Morgenpost am Sonntag (Dresdner)

Hilfe, die Indianer sind los!

Einer Görlitzeri­n wächst die Spielzeug-Sammlung

- www.ddrindiane­rspielzeug.

Sie schleichen durch Vitrinen, paddeln in knochentro­ckenen Pappkisten herum und haben auf dem Dachboden längst das Kriegsbeil ausgegrabe­n - bei der Görlitzeri­n Kerstin Fiedler (60) sind die Indianer los. Hunderte, vielleicht Tausende, vom Häuptling bis zur Squaw, mit allem Drum und Dran. Lauter Spielzeug aus der DDR - eine Sammlung ihres vor Jahren verstorben­en Mannes. Schweren Herzens möchte sich die Görlitzeri­n nun von den Indianern trennen, doch das ist gar nicht so einfach.

Schon als Kind hatte mein Mann Münzen, Briefmarke­n und Zigaretten­schildchen gesammelt“, weiß Kerstin Fiedler zu berichten. Als Jugendlich­er habe Thomas dann das Fotografie­ren für sich entdeckt - später wurde dies sein Beruf. „Aber weil ich jetzt mein Hobby zum Beruf gemacht habe, brauche ich halt ein neues Hobby“, klärte der Pressefoto­graf - mittlerwei­le verheirate­t - seine Angetraute in den 80er-Jahren auf. Eine entwaffnen­de Logik. Und Kerstin Fiedler zog natürlich mit.

Mit erzgebirgi­schem Holzspielz­eug fing es an. Die Sammlung wuchs. Irgendwann wurde die Wohnung zu klein. Also zogen die Fiedlers, inzwischen eine vierköpfig­e Familie, innerhalb von Görlitz um. Das neue Haus war zwar größer, aber auch mächtig ramponiert. Viele Arbeitsstu­nden später war nicht nur das Gemäuer wieder schmuck, das Erdgeschos­s bot auch Platz für ein Spielzeugm­useum. „Im Jahr 2000 haben wir das eröffnet“, erinnert Kerstin Fiedler sich. Noch immer streifen dort Besucher, oft Eltern oder Großeltern mit ihren Kindern/Enkeln, durch die (n)ostalgisch­en Exponate. Während die Älteren in Sentimenta­lität schwelgen, dürfen die Jungen gern auch mit den alten Schätzen spielen. So weit, so gut. Bloß: Was hat es jetzt mit den

India anern auf sich?

Ker - stin Fiedl klärt Ihr M die der erfor Internetse­ite dazu entwickelt. „Im Jahr 2008 kam er auf die Idee, für eine geplante Sonderauss­tellung einen Aufruf zu starten.“Nach dem Motto: Liebe Görlitzer, wer könnte uns noch Spielzeugi­ndianer zur Verfügung stellen? Die Resonanz war überwältig­end. „Die Leute haben säckeweise ihre Indianer gebracht“, denkt Kerstin Fiedler zurück. Viele von ihnen wären durchaus stolz gewesen, dass ihr Spielzeug nun ausgestell­t würde. Anderersei­ts wollten die meisten ihre Sachen gar nicht zurückhabe­n. Also landeten sie nach der Ausstellun­g im Görlitzer Spielzeugm­useum (und einer weiteren im Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal) in den Privatgemä­chern der Fiedlers. Und blieben dort. 2 2014, während der Fu ußball-Weltmeiste­rhaft, sc riss das Schicksal Tho omas Fiedler aus dem Lebe en. Herzinfark­t mit gemal rade 58 Jahren. Brutal! Auch für seine Witwe. Die Journali istin musste ihr Leben neu ordne en, peilt mittlerwei­le die Frührente an n. Das Haus? Eigentlich viel zu groß für s sie allein. Doch ehe Kererklein­ern“stin Fiedler sich „ve kann, gilt es Dachböden, Schrän Schränke, Vitrinen und Pappkarton­s von Indianern zu leeren. Anfragen beim Karl-May-Museum in Radebeul und im Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal stießen auf mäßiges Interesse. „Bedauerlic­herweise“, sagt Kerstin Fiedler. „Ich möchte die Sammlung natürlich in gute Hände geben“, betont sie, am allerliebs­ten „am Stück“. Denn viele der Exponate sind nicht nur in Sammlerkre­isen einiges wert, „sie könnten sicher vielen Menschen noch

Freude machen“, ist die Görlitzeri­n überzeugt.

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Kontakt:

 ?? ?? Indianerfi­guren wie diese fanden sich einst in vielen Kinderzimm­ern der DDR. Meist waren die Ureinwohne­r beim Spielen „die Guten“.
Eine Modelleise­nbahn ziert den hinteren Raum des Museums.
Das Görlitzer Spielzeugm­useum befindet sich in der Rothenburg­er Straße 7.
Allein die Boote - Kanus und Einbäume mit und ohne Segel - füllen fast eine Vitrine.
Indianerfi­guren wie diese fanden sich einst in vielen Kinderzimm­ern der DDR. Meist waren die Ureinwohne­r beim Spielen „die Guten“. Eine Modelleise­nbahn ziert den hinteren Raum des Museums. Das Görlitzer Spielzeugm­useum befindet sich in der Rothenburg­er Straße 7. Allein die Boote - Kanus und Einbäume mit und ohne Segel - füllen fast eine Vitrine.

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