Morgenpost am Sonntag (Dresdner)

So schräg lief die Entführ ung des Aldi-Gründers

- straße Bürowoh

Das Essener Polizeiprä­sidium blies vor 50 Jahren zur größten Fahndung, die die Bundesrepu­blik bis dahin erlebt hatte: 164 Ermittler einer Sonderkomm­ission gingen jedem brauchbare­n Hinweis nach, der sie auf die Spur des entführten Milliardär­s Theo Albrecht führen könnte. Der Chef der Aldi-Nord-Gruppe blieb aber unauffindb­ar. Siebzehn Tage lebte er in Todesangst in einem Schrank, bis es zu einer ungewöhnli­chen Geldüberga­be kam. Das ermutigte in der Folge weitere Kriminelle, besonders reiche Menschen zu kidnappen. Auch an diesemd diesem 29 29. November 1971 ve erließ Theo Albrecht gegen 18 Uhr wie so oft als Letz ter die schmuckloF­irmenzentr­ale im seG e ewerbegebi­et. Als er in n seinen Mercedes s steigen wollte, traten von rechts und links zwei Männer an ihn h heran. Beide hatten d die Mantelkrag­en h hochgezoge­n und die Hü üte tief ins Gesicht gez zogen. Sie richteten Pist tolen auf ihn.

Spä äter werden die beierren den He als Heinz Joanburg chim Olle und Paul Kron vor Gericht s stehen. Ersterer aranwalt, beitet als Rechtsa der sein Geld am li liebsten b t iC in Casinos i und mit leichten Damen durchbring­t und diesen Lebensstil nicht finanziere­n kann. Der Zweite, auch Diamanten-Paule genannt, ist sein Mandant - ein vorbestraf­ter Tresorknac­ker, der seinen Kindern gern zu Weihnachte­n Fahrräder schenken möchte.

Die Wahl fiel auf den Mann, der gemeinsam mit seinem Bruder Karl aus einem kleinen Krämerlade­n binnen weniger Jahre einen nationalen Handelskon­zern geschmiede­t hatte - vor allem durch Geiz und Knausrigke­it. Dass sich Theo Albrecht nicht einmal einen Chauffeur leistete, vereinfach­te den Plan. Doch erst im dritten Anlauf glückte ihnen die Entführung. Beim ersten Mal verließ die Ganoven der Mut, beim zweiten Mal hatten sie die Waffen vergessen. Und dann waren sie verwundert, dass dieser unscheinba­re Mann mit abgewetzte­m Anzug von der Stange und Buchhalter-Krawatte tatsächlic­h der gewünschte Milliardär sein soll. Zur Sicherheit ließ sich Paul Kron erst mal den Ausweis des Opfers zeigen. In einer Düsseldorf­er Hauptstraß­e

hatte Ollenburg seine Bürowohnun­g, in der er ein Hinterzimm­er zum Versteck umgestalte­t hatte. Der Entführte musste meist in Unterwäsch­e in einem Schrank sitzen. Die Augenbinde wurde ihm höchstens abgenommen, wenn er Erpresserb­riefe schreiben sollte. Nebenan ging der Kanzleibet­rieb weiter, die Sekretärin ahnte nichts.

Über das Essen beklagte sich der Milliardär später nicht. Auf die Höhe des Lösegelds nahm er Einfluss, indem er seinen Entführern erst einmal den Unterschie­d von Brutto und Netto, Umsatz und Gewinnspan­ne erklärte. Aber sieben Millionen D-Mark waren ihm dann doch sein Leben und seine Freiheit wert.

Für die heikle Mission der Übergabe erklärte sich auf Drängen der streng katholisch­en Familie schließlic­h Ruhrbischo­f Franz Hengsbach bereit, der „unter der Schweigepf­licht des Beichtgehe­imnisses“am 16. Dezember im Dunkeln zu einem abgelegene­n Feldweg fahren musste und die Freigabe des Milliardär­s erreichte. Abspracheg­emäß blieb Theo Albrecht noch eine weitere Nacht in der bischöflic­hen Residenz.

Beide Entführer flogen bald auf. Kron wurde bereits eine Woche später geschnappt, als er mit einem nummeriert­en 500-Mark-Schein bezahlte. Ollenburg wurde kurz vor Silvester in Mexiko gestellt. Beide wurden

1973 zu Freiheitss­trafen von je achteinhal­b Jahren

verurteilt. Die Hälfte des Lösegelds wurde bis heute nicht gefunden.

Die Beamten der Sonderkomm­ission hatten während der Fahndung über 10 000 Überstunde­n angesammel­t. Der befreite Aldi-Chef revanchier­te sich mit 120 Flaschen Sekt, zwei Fässern Bier und zwölf Flaschen Schnaps. Ob er die Waren aus seiner Kette von der Steuer absetzen konnte, ist nicht überliefer­t.

Doch das vermisste Lösegeld ärgerte ihn zeit seines Lebens.

Die dreieinhal­b Millionen wollte Theo Albrecht 1979 steuerlich als „betrieblic­he Sonderausg­abe“geltend machen.

Das Finanzamt und das Finanzgeri­cht ließen den Milliardär aber abblitzen. Auch rief er regelmäßig bei Paul Kron an, um nach dem Verbleib seines

Geldes zu fragen.

 ?? ?? Die schmucklos­e ALDI-Konzernzen­trale in Essen. Hier wurde vor 50 Jahren Theo Albrecht entführt.
Die schmucklos­e ALDI-Konzernzen­trale in Essen. Hier wurde vor 50 Jahren Theo Albrecht entführt.
 ?? ?? Ziel der Begierde: Gestapelte D-MarkSchein­e lösten bei den Ganoven kriminelle Fantasien aus.
Eines der wenigen Fotos von Theo Albrecht. Nach der Entführung ließ er sich nicht mehr in der Öffentlich­keit blicken.
Die Entführer auf der Anklageban­k: der Rechtsanwa­lt Heinz Joachim Ollenburg (r.) und Komplize Paul Kron (hinten links).
Jan Philipp Reemtsma wurde über 33 Tage von den Entführern festgehalt­en. Ein Großteil des Lösegelds blieb verscholle­n.
Entführung­sopfer Richard Oetker ist infolge der zugefügten Verletzung­en zeit seines Lebens gehbehinde­rt.
Ziel der Begierde: Gestapelte D-MarkSchein­e lösten bei den Ganoven kriminelle Fantasien aus. Eines der wenigen Fotos von Theo Albrecht. Nach der Entführung ließ er sich nicht mehr in der Öffentlich­keit blicken. Die Entführer auf der Anklageban­k: der Rechtsanwa­lt Heinz Joachim Ollenburg (r.) und Komplize Paul Kron (hinten links). Jan Philipp Reemtsma wurde über 33 Tage von den Entführern festgehalt­en. Ein Großteil des Lösegelds blieb verscholle­n. Entführung­sopfer Richard Oetker ist infolge der zugefügten Verletzung­en zeit seines Lebens gehbehinde­rt.

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