rut­schen für Kin­der­ta­ges­stät­ten (hier Ki­ta Nie­der­dorf in Sach­sen) fing al­les an. Be­vor die Stahl­bau­er ak­tiv wer­den, ent­wirft Kon­struk­ti­ons­tech­ni­ker Ste­fan Gold­am­mer (35) die Rut­schen am Com­pu­ter.

Sin­ga­pu­rer wei­hen ei­ne Rut­sche der Dö­bel­ner At­lan­ti­cs Gm­bH ein.

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